f \ * j
I DE E: ER \ 2 J
i z )
NEUE FOLGE. VIERTEN BANDES ERSTES HEFT,
LIBRARY —
* RO DTAN ICAL
Gh RDEN:.
UA
Danzig.
KOSTEN DER NATURFORSCHENDEN GESELLSCHAFT. Commissions-Verlag von Th. Anhuth in Danzie,
DRUCK VON F. A. HARICH IN MARIENWERDER,
| N
INHALT.
nnınnNNNNN
1. Jahresbericht der Naturforschenden Gesellschaft für 1875, 2. Mitglieder-Verzeichniss: a) der naturforschenden Gesellschaft; b) der Section für Anthropologie etc.; c) des Vorstandes der Gesellschaft. 3. Verzeichniss der durch Tausch erworbenen, der angekauften und geschenkten Werke, 4. Bericht über die Entstehung und Entwickelung der Section für Anthropologie, Ethnographie ete. . Die wichtigsten Neuerungen in der Krankenbehandlung von Dr. Abege.
. Drei Burgwälle bei Dt. Eylau von Dr. Lissauer, Mit 1 Tafel.
= [-r} O1
. Bericht über die im Jahre 1875 fortgesetzten Untersuchungen der Alterthümer bei Neustettin von Kasiski, Major a. D. Mit 1 Tafel. 8. Ueber Brandgräber von Kasiski, Major a. D. Mit 3 Tafeln.
9. Einige auf die Danziger Canalisation bezügliche chemische Analysen von Otto Helm.
10. Preussische Spinnen von Professor Menge. IX. Fortsetzung mit 6 Tafeln. (Photogr.-Druck.) %
Jahresbericht der naturforschenden Gesellschaft zu Danzig für 187,
erstaltet vom Director derselben, Professor Dr, Bail, am 133. Stilungs- feste, den 2. Januar 1876.
LIBRAR
KAANAANKANDARG NEW YOR l
‘Meine Herren!
Wie an den Einzelnen, so tritt der Ernst der Neujahrsstunde auch an unsere Gesellschaft heran. Auch sie ruft noch einmal, an des Jahres Grenze gestellt, trauernd den Scheidegruss Denen nach, die der Tod aus ihrem Bunde gerissen, und gedenkt Derjenigen, welche durch veränderte Lebensverhältnisse ihr entzogen wurden.
Auch von ihr fordert das scheidende Jahr Rechenschaft über das Soll und das Haben, über die Verwerthung des Pfundes, dass es ihr bei seinem Antritt übergeben, wie über die Lösung der von ihr selbst übernommenen Aufgaben.
Sind dann die Verpflichtungen gegen die Vergangenheit gelöst, so zieht sofort das neue Jahr mit seinem Morgenrothe auch einen neuen Pflichtenkreis um uns. Weit und ausgedehnt ist der zu bestellende Acker, reich das zu Gebote stehende Saatgut; was werden wir zu thun haben, dass demgemäss auch unsere Ernte ausfalle?
So sind uns denn die Gesichtspunkte vorgezeichnet, von denen aus der Jahresbericht von 1875 zu erstatten sein wird. Die ehrenvolle Aufgabe der Ab- fassung desselben ist den Statuten gemäss mit dem Amte des Vorsitzenden ver- knüpft.
Sie sprechen dem, den Sie dazu erwählen, die Ueberzeugung und dass Vertrauen aus, dass erallen von der Gesellschaft vertretenen Diseiplinen die gleiche hohe Bedeutung zuerkenne, und dass er für ihre Unterstützung, soweit es Zi eck und Kräfte ee Gesellschaft erlauben, in unparteiischer Weise eintrete. Von die- ser seiner Ehrenpflicht hat sich ihr zeitiger Director stets durchdrungen gefühlt, ihr wird er auch im neuen Jahre mit ganzer Hingabe zu genügen bemüht sein.
& Gehen wir nach diesen eilenden Worten nunmehr zu unsrem Berichte = selbst über. Es ist das Jahr 1875 ein Trauerjahr gewesen für unsere Stadt, wie = für unsere Gesellschaft, da beide fast dieselben g orossen Verluste zu beklagen haben,
ı
Zn] > |
2
Es entrissunsder Tod aus dem Kreiseunserer einheimischen Mitglieder Herrn Geheimen Regierungsrath Höne, Herrn Felix Behrend, Herrn Gerichtsrath Baum, Herrn Oberstlieutenant a. D. Kulenkamp, Herrn Regierungsschulrath Ohlert, den ersten Kenner der Flechten unserer Provinz, dem die Gesellschaft auch mehrfache Beiträge zu ihren Schriften verdankt, Herrn Dr. med. Sachs, den Director der orthopädischen Anstalt Herrn Funk, Herrn Oberlehrer Besser und Herrn Feuerver- sicherungs-Director Richter; von auswärtigen Mitgliedern Herrn Rector Steinmüller in Culm und Herrn Maschinenmeister Schweichert in Elbing, der correspondirendes Mit- glied war. Letzterer hat während mehrerer Jahre in Neufahrwasser die meteoro- logischen und Meeresbeobachtungen für die Gesellschaft ausgeführt. Schon die blosse Anführung der Gestorbenen hat genügt, Ihnen die Grösse unseres Ver- lustes vor die Seele zu rufen, denn ein wahrer Schatz von Gediegenheit, reicher Erfahrung, unwandelbarer Pflichttreue und gewinnendster Liebeswürdigkeit ist mit ihnen zu Grabe getragen, aber wenn uns auch die Personen entrissen wur- den, das Andenken an ihre Thaten lebt fort in unser dankbaren Erinnerung. Ich fordere sie auf, zum Zeugniss dessen uns von unsern Plätzen zu erheben. Nicht allein der Tod, auch veränderte, zum Theil traurige Verhältnisse haben der Ge- sellschaft eine grössere Zahl ihrer bisherigen Mitglieder entzogen. Schwere Krank- heit nöthigte Herrn Bürgermeister Linz, ein beklagenswerthes Augenleiden Herrn Oberpostdirector Brünnow aus Amt und Stadt zu scheiden. In Folge ihrer Pen- sionirung verliessen uns Seiner Excellenz Herr General v. Treskow und Herr Ma- Jor Trüstädt, die ihren regen Sinn für die Entwickelung der Naturwissenschaften durch regelmässigen Besuch unserer Sitzungen bekundet haben. Herr General- Secretair Martiny, der sich um den rationellen. Betrieb der Landwirthschaft in der Provinz Verdienste erworben hat und auch zu unsern vortragenden Mitgliedern zählte, siedelte sich in Kärnthen an. Abgemeldet haben sich ferner die Herren Werftdireetor Bauck, Dr. Cohn, Postinspector Sakolowski, Hauptmann Hilder, die Stabsärzte Dr. Pieper, Petersen und Preuss, die Doctoren Zuckschwerdt und Krolow, Herr Apotkeker Neuenborn, Gutsbesitzer Collins, Fabrik-Direetor Wa- genknecht, Prediger Heppner und Kaufmann Eitz. Bei den meisten der Genann- ten war der Ortswechsel Grund des Ausscheidens, und doch ist die Zahl derjeni- gen Mitglieder, welche Danzig im vergangenen Jahre verlassen haben, noch nicht erschöpft, da sieben von diesen ihren innern Zusammenhang mit unserer Gesell- schaft dadurch bethätigt haben, dass sie ihr als auswärtige Mitglieder treu geblie- ben sind, es sind die Herren Hauptleute v. Flotow, Clauss und Munzer, Ober- postcommissarius Bajohr, Oeconomierath Fegebeutel, Kreisrichter Kauffmann und Gymnasiallehrer v. Schaeven.
Die Gesellschaft legt ein besonderes Gewicht darauf, dass bei dem Ver- lassen Danzigs nicht zugleich das Band zerrissen wird, welches zwischen ihr und den Scheidenden bestand. Sie erhebt von ihren auswärtigen Mitgliedern nur den halben Beitrag, und bietet ihnen dafür die Schriften, welche bei ihrem jetzigen Umfange und ihrer reichen ‚Ausstattung ein volles Aequivalent desselben bilden.
Wie :n den Vorjahren, so haben auch 1875 zahlreiche neue Aufnahmen stattgefunden und die Geldbeiträge in die Kasse der Gesellschaft fliessen gegen- wärtig von 222 einheimischen und 103 auswärtigen Mitgliedern. Zum Ehrenmit-
A gliede wurde beim Herannahen seines 50jährigen Doctorjubiläums der wirkliche geheime Staatsrath Brandt in Petersb.rg erwählt, während zu correspondirenden Mitgliedern neu ernannt worden sind HerrDr. Klunzinger in Stuttgart und Herr
Professor Thorell in Upsala.
Wir beginnen nunmehr den Bericht über die Thätigkeit der Gesellschaft im verflossnen Jahre und zwar mit der Darlegung ihres wissenschaftlichen Wir- kens. Dasselbe hat sich zunächst geäussert in Wort und Schrift. Mr
15 ordentliche Sitzungen waren der Behandlung wissenschaftlicher 'The- mata geweiht, nach Fächern geordnet kamen folgende Gegenstände zur Bespre- chung. ,
1. Aus der Astronomie. Herr Director Ohlert hielt einen Vortrag über das Laplace’sche Weltsystem 3. März. Herr Kayser über die Natur der Kometen 7. April. Derselbe über Fortschritte der Astronomie in Bezug auf die Sonnenparallaxe 6. October, ferner Herr Director Ohlert über Kants Hypothese der Entstehung unsres Planetensy- stems 1. Dezember.
2. Aus der Physik. Herr Professor Lampe hält einen demonstrativen Vortrag über das Sciop- ticon, 3. Februar und Herr Realschullehrer Behuneck einen durch zahlreiche Ex perimente belebten Vortrag über Klangfarbe und über die Ursachen der Har-
monie, am 3. November: 3. Aus der Chamie.
Herr Stadtrath Helm sprach über Rosolsäure und über das künstlich dar- gestellte Vanillin am 17. April und hielt am 22. September einen Vortrag über die Beschaffenheit des Danziger Canalwassers. Dr. Bail berichtet am 15. De- zember über die neuesten Experimente mit den berühmtesten antiseptischen Mit- teln. Er zeigt dann drei Reagensgläser mit Lösungen von Salieylsäure, Carbol- säure und Benzoesäure vor. In alle 3 hat Herr Dr. Schuster vor Wochen Amei- senpuppen geworfen, dieselben überzogen sich in der Salieylsäure nach wenigen Tagen mit Penicillium glaueum, welches die Flüssigkeit jetzt als dieke Kruste abschliesst, in den beiden andern zeigt sich nach mehreren Monaten noch nicht die Spur von Schimmelbildung.
4. Aus den beschreibenden Naturwissenschaften. a. Allgemeinern Inhalts.
Fortsetzung des Vortrags des Herrn Oberstabsarzt Dr. Oppler über Haeckels Anthropogenie. . b. Aus der Botanik.
Dr. Bail hielt einen durch Exemplare und Präparate erläuterten Vortrag über die sogenannten fleischfressenden Pflanzen am 2. Januar, ferner über die
4
Befruchtungsvorgänge bei den Cryptogamen, am 17. März. Derselbe besprach am 17. Februar unter Vorzeigung dazu geeigneter Apparate die Methoden zur Fixi- rung isolirter Zellen behufs Beobachtung ihrer Weiterentwickelung, sodann am 20. Oktober die Dichogamie der höhern Pflanzen unter Mittheilung seiner eignen Beobachtungen und legte am ‘3. November von Herrn Stadtrath Helm gezogene Ex- emplare von Arachis Do mit Hülsen in allen Stadien der Entwickelung vor.
Am 17. April hielt Herr Stadtrath Helm einen Vortrag über Monas pro- digiosa.
c. Aus der Zoologie.
" Demonstrativer Vortrag des Herrn Realschullehrer Schultze über Weich- thiere mit besonderer Berücksichtigung der der Danziger Fauna angehörenden Bericht des Herrn Hauptlehrer Brischke über die Lebensweise von Odynerus pa- rietum, Chrysis ignita und Osmia bicornis am 22. September. Dr. Bail demon- strirt die der Ge lschhll gehörenden bei Danzig gefundenen Hörner eines Büffels, Bos Pallasü, und ein echt in unserer Gegend ausgegrabenes Rennthiergeweih
d. Aus der Mineralogie.
Herr Oberstabsarzt Fröhling hielt einen längeren Vortrag über die naturhi- storischen, besonders geologischen Verhältnisse Böhmens am 17. November. Aus” serdem wurden in verschiedenen Sitzungen die für die Versammlungen als Ge- schenke eingegangenen Mineralien vorgelegt und erläutert.
5. Aus der Medicin.,
Hielten Vorträge Herr Dr. Hanff über Waldenburgs pneumatischen Apparat mit Demonstrationen am 20. Januar und Herr Geheimerath Abezg über Rettungsmittel bei drohenden Verblutungen am17. Februar. Am 22. Sep- tember theilte der Director die in Folge seiner Erkundigungen eingelaufenne Angaben des Herrn Kreisphysikus Meinhold über die in den Zeitungen besproche- nen Pilzvergiftungen in Pleschen mit.
Noch haben wir hier der Sitzungen unsrer sehr thätigen anthropologischen Section zu gedenken, welche am 26. Februar, 27. October u. 22. Dezember stattfanden Ich muss es mir hier versagen, alle die interessanten Vorlagen und Mittheilungen zu besprechen, die in denselben gemacht wurden. Es haben sich bei den Ver- handlungen besonders betheiligt die Herren Dr. Lissauer, Walter Kauffmann, Dr. Mannhardt, Oberpost-Commissarius Schück, Stadtrath Helm, Realschullehrer Schultze, Dr. Oehlschläger, Herr Florkowski, Herr Oberstabsarzt Dr. Oppler und Herr Administrator Holtze, während schriftliche Mittheilungen eingangen waren von Herrn Landrath v. Stumpfeld in Culm, Herrn Major Kasiski in Neustettin und Herrn Baurath Krüger in Schneidemühl.
Der umfangreichste Vortrag war der vom Vorsitzenden der Section, Herrn Dr. Lissauer, am 22. Dezember gehaltene über Leben und Schriften des Dr. Schlie- mann. Letztere sind vom Autor sämmtlich der Bibliothek unsrer Gesellschaft zum Geschenk semacht worden.
[9]
Auch unsere Schriften sind im vergangenen Jahre durch ein Heft ver- mehrt worden, das ich zu meinem Bedauern Ihnen zwar heute noch nicht vorle- gen kann, dass aber als abgeschlossen zu betrachten ist. Dasselbe enthält ausser dem Jahresberichte für 1874 von Herrn Dr. Semon und: dem Mitglieder-Ver- zeichnisse die Fortsetzung der preussischen Spinnen von Prof. Menge; sodann die Beschreibung des Sceletes unseres Finnfisches von demselben, ferner „Akustische Studien am Klavier“ von Herrn Astronom Kayser und einen Bericht über die Ausgra- bungen bei Neustettin im Jahre 1874 vonHerrn Major Kasiski, endlich die bereits er- wähnten Vorträge des Herrn Director Ohlert und (reheimerath Abegg und Mit- theilungen der Herren Brischke und Bail. Dabei sind für Ausstattung der Tafeln keine Kosten gescheut und esist z. B. für die Spinnen- und Finnfisch-Abbildungen das neueste, vorzüglichste Mittel der Vervielfältigung, der photographische Druck durch Herrn Obernetter in München in Anwendung gebracht worden.
Als das 3. Gebiet, auf dem sich die wissenschaftliche Thätigkeit unsrer Gesellschaft äussert, haben wir unsere Sammlungen zu bezeichnen, und ich kann es mir nicht versagen, hier im Namen der Gesellschaft denjenigen Herren zu dan- ken, welche für die Bestimmung, Ordnung und Aufstellung derselben sich so gro- ser Mühwaltungen unterzogeu haben und ‘zum grossen Theile noch unterziehen, wie auch denjenigen, welche in jedem Sommer die Beaufsichtigung und Erläute- rung unsrer dem Publikum geöffneten Sammlungen übernehmen. Ausser den Herren Inspectoren der Sammlungen haben in ersterer Beziehung auch die Herr ren cand. Conventz und Bergakademiker Treptow sich Verdienste um die Gesell- schaft erworben.
Die Ziele, welche wir mit unserm Museum erstreben, sind, dass es werde
1. Eine Quelle naturwissenschaftlicher Anregung für
Jung und Alt.
2. Eine Schatzkammer anMaterial fürneue wissenschaft- liche Untersuchungen.
3. Ein Abbild der Natur und ältesten Geschichte West- preussens und endlich
4. Durchaalles dies ein Stolz derBewohner unserer Stad und unserer Provinz.
Was die dazu Berufenen unter uns vermögen, wir haben es an gutem Willen und Aufwendung von Kräften für Erreichung dieser Ziele nicht fehlen lassen nnd, ich darf sagen, wir sind auch vorwärts gekommen, wenn auch Nie- mand schmerzlicher, als ich, von dem Mangel an pecuniären Mitteln berührt wer- den kann, der uns bei Verfolgung so hoher Zwecke hindernd in den Weg tritt. Auf der andern Seite müssen wir mit Dank und Freude des immer regern Inte- resses gedenken, welches in der Provinz für eine solche Centralsammlung und auch unter unsern Freunden im Auslande sich für unser Museum geltend macht Sind wir doch binnen wenigen Jahren in den Besitz eines anthropologischen Ca- binets von hoher allgemeiner und provinzieller Bedeutung gelangt, dem im vori- gen Jahre unter zahlreichen andern Gegenständen die aus 134 Nummern be- stehende, von Herrn Landrath v. Stumpfeld in Culm zütigst weschenkte Samn-
6
. * lung, wie eine zweite ebenfalls umfangreiche von Herrn Hirschfeld auf Czerinau ein- verleibt wurde. Auch die andern Theile unsres Museums erfreuten sich reicher Geschenke; so danken wir der Vermittelung des Herrn Dr. Sachs in Cairo die Uebersendung einiger 50 der merkwürdigsten Fischformen des rothen Meeres durch Hm. Dr. Klunzinger, wissen, dass unser Landsmann Herr Sander mit liebenswürdigstem Eifer in Ceylon für die Gesellschaft gesammelt hat. Wie in den früheren Jahren, so fehlen auch in diesem unter den Namen der gütigen Geber nicht die der Herren Geheimerath Abegg, Dr. Schuster, Kaufmann Glau- bitz und Döring, Dr. Lohse, Kaufmann Mellien, Pfarrer Hampf, Dr. Oehlschlä- ger, Oberpost-Kommissarius Schück, Baueleve Gromsch, eand. Convents, Kauf- mann Dommasch und Stadtrath Helm. Herr Kaufmann Fuhrken in Bremen über- sandte diesjährige japanesische Samen in Originalverpackung mit auf den Kapseln befindlichen bunten Abbildungen und den Namen in japanesischer Schrift. Herr Gutzbesitzer J. Müller auf Subkau ein todtes Lamm mit 8 Beinen und 2 voll- ständig ausgebildeten Hintertheilen, dessen bereits * macerirte Knochen Herr Dr, Wallis zum Scelet zu vereinen versprochen hat. Endlich erhielten wir Geschenke von den Herren Gutsbesitzern Bucholtz auf Gluckau, Marine-Ingenieur Hossfeld, v. Frantzius-Kaltenhof, Richter-Neu-Bolitten, Maquet-Nenkau, Pudor-Seefeld, v. Brauchitsch-Katz, Dahlmann-Oliva, Director Töppen-Marienwerder, Gehen Höne-Lehsen, Richter-Danzig, v. Dizielski-Nersin, Oberförster Feussner-Ciss und Dr. Mannhardt.
Auch eine pecuniäre Unterstützung haben wir hier dankbar zu erwähnen. Das Königliche Unterrichtsministerium bewilligte auf Vermittelung seiner Excel- lenz des für unsre Gesellschaft stets mit dem gütigsten Wohlwollen erfüllten Herrn Öberpräsidenten v. Horn unsrer anthropologisch-ethnographischen Section zur Förderung ihrer Zwecke in diesem Jahre die Summe von 400 Mark.
W as unsern Finnfisch anlangt, so ist das Scelet desselbenfertig und in un- ser Haus übergeführt, bisher aber dem Publikum noch nicht zugänglich, da nicht nur der Gesammteffeet, sondern besonders die genauere Besichtigung desselben, bei dem ursprünglich beabsichtigten Aufhängen beeinträchtigt werden würde, wo- von sich der Vortragende besonders durch seinen in dieser Angelegenheit unter- nommenen Besuch des anatomischen Museums in Breslau überzeugt hat. Da nun ohnehin um unsrer anderen Sammlungen willen bauliche Veränderungen als drin- gendes Bedürfniss erscheinen, sv ist die Aufstellung dieses sehenswerthesten Stü- ckes unsres Museums verschoben worden.
Dagegen ist noch keine Aussicht vorhanden, dass die uns ven Neuem an- gebotene ornithologische Sammlung des Herrn Prediger Böck, so hohe, besonders provinzielle Bedeutung derselben auch zuerkannt werden muss, in den Besitz uns- rer Gesellschaft übergeht.
Lassen Sie uns meine Herren in unsern Bestrebungen nicht müde wer- den, gewiss es kommt der Tag, an dem sich auch fürunsre reichen Sammlungen der geeignete Raum zur Aufstellung und die noch fehlenden Fonds zu ihrer Ver- vollständigung und dauernden Conservirung Kunden!
Sn unser Schriftaustausch hat in erfreulicher Weise zugenommen, denn wir erhielten Zusendungen als Einleitung desselben von:
Wir
d
i . Der Krakauer Akademie der Wissenschaften; Der Societa adriatica di Scienze naturali in Triest, Der Akademie in Neustadt-Eberswalde,
(Prof. A. Müttrichs Forstbeobachtungsergebn isse.) Von Putbus (Entomologische Nachrichten), Vom Entomologischen Verein in Berlin, Von der Soeicte Murithienne, einer botan. Gesellschaft, die zu Ehren des Domherrn und berühmten Botanikers Murith gegründet ist u. uns z. B. einen Guide de botaniste sur le grand St. Bernhard über- sandt hat, Von der neu gegründeten Soeiete geologique de Belgique. Vom academisch naturw. Verein in Graz, Von der Königlich ungarisch naturwissenschaftlichen Gesellschaft in Budapest, deren prächtig ausgestattete Schriften ich mir Ihnen vor- zulegen erlaube, und deren Aufmerksamkeit gegen auswärtige Ge- sellschaften, neben den ungarischen stets auch den deutschen Text zu setzen, die dankbarste Anerkennung verdient, Von der University Biologieal Association zu Dublin, Von der Gesellschaft naturforschender Freunde in Berlin, Vom Verein für naturwissenschaftliche Unterhaltung zu Hamburg, Von der Societä Toscana di Szienze Naturali, Von der SocietE Khediviale de Geographie zu Cairo, Von der Academie Imperiale des sciences zu St. Petersburg (Bulletins).
stehen gegenwärtig mit 164 Gesellschaften im Schriftaustausch.
Die ausserdem eingesangenen Bücher-Geschenke, Anschaflungen et.c. sind aus dem Verzeichniss über die Vermehrung unsrer Bibliothek zu ersehen, welches gleichzeitig mit diesem Jahresberichte gedruckt wird, hier sei nur noch erwähnt, dass Herr Photograph Ballerstädt uns freundlichst ein vollständiges Exemplar seiner Photographieen unsres Finnfisches verehrt hat
In den 10 ausserordentlichen Sitzungen kamen ausser Mitgliederwahlen fol- gende Gegenstände zur Verhandlung:
1,
2.
Ein Nachtrag zum Gesellschaftsstatut, der nunmehr bereits. nachdem er die Bestätigung von Seiten Seiner Excellenz des Herrn Cultus- ministers erhalten hat, in Kraft getreten ist,
Die Vergebung des Humboldtstipendiums an Herrn stud. Döring in Berlin.
Der Umstand, dass für dieses Stipendium stets sehr tüchtige Be- werber vorhanden sind, beweist, dass die Gesellschaft mit dessen Stiftung sich ein entschiedenes Verdienst erworben hat, möge das Capital desselben, das sich gegenwärtig auf 1360 Thlr. beläuft, und im vergangenen Jahre durch eine Sammlung und ein Geschenk des Herrn Geheimrath Abegg gewachsen ist, durch Zuwendungen und Vermächtnisse zu einer Höhe gelangen, die ihm erlaubt, in erheb- licherer Weise das Studium der Naturwissenschaften zu fördern,
_
3. Erfolgte in einer der letzten ausserordentlichen Versammlungen die Ertheilung der Decharge für die von Herrn Münsterberg und Prof. Tröger reridirte Rechnung des Jahres 1874 und
4. in > letzten Sitzung am 15. Dezember die Wahl der Beamten für 1876, bei der u Beamten des Vorjahres wieder gewählt wurden.
Am 2. Januar 1875 feierte die Gesellschaft ihr Stiftungsfest im Apollo- saale des „Hötel du Nord.“
Auch fand im vergangenen Jahre ein Ausflug und zwar nach Zoppot statt; dergleichen Excursionen haben den Zweck, den Meer unter Umständen auch den Damen ihrer Familien, Gelegenheit zu geben, durch die Fachmänner allerlei Anregung u.Belehrung zu empfangen. Von diesem Gesichtspunkte ausgehend hielt in dem in Rede stehenden Falle der Director der Gesellschaft einen kurzen Vor- trag über die Fauna und Flora der Ostsee bei Danzig und suchte durch lebende Exemplare besonders die Anwesenden mit unsrer Strandflora bekannt zu machen.
Für diese Festlichkeiten sorgte mit freudigem Eifer der leider jetzt so schwer vom Unglück heimgesuchte Herr Postdirektor Johannesson. Die Einleitung ähnlicher Ausflüge für das neue Jahr, wie unseres heut zu feiernden Stiftungs- festes hat freundlichst Herr Gerichtsrath Hewelcke übernommen, für letztern Zweck in Verbindung mis einer Commission, die aus den Herren Dr. Häser. Oberstabs- arzt Oppler und Stadtrath Helm besteht.
Hiermit schliesse ich, meine Herren, den Bericht über die Schicksale und das Leben unsrer Gesellschaft im Jahre 1875. Dieselbe wurzelt seit der Zeit ihrer Begründung in jenem idealen Zuge der deutschen Nation, höhern Zielen nach- zustreben ohne jeden materiellen Gewinn, lassen Sie uns in diesem Sinne fort und fort wirken, sei esauch ferner unser Stolz in einer Stadt, dem fast jegliches Staats- institut für die Förderung der Wissenschaft fehlt, dennoch an dem Fortschritt derselben zu arbeiten, mögen die Männer vom Fach die Ergebnisse ihrer ernsten geistigen Arbeit inunsern ordentlichen Sitzungen zum Vortrag bringen und unsere Schriften recht fleissig durch Beiträge fördern, mögen endlich alle Mitglieder un- srer Gesellschaft treu bleiben in ihrer bisherigen Begeisterung für dieselbe,
Immer lebhafter bekennen sich die Bewohner Westpreussens als Förderer unsrer Interessen, wir werden nicht vergessen, dass, wenn man uns die Führer- schaft im naturwissenschaftlichen Gebiete in unsrer engern Provinz einzuräumen geneigt ist, diese Ehre uns geistige Anstrengungen, wie materielle Opfer aufer- lest, und indem wir so selbst Alles thun, was wir thun können, dürfen wir uns der Hoffnung hingeben, dass die Zeit nicht mehr fern ist, in der die Verwaltung der Provinz selbst, unsrer altehrwürdigen, bewährten Gesellschaft die Mittel bieten wird, deren sie zur vollen Lösung ihrer grossen Aufgaben nicht entbehren kann.
Möge das Jahr 1376 uns der Erreichung dieses längst ersehnten Zieles näher bringen!
A. Mitelieder-Verzeichniss
der
Naturforschenden Geselischaft zu Danzig.
Im April 1876.
Aufgen. i. Jahre
Abegg, Dr., Geh. San.-Rath u. Director des
Hebammen-Instituts in Danzig Albrecht, Stadtger.-Präsident in Danzig Althaus, Dr., Arzt in Danzig . . . .
1856 1872 1874
Alsen, Reg -Baurath in Danzig . . . 1872 Alsleben, Hötelbesitzer in Neustadt . 1876 Anger, Dr., Gymn.-Lehrer in Elbing . 1872 Apolant, Baumeister in Carthaus . . 1870 v. Baehr, Major a. D. in Danzig . 1873
v. Baer, Staatsr. u. Prof. in Petersburg
1820
Bail, Dr., Professor in Danzig . . . . 1863 Bajohr, Ob.-Postkommiss. in Neufahrw. 1874 Baleke, Ingen.-Major in Pillau 1879 Ballerstädt, Photograph in Danzig . . 1876
Barg Th., Kaufmann in Neufahrwasser 1872 Bartels, Ob.-Staatsanwalt in Cassel . . 1873 Bartels, Capitain in Neufahrwasser . . 1874
Barthel, Gymn.-Ob.-Lehrer in Neustadt
1871
Baum, Professer in Göttingen . „ . 1832 Baum, George, Kaufmann in Danzig . 1863 Baum, Dr., Stabsarzt in Dawig . .„. . 1868 Becker, Apotheker in Danzig . . . 1865 Behunek, Realsch.-Lehrer in Danzig . 1875 Berger. J. J., Kaufmann in Danzig + 1873 Bertram, A., Rentier in Danzig. . . 1875 Beuth, Buchhändler in Danzig . . . 1875 Biber, Kaufmann in Danzig . . . . 1865 Bieler, Ob.-Amtmann auf Bankau .„ . 1874
Aufgen. i. Jahre
Bischoff, Commerzien-Rath in Danzig . 1865
v. Blumenthal, Regierungs-Präsident in
Sigmaringen = «00 neun. 4842 v, Bockelmann, Dr., Sanitäts-Rath in
Danzionss Aa Boehm, Consul in Danzig. . . . . 1865 Boltzmann, Apotheker in Danzig . . 1868 Boretius, Dr., Sanitäts-Rath, Physikus
in. Danzip - ii, eikane ine v. Borries, Oberst a. D. in Weissenfels 1859 Boy, Rittergutsbesitzer auf Katzke 4871 v. Brandt, Geh. Staatsrath in Petersburg
(Ehrenmitglied) . » 2. .1839 Bredow, Dr., Arzt in Danzig „ . . . 1855 Breitenbach, Justiz-Rath in Danzig . 18553 Brischke, Hauptlehrer in Danzig . 1866 Bütow, Hauptmann in Danzig . 1875 Bulcke, C., Kaufmann in Danzig . 1872 Burau, Wilh., Kaufmann in Neustadt .„ 1873 Burchard, Reg.-Rath in Danzig . . . 1874 Caspary, Professor in Königsberg . . 1967 Chales, Paul, Kaufmann in Danzig . 1872 Cialdi, Commandeur in Civita Vechia . 1866 Classen, Mühlenbes. in Danzig . . . 1874 Clauss, Hauptm. i. Königsberg i. Pr. . 1873 Clotten, Katast.-Contr. in Carthaus . . 1870 Cohn, Georg, Kaufmann in Danzig . . 1873 Cohn, Ed., Kaufmann in Danzig . 1876
#
‘ Aufgen. i. Jahre Conrad, Kaufmann in Danzig . . . 1876 Czwalina, Professor in Danzig , . . 1830 Damme, Stadtrath in Danzig . . . . 1867
Davidsohn, G., Kaufmann in Danzig . Degner, Wasserbau-Inspector in Danzig Devrient, Schiffsbaumeister in Danzig . v. Diest, Reg.-Präsident in Danzig . Diller, Photograph in Danzig . . . Doege, Apotheker in Culm. , ... Doehring, C. H., Kaufmann in Danzig Dohrn, Dr., Director der entom. Gesell- schaft in Stettin . . Dommasch, Buchhalter in Danzig . . Doubberck, Buchhändler in Danzig . Dove, Geh. Rath u. Prof. in Berlin (Ehrenmitglied.) . . » .. Dragoritsch, Kais. K. General-Consul
18772 1873 1866
. 1873
1872 1873 1868
. 1867
1874 1870
1828 1870
Drawe, Rittergutsbesitzer auf Saskoschin 1868 Durand, Rentier in Danzig s . . . 1867 Eggert, Lehrer in Jenkau . . » . . 1840
Ehlert, Direct, der Marienhütte i. Danzig Ehlers, Secretair n Dazig .... Ehrhardt, Reg.-Baurath in Danzig . . am Ende, Gerichts-Rath in Danzig. . Erman, Professor in Berlin . ...
1875 1870 1859 1866 1837
Eschholz, Postsekretair in Danzig . . 1867 v. Etzdorff, Major in Danzig Sr Eyff, Polizeisekretair in Danzig . . * 1871 Faber, Gutsbesitzer auf Fidin . . . 1867
Fahle, Professer in Posen . . ... Feldt, Professor in Braunsberg . . » Finke, ÖOberlehrer in Danzig . . . » Fischer, Rentier in Hochwasser . - » v. Flatow, Hauptmann in Erfurt . v. Franzius, Dr., in Schaffhausen . . Freitag, Dr., Arzt in Danzig . . . . Frese, Major in Danzig EN ER Fritzen, Kr..Gerichtssekretair i. Neustadt Fröling, Dr.. Ober-Stabsarzt in Danzig Fromm, Baumeister in Neustadt . . . Fürstenberg, Alex., Kaufm. i. Danzig Funk, Dr., Professor in Cullm . . . Gebauer, Generalmajor in Danzig . . Gersdorff, Zimmermeister in Danzig . v. Gersdorff, Haupsmann in Danzig . Gieldzinski, Kaufmann in Danzig . » Glaser, Dr., Sanitätsr. u Physik. i. Danzig Glaubitz jun., Kaufmann in Danzig Glaubitz sen., Brauereibesitzer in Danzig Göldel, Max, Gutsverwalter in Zoppot Göppert, Geh. Med.-Ratlı, Profi. Breslau
(Ehrenmitglied) le Goldberg, Max, Kaufmaun in Danzig .
1871 1833 1874 1866
. 1872
1853 1871 1874 1871 1872 1870 1876
. 1866
1875 1868 1872 1875 1859
. 1874
1876 1873
. 1836
1873
ze
E2
Goldschmidt, Geh. Commerzien-Rath in Danzie- '. nr Me:
Goldstein, Marcus, Kaufmann inDanzig
Goldstein, Martin, Bankier in Danzig
Aufgen. i. Jahre
1865 1873 1873
Goldstein, Jul., Kaufmann in Danzig .1874
Goltz, Kreiskassen-Rendant in Carthaus 1872 Gompelsohn, Kaufmann in Danzig . . 1875 Gottheil, Photograph in Danzig . . . 1866 Grabo, Dr., Director der Gewerbeschule
in Danzig)... v. Gramatzki, Landrath in Danzig . 1874 v. Grass, Rittergutsbesitzer auf Klanin 1873 Grentzenberg, Rob., Kaufm. in Danzig 1866 Grentzenberg, Ed,, Kaufm, in Danzig 1874 v. Greve, Polizei-Rath in Danzig . . 1871 Grolp, Rechtsanwalt in Neustadt - . 1871 Gronau, Professor in Danzig
(Ehrenmitglied) . 2... .1830 v. Gronow, Landesältester zu Kalinowitz 1869 Grube, Staatsrath, Professor in Breslau 1842 Grunert, Professor in Greifswald . . 1841 Guenther, Dr. Arzt in Danzig . . . 1872 Haeckel, Professor in Jena . . . „1868 Haeser, Dr., Ober-Arzt in Danzig . . 1865 Hagen, Geh. Ober-Baurath in Berlin . 1825 Hanf, Dr., Arzt m Dauzig . .| .. .n01874 Hampf, Pfarrer in Schöneberg . . . 1872 Harder, Dr., Chemiker in Ohra . . . 1873 Harlan, Polizeirath in Dauzig . , .1875 Haselau, Kaufmann in Danzig . . . 1867 Hasse, Rud, Kaufmann in Danzig . . 1869 Haussmann B., Stadtrath in Damzig . 1872 Hayn, Gutsbesitzer in Hermsdorf. i. Schl. 1866 Hein, Dr., Arzt in Danzig . . . » 2489 Heinersdorf, Apotheker in Cullm . . 1873 Heise, Oberförster in Gnewau . . . . 1875 Heller, Dr., Ober-Stabsarzt in Danzig . 1873 Hellwig, Prov.-Steuerdirect., Geh. Ober-
finanz-Rath in Danzig . . . 1873 Helm, Stadtrath in Danzig. . . » . 1865 Helm, Kaufmann in Danzig . . . „1871 Hendewerk, Apotheker in Danzig . . 1865 Henoch, Geh. Baurath in Altenburg . 1869 Hensche, Dr., Stadtrath in Königsberg 1867 Herman, Custos am Museum in Buda-
pest . 2: !.. sah a DEE Hesekiel, Stadt- u. Kreisrichter in Danzig 1874 Hewelcke, Gerichts-Rath in Danzig . 1866 Hoewelcke, Fritz, Kaufmann in Danzig 1876 v. Heyden, Dr. phil., Hauptmann z. D,
in Bockenheim . . . 2. . 1867 Heyer, Landschaftsrath auf Straschin . 1867 Hindorf, Oberst in Danzig . . . . 1876
. . Aufgen. i. Jahre Hinzs, Dr., Arzt in Neufahrwasser . . 1369 Hirsch, Dr., Professor in Berlin . . . 1847 Hirsch. Stadtrath in Danzig . . . . 1866 Hoffert, Dr., Kr.-Physikus i. Schievelbein 1867 Hoffmann, Agqnarienfabrikant iu Danzig 1872 v. Hohenbühel, Freiherr, Sect.-Chef in Dee 0 ee NN, 221865 v. Homeyer, Rittergutsbes. a. Warbelow beuStolp".1 Tui te SER Holtz, jun., Kaufmann in Danzig . . 1871 Holze, Administrator in Kl. Leesen . . 1870 Horn, Dr., Fabrik-Dirig. in Leopoldshall 1868 Horn, Oberamtmann in Oslanin .„ „. . 1873 Hossfeld, Mar.-Ingenieur in Danzig . 1874 Hue de Caligny, Marquis in Versailles 1866 Husen, Postsekretair in Danzig . . .1874 Jablonowski, Ober-Post-Comm. i.Danzig 1866 Jacobsen, Chemiker in Berlin .„ . . 1870 v. Jarotzki, Major in Danzig na lere: Jensen, Schiffsbaumeister in Danzig . 1869 Jo&l, Rittergutsbesitzer auf Zankenzyn . 1869 Johannesson, Post-Director in Danzig 1871 Le Joli, Prof. de la soc, des sciences in Cherbonru nen Su ee 180 Jüncke, W., Kaufmann in Danzig . . 1872 Italiener, J. L., Kaufmann in Danzig . 1873 Kafemann, Buchdruckereibes. i. Danzig 1867 v. Kampen, J., Kaufmann in Danzig . 1870 Kasiski, Major a. D. in Neustettin . .„ 1872 Katsch, Steuerinspector in Danzig „. . 1875 Kauffmann, W., Kaufmann in Danzig 1869 Kaufmann, Stadt- und Kreisrichter in DE N area. 1A Kawall, Pfarrer in Pusten (Kurland) . 1870 Kayser, Astronom in Danzig . . . . 1859 Kessler, Dr., Director in Iserlohn . . 1806 Kirchner, Dr., Director der Hand.-Akad. BR DaBra Een 5786 Klatt, Dr. in Hamburg . . . . « . 1866 Klein, Herm. J,, Dr. in Cöln .. .1873 v. Klinggräff, Dr., Gutsb, a. Paleschken 1866 Klotz, Dr., med. in Dauzig. . . . . 1873 Klunzinger, Dr. in Stuttgardt . . „1875 Knorr, Justiz-Rath in Cullm . . . . 1867 Konsalik, Kreis-Schul-Inspeetor in Neu- Bd. U Me aha "ANESET Kowallek, Stadt- und Kreis-Gerichts- Director in Danzig . . . . 1872 Kreis-Ausschuss in Strasburg . . . 1874 Kreuz, Dr., Gymn.-Lehrer in Danzig . 1867 v, Kries, Rittergutsbes. auf Waczmirs . 1873 Krüger, Wilh., Maurermeister in Danzig 1862 Krüger E. R., Maurermeister in Danzig 1869
Aufgen, i. Jahre
Künzer, Dr., G@ymnas.-Ober-Lehrer in
Marienwerder - . = . . . 1867 Ladewig, Stadt-Rath in Danzig . . . 1865 Lampe, Dr., Professor in Danzig . . - 1859 Laskowski, Kreis-Schul-Inspeet.i Posen 1866 Lebert, Geh. Med.-Rath, Prof. Dr, in
Vevey (Schweiz) . » » . . 1873 Lehfeld, Pr. Lieutenant in Danzig . 1875 Lehmann, F. W., Kaufmann in Danzig 1874 Lentze, Dr., Ober-Stabsarzt in Danzig . 1872 Leupold, Kaufmann in Danzig . . .1875 Licht, Stadtbaurath in Danzig . . 1868 Liebeneiner, Oberförster in Oliva . . 1871 Liepmann, Bankier in Danzig . . 1875 Lierau, Rendant in Danzig . . . . 187 Lignitz, E, Kaufmann in Danzig . . 1869 Lindner, Rechtsanwalt in Danzig . . 1868 v. d. Lippe, Apotheker in Danzig . . 1865 Lissauer, Dr., Arzt in Danzig . . . 1863 Loch, Dr., Arzt in Danzig .' .'. % ©1873 Loche, Benno, Kaufmann in Danzig . 1874 Löw, Dr., Direetor in Guben . . . . 1845 Lotzin, Ernst, Kaufmann in Danzig . 1875 Lozinsky, Dr., Gymn.-Direetor in Culm 1866 Luckow, Prediger in Carthaus . . . 1872 Lütkemüller, Justiz-Rath in Danzig . 1871 Luke, Adalb, Gymn-Lehrer in Culm 1873 Mädler, Staatsrath u. Professor in Bonn 1839 Mallisson, Rechts-Anwalt in Danzig . 1874 Mangold, Ober-Forstmeister in Danzig . 1871 Marschalk, Masch.-Ingen. in Neufahr-
WARSEH, SpA RE BTA Marschall, Dr., San.-Rath in Marienburg 1874 Martens, Dr., Justiz-Rath in Danzig . 1838 Martiny, Rechtsanwalt in Danzig . 1869 Mason, Kaufmann in Danzig . . . . 1875 Mechlenburg, Ingenieur in Danzig . . 1871 Meckbach, Bürgermeister in Dauzig . 1873 Mehler, Dr., Professor in Elbing.. . . 18563 Mellin, Mäkler in Danzig . . .„ . .1863 Menge, Professor in Danzig . . . . 1836 Mencke, Kaufmann in Danzig . . . 1874 Meschede, Dr., Director der Kranken-
anstalt in Königsberg . . 1872 Mix, Commerzien-Rath in Danzig . . 1865 Moerler, Apotheker in Mariengqurg . 1867 Momber, Oberlehrer in Königsberg . . 1867 Morselli, Enrico, Dr. in Modena . . 1874 Morwitz, Jos., Kaufmann in Danzig . 1871 Morwitz, Mart,, Kaufmann in Danzig 1873 Morwitz, Wilh., Kaufmann in Danzig 1876 Mothill, Oberlehrer in Culm . „ . „1866 Mühle, Kaufmann in Danzig . . . . 1866
Bun 2% -
i Aufgen. i. Jahre u Aufgen. i. Jahre Müller, Dr., Medicinal-Rath in Berlin . 1860 Richter, Dr., Fabrikbesitzer in Danzig 1867 Müller, Hugo, Dr., Arzt in Danzig . 1874 Richter, Dr., Kaufmann in Danzig . . 1875 Müller, Ingenieur in Danzig . . . . 1869 Rickert, et Director in ‘önigeberg 1869 Müller, Gymnasiallehrer in Thorn . . 1872 Rodenacker, Ed., Kaufmann in Danzig 1873 Münsterberg, Kaufmann in Danzig . . 1865 v. Rohr, Rittergutsbes. auf Smentowken 1873 Munzer, Hauptmann in Schweidnitz . 1874 Rosenstein B., Kaufmann in Danzig . 1871 Nagel, Dr., Oberlehrer in Elbing . . 1867 Rovenhagen, E., Kaufmann in Danzig 1870 Napromski, Gutsbesitzer in Oliva . . 1876 Rubehn, Literat in Marienwerder . . 1872 Nawrocki, Oecon Commiss in Danzig . 1873 Sachs, Dr., Arzt in Cairo . . . . . 1865 Neugebauer, Dr., Docent in Warschau 1860 Salzmann, jun., Kaufmann in Danzig . 1867 Neumann, Dr. Realschullehrer i. Danzig 1865 Salzmann, Carl, Kaufmann in Danzig 1875 Neumann, Dr., Sanit.-Rath i. Neufahrw. 1867 Samter, Dr. Stadtrath in Danzig . . 1876 Neumann Carl, Kaufmann inDanzig . 1870 Sauer, Lithograph in Danzig . . . . 1872 Nicolai, Dr, Lehrer in Iserlohn . . . 1867 Sauerhering, Bank-Director in Danzig 1866 Nippold, Gerichts-Rath in Danzig . . 1866 v.Schaewen, Gymnas -Lehreri.Schneide- Noelke, Navig.-Schullehrer in Danzig . 1874 mühll . 2... . 1873 Nötzel Otto, Kaufmann in Danzig . . 1871 Schaper, Dr., Med.-Rath in Coblenz. . 1845 Nothwanger, Herm., Kaufm. i. Danzig 1876 Scharff, Buchhändler in Dauzig . . „1872 Oehlschläger, Dr., Arzt in Danzig . . 1867 Scharlock, Apotheker in Graudenz . . 1867 Oemler, Dr., General-Secret. in Danzig 1875 Scheele, Dr., Arzt in Danzig . . . . 180 Ohlert, Reaischul-Direetor in Danzig . 1871 Scheinert, Buchhändler in Danzig . . 1868 Ollendorf, P., Kaufmann in Danzig . 1872 Schepky, Dr. Lehrer in Danzig . . . 1866 Oppermann, Dr. Arzt in Neustadt . . 1871 Schimmelpfennig, Ober-Post- Commis- Oppler, Dr., Ober-Stabsarzt in Danzig . 1873 sarius in Danzig . . . . . 1865 Otto, Dr, Med -Rath in Braunschweig . 1857 v.Schlaginweit-Sakünlünski,Professor Otto, Rechtsanwalt in Neustadt . . . 1871 in Giesen . . . s . 1867 Otto, Stadtbaumeister in Danzig EHRT Schlenther, Gutsbesitzer in Kleinhof . 1868 v. Palubitzki, Hauptmann auf Tasherhof 1876 Schmechel, Landschafts-Seer. in Danzig 1868 Penner, Rentier in Danzig . . „1867 | Schmelkes, Dr., Arzt in Teplitz . . . 1844 Penner W., Brauereibesitzer bei Danzig 1872 | Schneider, Dr., Azt in Neustadt eo. Ad Peters, Dr., Prof. und Director d, Stern- Schneider, Oberförster in Carthaus . 1872
warte an AKona 2022000021857 Schneller, Dr., Arzt in Danzig . . . 1855 Peters, Dr., Rector in Danzig ein! Schoenberg, Kaufmann in Danzig . . 1874 Petrenz, Kr.-Ger.-Direetor in Neustadt 1876 Schondorff, Hauptm. u. Garten-Inspect. Petschow, Stadtrath in Danzig . . . 1867 In Olıwa rn. unse . . 1865 Petzold, Professor, Staatsrath in Dorpat 1868 Schorr, F., Dr., Oberlehrer in Busen 1858 Pfahl, Dr., Assistenzarzt in Danzig „ . 1874 Schottler, Bu Director in Danzig . 1866 Pfannenschmidt, Fabrikbes. in Danzig 1868 Schramm, Kaufmann in Neufahrwasser 1871 Pfeffer, Reg.-Rathı u. Syndikus i. Danzig 1865 Schubart, Dr, Oberlehrer in Culm . . 1866 Pillath, Bürgermeister in Neustadt . . 1871 Schück, Ober-Post-Secretair in Danzig . 1872 Plehn, Gutsbesitzer auf Lubochin . „ 1868 Schulz Schiffisrheder in Neufahrwasser . 1872 Plehn, Gutsbesitzer auf Lichtenthal . 1869 Schulze, Realschullehrer in Danzig . 1865 Poschmann, Justizrath in Danzig . . 1874 Schumann, Realschullehrer in Danzig . 1868 Preuss W., Bankvorsteher in Dirschau 1872 Schuster, Dr, Fabrikbesitzer in Danzig 1866 Rabenhorst, Dr. in Dresden . . . . 1868 Schwabe, Hafenb.-Insp. i. Neufahrwasser 1871 Radde, Director des Museums in Tiflis 1859 Sebaldt, Ob. Betriebsinspector in Danzig 1876 Rehefeld, Apotheker in Danzig . . . 1875 Seemann, Dr., Gymn.-Dir. in Neustadt 1871 Reichard, Dr., Docent in Wien . . . 1868 Seleckmann, Chemiker in Legan . * .1872 Reichel, Gutsbesitzer in Paparezin . . 1867 Semon, Dr, Arzt in Danzig . . „ . 1853 Reichenbach, Hofratlı in Dresden . . 1839 Senkpiel, Gutsbes. in Wonneberg . . 1874 Reichenberg, Rob., Kaufmann i. Danzig 1874 Seydler, Conrector in Braunsberg . . 1869 v. Renard, Carl, Dr., Wirklicher Staats- v. Siebold, Professor in München . . 1835
Rath, Excell. in Moskau . . 1865 Sielaff, Admir.-Seert in Ohra . „ . . 1873
Aufgen, i. Jahre
Siewert, Rob., Kaufmann in Danzig . 1875 Sinogowitsch, Reg.-Arzt a.D. in Berlin 1833 Skopnick, Stadt-Gerichtsrath in Danzig 1872 Staberow, Kaufmann in Danzig . . . 1869 Stark, Dr., Arzt in Danzig ee ein BSHECROr, Arıb, Sins Bra® „0%. 15 sone, Zi Steenke, Baurath in Buchwalde . . . 1829 Steffens Max, Kaufmann in Danzig . 1873 Steimmig, R., Fabrikbesitzer in Danzig 1871 Stobbe, Stadtrath in Danzig . . . . 1867 Stobbe, Rentier in Danzig . . . .„ . 1868 Stobbe, J. H, Kaufmann in Danzig . 1871 Strebitzki, Dr., Gymnas-.Lehr.i. Neustadt 1974 Strehlke, Director in Danzig . . „ . 1823 (Ehrenmitglied.) Stryowski, Genre-Maler in Danzig . . 1872 v. Stumpfeld, Landrath in Cullm . . 1875 Suckau, Telegr.-Inspect. in Danzig . . 1873 Suffert, Apotheker in Danzig . . . . 1806 Theden, Administrator in Hoch-Kelpin 1876 Thiel Gerichtsrath in Neustadt . . 1871 T'horell, Professor in, Upsala . „ . . 1875 Thornwald, Dr., Arzt in Danzig. . . 1870 v. Treyden, Reg.-Rath in Arnsberg . . 1865 Tröger, Professor in Danzig . . » 1889 Uphagen, H., Kaufmann in Danzig . 1875 Voss, Apotheker in Carthaus . . . 1874 Wacker, Lehrer in Marienwerder . „ 1867
B.
Abegg, Dr., Geh. Sanitätsrath in Danzig.
Anger, Dr., Apolant, Kr.-Baumeister in Carthaus, Bail, Dr., Professor in Danzig.
Gymnasial-Lehrer in Elbing.
Bajohr, Ober-Post-Com. in Neufahrwasser.
Baum, G., Kaufmann in Danzig Bertling, Prediger in Danzig. Beuth, Buchhändler in Danzig. Beyer, C., in Warschau. Bramson, Dr. med. in Danzig
Bujack, Dr., Vorsitzender der „Prussia“ in
Königsberg i. Pr.
Cauer, Dr., Gymnasial-Direetor in Danzig. Clotten, Kataster-Kontroleur in Carthaus.
Crüger, Baurath in Schneidemühl.
Davidsohn, G., Fabrikdirector in Danzig.
Dickhoff, auf Przewosz,
Nitglieder der Section
Aufgen,
Wadehn, Katast.-Controleur in Danzig Waechter, Forstmeister in Danzig . .
1. Jalıre
1875 1869
Wallenburg, Dr., Arzt in Danzig . . 1865 Weber, Georg, Gen,-Cons. in Danzig . 1874 v. Wedell, Oberst-Lieutenant in Danzig 1875 Weinlig, Diacongıs in Danzig . . . . 1874 Weiss, Brauereibesitzer in Carthaus . . 1872 Weiss, Justizrath in Danzig . 1878 Wettke, Kr.-Gerichts-Direetor in Elbing 1874 Wetzel, Dr., Stabsarzt in Danzig . , 1874 Wiener, Dr,, Kreis-Physikus in Culm . 1873 Wilde, Lehrer in Danzig . . . .'. 1841 Wilke, H., Kaufmann in Danzig. . . 1872 v. Winter. Geh.-Rath, Oberbürgermstr.
in, Dana sn. 31% .41808 Witt, Regierungs-Feldnesser in Dänzis . 1866 Wolff, Kaufmann in Danzig . . . . 1875 Wollmann, Dr., Arzt in Graudenz . .„ 1867 Faczeck, ‚Dr. Arzt in.Olıvak1>35) 2.0.1871 Zaddach, Professor in Königsberg . 1844 Zeuschner, Dr., Reg.-Med.-Rath i. Danzig 1872 Ziegenhagen, Kaufmann in Danzig . . 1875 Ziegner, Dr., Arzt in Neuteich , . 1871 Ziehm, Gutsbesitzer auf Adl. Liebenau . 1869 Zimmermann, Mühlenbaumstr. i. Danzig 1867 Zimmermann, Lud., Kauf. i. Danzig . 1873 Zitzlaff, Postmeister in Neustadt . 1571 Zucker, Oscar, Kaufınann in Danzig . 1873
.
für Anthropologie ete.
Drawe, Rittergutsbesitzer auf Saskoschin,
am Ende, Gerichts-Rath in Danzig.
v. Frantzius, Rittergutsbesitzer auf Kaltenort.
Friedländer, Dr. med. in Danzig. Gottheil, Photograph in Danzig. Grentzenberg, Rob., v. Grass, Rittergutsbesitzer auf Klanin. Haeser, Dr., Oberarzt in Danzig. Hasse R,, Kaufmann in Danzig, Haussmann, B., Stadtrath in Danzig, Hein, Dr. med, in Danzig.
Helm, Stadtrath in Danzig.
Helm, Ad., Kaufmann in Danzig. Hendewerk, Apotheker in Danzig, Heyer, Landschaftsrath auf Strachin,
Kaufmann in Danzig,
v. Hirschfeld, Reg.-Rath in Marienwerder.
Hoene, Rittergutsbesitzer auf Pempau.
Hoffert, Dr., Kr.-Physikus in Schievelbein., Hoffmann, Fabrikant in Danzig.
Holtz, J., Kaufmann in Danzig.
Holtze, Administrator in Leesen.
Joel, Rittergutsbesitzer auf Zankenezyn. Kafemann, Buchdruckereibesitzer in Danzig. Kasiski, Major a. D. in Neustettin, Kauffmann, Walter, Kaufmann in Danzie. Kauffinann, Postsecretair in Danzig. Kayser, Astronom in Danzig.
Kelp, Dr., Ober-Mediz.-Rath in Oldenburg. v. Kitelhodt, Freiherr, Landrath in Dt. Crone, Klotz, Dr., Arzt in Danzig.
Kowallek, Stadtgerichts-Direetor in Danzig. Kosack, Dr., Stadtschulrath in Dauzig.
v. Kries, Rittergutsbesitzer auf Waczmirs, Krüger, F. W., Maurermeister in Danzig. Lampe, Dr., Professor in Danzig, Lehmann, F. W., Kaufmann in Danzig, Lievin, Dr, med, in Danzig.
Lissauer, Dr. med, in Danzig.
Loohmeyer, Oberlehrer in Danzig. Mallonneck, Rentier in Löbau. Mannhardt, Dr. phil. in Danzig. Marschall, Dr. med. in Marienburg. Ilenge, Professor in Danzig.
Mencke, E., Kaufmann in Danzig. Moeller, Dr., in Danzig.
Morwitz, Jos., Kaufmann in Danzig. Müller, Ingenieur in Danzig. Münsterberg, Kaufmann in Danzig. Neumann, Dr., Sanit.-Rath in Neufahrwasser. Oehlschläger, Dr. med. in Danzig. Ollendorf, Kaufmann in Danzig.
Oppler, Dr., Ober-Stabsarzt in Danzig. Otto, Stadtbaumeister in Danzig,
C. Mitglieder des Vorstandes der Gesellschaft.
Für das Jahr, 1575 sind gewählt worden als
Direetor; Professor Dr, Bail;
Penner, Reutier in Danzig.
Peters, Dr. phil. in Danzig.
Pfeffer, Dr., Oberlehrer in Danzig, Pianka, Dr., Med.-Rath in Marienwerder. Plehn, Rittergutsbesitzer auf Lichtenthal. Plew, Dr, Gymnasiallehrer in Danzig. _ Rickert, Landes-Director in Königsberg. Roeper, Dr., Professer in Danzig. Rubehn, Literat in Marienwerder. Scharlock, Apotheker in Graudenz. Scheele, Dr, Arzt in Danzig.
Scheinert, Buchhändler in Danzig, Schiffer, Dr, Stabsarzt in Danzig. Schimmelpfennig, Ob.-Post-Comm, i. Danzig. Schliemann, Dr. in Neapel. Schmechel, Land.-Seeret. in Danzig. Schneller, Dr. med, in Danzig.
Schück, Ober-Post-Seeretair in Danzig, Semon, Dr. med. in Danzig.
Sielaff, Admir.-Secretair in Danzig. Staberow, Apotheker in Danzig. Starck, Dr. med. in Danzig.
Steimmig, R., Fahrikbesitzer in Danzig. Steimmig, jun., Kaufmann in Danzig. Strebitzki, Dr,, Gymnas.-Lehrer in Neustadt Stryowski, Genre-Maler in Danzig. Stumpf, sen., Juvelier in Danzig. | Tornwald, Dr., in Danzig, Wacker, Lehrer in Marienwerder. Wallenberg Dr. med. in Danzig. Wilke, Kaufmann in Danzig.
v. Winter, Geh.-R. u. Ob.-Bürgerm. in Danzig Witt, Reg.-Geometer in Danzig. Ziegner, Dr. med. in Neuteich. Zywietz, Besitzer in Oliva. |
Vicedireetor: Geh. Sanitätsrath Dr. Abegg;
Secretair für innere Angelegenheiten: Dr. med. Semon;
Secretair für äussere Angelegenheiten: Professor Menge;
Schatzmeister: Ober-Postcommissarius Schimmelpfennig;
Bibliothekar und Inspector des physikalischen Cabinets: Astronom Kayser; Inspector des zoologischen Museums: Professor Menge;
Inspector der Käfersammlung und der botanischen Sammlung: Stadtratı Helm ; Inspector der Schmetterlingssammlung: Kaufmann Grentzenberg ;
Inspector der mineralogischen Sammlung: Realschullehrer Schumann;
Inspector der anthrop.-ethnogr. Sammlung:
Kaufmann W, Kauffmann;
Hausinspector : Gewerbeschuldireetor Dr. Grabo. — Vorsitzender der anthrop.-ethnogr. Seetion ist Dr. med. Lissauer.
u —
Verzeichniss
der ım Jahre 1875 dureh Tausch erworbenen Sehriften.
NNNANNNNNANNNNM
Aegypten.
Kairo. Societ@ Khediviale de geographie. Discours pronone& au Caire etc. par Schweinfurth. Statuts de la societe ete. Alex. 1375. 8.
Alexandrie 1875. 8.
Beleien
Pe) U}
Brüssel. Academie royale des sciences etc. de Belgique. Bulletins de lacad. Serie 2. Tom. 35—357. Brux. 18 Annuaire de lacad. 1574. Brux. 1374, 8 Memoires couronnes ete. Colleet. in 8. Tome 23. Brux. 1873. 8. Memoires de l’acad. ete. Tome 40. Brux. 1575. 4.
Memoires couronnes et mem. des savants etrang. Tome 37,58. Brux. 18.15.14. 9. Societe entomol. de Belgique, Annales ete. Tome 17. Br. 1874. 8. Comptes-rend. Serie 2. N. 2—20. 1874,75. 8. Lieoe. Societe ceolosique de Beloique. Tome 1, 1574, Liese. 1874,75. 8. oO fo} Lo, 1 {po} fe}
13,14.'8.
Dänemark. Kopenhagen. K. Dänische Akademie der Wissenschaften. Oversigt over det K. Danske Videnskabernes Selskabs Forhandlinger 1573 N. 2. Kjöbenhavn 8. Society roy. des antiquaires du nord. Memoires ete. Nouv. serie 1373—74. Uop. 8. Aarboger for nordisk oldkyndished og historie.
i Aaret
7866-74. 2324.
Deutschland.
Berlin. K. Preuss. Akademie der Wissenschaften. Abhandlungen aus dem Jahre 1874. Berlin 1875. 4.
Monatsberichte aus dem Jahre 1874 Juni — Dez. und 1875 Jan. — Aug. 8. Register für die Monatsberichte 1859 —73. Berlin 1875. 8. Gesellschaft naturforschender Freunde. Mittheilungen aus d. Verhandlungen Jahr 1—3 (1836—38) Berlin 1837 — 39. 8: Sitzungsberichte in den Jahren 1865—69. Berlin 1866-70. 4. und im J. 1374. 8. Festschrift zur Feier des 100jähr. Bestehens ete. Berl. 1873. Fol. Physikalische Gesellschaft. Fortschritte der Physik im Jahre 1870. Abth. 1 und 2, im Jahre 1871, Abthl. 1. Berlin 1874,75. 8. Botanischer Verein für die Provinz Brandenburg ete. Jahrg. 16. Berlin 1874. 8. Verein für Entomologie. Zeitschrift, deutsche entom., Jahrg. 19, 1875. Berlin 1875. 8. i Bonn. Naturhistorischer Verein der Preuss. Rheinlande und Westphalens. Verhandlungen. F. 3. 10 Jahrg. H. 2. und Jahre. 11. Bonn 1873.71
3remen. Naturwissenschaftlicher Verein. Abhandlungen. Bd. 4. H. 2, 5 Bremen 1874,75. 8. Beilage 4, zu d. Abh. Bremen 1874. 4. Breslau. Schlesische Gesellschaft für vaterländische Cultur. Jahresbericht, 52, f. 1874. DBresl. 1875. 8. Festsruss der schles. Ges. etc. an die 47 Versamml. deutscher Naturforscher und Aerzte 1874. Bresl. 8. Brünn. Naturforschender Verein. Verhandlungen. Bd. 12, H. 1., 2. Brünn 1874. 8, K. K. mähr.-schles. Ges. zur Beförderung des Ackerbaus etc. Budapest. Mittheilungen 1574. Jahre. 54. Brünn. IX. ungar. naturwiss. Gesellschaft. Abhandlungen 1874. 4: Herman, ungar. Spinnenfauna. Irenner, die Eishöhle v. Dobschau. Stahlberger, die Ebbe und Fluth b. Fiume. Dresden. K. Leopoldino-Uarolinische deutsche Akademie. Verhandlungen, Bd. 36. Dresd. 1873. 4. Leopoldina, Zeitschrift, H. 6—11. Dresd. 1871—75. 4. Naturwiss. (res. Jsis. Sitzungsberichte 1374 Apr.—Dez. 1875 Jan. —Juni. Dresd. 1874,75. 5. (tesellsch. f. Naturw. und Heilkunde. Jahresbericht 1874--75. Dresden 1875. 8. Emden. Naturforschende Gesellsch. Jahresbericht 59 und 60. Emd. 1873,74. 8. Kleine Schriften, 17, Hannover 1875. 4. Erlangen. Phys. med. Societät. Sitzungsberichte. H, 6. Erl. 1874 8,
Er «)
Frankfurt a. M. Senckenberg. naturf. (resellsch. Bericht 1373— 74. Frankfurt a. M. 1875. 8. Physikalischer Verein. Jahresbericht für 1373—74. Frankfurt a. M. 1375, 8. Freiburg. i. Br. Naturforsch. Gesellsch. Bericht über die Verhandlungen Bd. 6. H. 2, 5. Fr. 1373. 8. Fulda. Verein f. Naturkunde. Bericht, 1. und 3., Fulda 1870 und 1874. 8. 2 Separat-Abdr. des 2. Berichts 1874,75. 8. Giessen. Oberhess. Gesellsch. f. Naturw. und Heilkunde. Bericht 14. G. 1873. 8. Görlitz. Oberlausitz. Gesellschaft der Wissensch. Magazin, neues Lausitz., Bd. 51. Görl. 1574. 8. Naturforsch. Gesellsch. Abhandlungen, Bd. 15. Görl. 1575. >. Göttingen. K. Gesellsch. der Wissensch. Nachrichten aus dem Jahre 1574. Gött. 1574. 2. (rraz. Naturwiss. Verein für Steiermark. Mittheilungen, Jahrg. 1574. Graz 1874. 8. Verein der Aerzte in Steiermark. Sitzungsberichte und Mittheilungen. Vereinsjahr 11 und 12, 1873—74, 1874—75. Graz 1874,75. 8. Acad. naturwissensch. Verein. Jahresbericht, 1, Graz 1875. 8. Halle. Naturwiss. Verein. Zeitschrift f. d. gesummten Naturwiss. (Giebel) N. F. 1874—75. Bd. 9, 10, 1l. Berlin 1874,75. 8. Hamburg. Naturwiss. Verein. Abhandlungen aus dem Gebiete der Naturwissensch. Bd. 5. Abthl. 4, Bd. 6. Abthl. 1. Hamburg 1875, 4. Verein für naturwissenschaftl. Unterhalt. Verhandlungen 1871—1874. Hamb. 1875. 8. Hanau. Wetterauische Gesellsch. Bericht 1868—73. Hanau 18374. 8. Hannover. Naturhistor. Gesellschaft. Jahresbericht 23, 24. 1872—74. Hann. 1874. 8. Heidelberg. Naturhist. mediein. Verein. Verhandlungen. N. F. Bd. 1. Heft 1, 2. Heidelb. 1374,75. 8. Kiel. Naturw. Verein für Schleswig-Holstein. Schriften I. H. 3. Kiel 1875. 8. Königsberg. K. Physik.-oekon. Gesellsch. Schriften, Jahrg. 14 f. 1873., Jahrg. 15 f. 1874. Königsb. 1573,74. 4. Krakau. Akademie. Pamiectnik akademii umiejetnosei © Krakowie Wydz. matem-przyrodn. T. 1. w. Krak. 1874. 4,
4
Rozprawy i sprawozdania wydzialu mat-przyrodn. T. 1. w. Krak. 1874, 8. Sprawozdanie komisyi fizyografiezne) T. 7. 8. w Krak. 1873. 8. Magdeburg. Naturwiss, Verein. Abhandlungen, H. 5, 6. Magd. 1374. 8. Jahresbericht, 4 und 5, nebst Sitzungsberichten f. 1874,75. 8. Marburg. Gesellsch. zur Beförd. d gesammten Naturwiss. Schriften Bd. 10. Abthl. 5—11. Cassel 1872—74. 8, Sitzungsberichte, Jahrg. 1870 N. 1—3, 1872,73. Marb. 8. München. K. Bayer. Akad. d. Wissensch. Abhandlungen der mathem.-phys. Classe. Bd. 11. Abth. 3. Münch. 1874. 4. Sitzungsberichte 1373H. 3., 1874 H 1--5,1875 H. 1,2. Münch. 1873-75 8. Liebig als Begründer der Agrikultur-Chemie. Denkschr. v. Vogel. München 1874. 4. Liebig zum Gedächtniss. Ak. Rede v. Pettenkofer. M. 1874. 4. Ueber den Einfluss des Freiherrn v. Liebig auf d. Entwick. d. Physiologie. Denkschr. von Bischof. München 1874. 4. Ueber den Einfluss des Freiherrn v. Liebig auf d. Entwick. d. reinen Che- mie von Erlenmeyer. München 1874. 4. Radlkofer, Monografie der Sapindaceen Gattung Seriania (Gekr. Abh.) München 1875, 4. Annalen des K. Sternwarte. Bd. 20. München 1874. 8. Lamont, Verzeichniss von 5563 telese. Sternen, zw. + 15° und — 15%. München 1874. 8. Neu-Brandenburg. Verein der Freunde der Natnrgeschichte in Meklenburg. Archiv, Jahrg. 28. N. Brand. 1874. 8. Neustadt-Eberswalde. Forstakademie. Beobachtungsergebnisse der im Königr. Prenssen ete. torstl,-meteor. Stationen 1875 N. 1—6 Berl. 1875. 8. Instruction zu d. Beob. 8. Osnabrück. Naturwissenschaftl. Verein. Jahresbericht, 2, 1872-73. Osnab. 1875. 8. Prag. K. Böhmische Gesellsch. d. Wissensch. Abhandlungen. Folge 6. Bd. 5—6 (5 Abh.) Bd. 7 (d Abh.) Prag 1873,74 4. Sitzungsberichte 1874 N. 3—Ende, 1875 N, 1 und 2. Prag 1374. 8 Beobachtungen, magn. u. meteor., an der K. K. Sternwarte i. J. 1 Jahrg. 34 und 35. Prag 1874,75. 4. Naturwissensch. Verein Lotos. Lotos, Zeitschr. f, Naturw. Jahrg. 24. Prag 1874. 8. Regensburg. Zoolog.-mineral. Verein. Correspondenzblatt. Jahrg. 28. Regensb. 1874. 8. Abhandlungen. H. 10. München 1875. 8. Reichenberg. Verein der Naturfreunde. Mittheilungen. Jahrg. 5, 6. Reichenb. 1874,75. 8. Schwerin. Verein f£. Mecklenburg. Geschichte und Alterthumskunde. Jahrbücher und Jahresberichte. Jahrg. 39. Schwerin 1874. 8.
[oe ) =, +
3, 14
ı oe
Stettin. Entomolog. Verein.
Entomol. Zeitung. Jahrg. 35. Stettin 1874. 8. Stuttgart. Württemb. naturwissenschaftl. Verein.
Jahreshefte. Jahrg. 30, H. 1—3. Jahrg. 31, Heft 1—3. Stuttgart 1374, 75. 8. Thorn. Copernicus-Verein f. Wissensch. und Kunst.
Copernicus, ein dram. Gedicht v. A. Prowe. Berl. 1874. 8.
Die 4. Säcularfeier der Geburt des N, Copernicus d. 18. und 19. Februar.
1873. Thorn 1874. 8.
Wien. KK. Akademie der Wissenschaften.
Sitzungsberichte. Math. naturwissenschaftl. Klasse.
1. Bd. 68: H2 3-5. Wien 18742 8:2
” 69 ” 1 5. ” „ 10 n 1 ” ME FB. 08-5 R ” 69 ” 1 >. N HE. 683045, e A 2 R
KIX. Geolog. Reichsanstalt. Jahrbuch 1874 N. 2—4 1875. N. Mineral. Mittheil. 1574. H. 2—4 Verhandlungen. Jahrg. 1874. N.
K.K. Zool.-bot. Gesellsch. Verhandlungen. Jahrg. 1574. Bd. 24. Wien 1374.
KK. Geograph. Gesellsch.
Mittheilungen N. F. Bd. 7. Wieu 1874. 8.
Anthropol. Gesellsch.
Mittheilungen. Bd. 4. N. 5—10. Bd. 5. N. 1—9. Wien 1874—75. 8.
Verein zur Verbreitung naturwissenschaftl. Kenntnisse.
Schriften Bd. 15. Wien 1875. 8. Leseverein der deutschen Studenten. Jahresbericht 3 und 4, 1873 —74, 1874—75. Wien 8. Volkelt, Kant’s kategor. Jmperativ ete. Wien 1379. Bericht des hydrotechn. Comites über die Wasserabnahme. (Sep. Abdr.) Wien 1875. 8. Wiesbaden. Nassauischer Verein f. Naturkunde. Jahrbücher. Jahrg. 27 und 28. Wiesb. 1875. 8. Würzburg. Physik.-medie. Gesellsch. Verhandlungen. N. F. Bd. 7, Bd. 8. H. 3,4. Würzb. 1374,75. 8, Sitzungsberichte 1873—74. 8. Festschrift zur Feier des 25jährigen Bestehens der physik.-medie. Gesellsch. (Kölliker) Würzb. 1875. 4. Festrede etc. v. Kölliker. 8. Zwickau. Verein f. Naturkunde. Jahresbericht 1874. Zwickau 1875. 8. Die E. J. Richter-Stiftung der Stadt Zwiekau, Zwickau 1875. 8.
1 1873 E12 32 Wiens. 7-18. Jahrg. 1875 N. 1—13. Wien ®.
Frankreich.
Bordeaux. Societe des sciences phys. et naturell. Memoires. Tom. 9. Cah. 2. Tom, 10. Cah. 1,2. Serie 2. Tom. 1. Cah. T. Paris, Bord. 1874,75. 8. Extrait des proces-verb. Cherbourg. Soeciete des sciences naturell. Memoires. Tom. 18. Paris 1874. 8. Lyon. Academie des sciences, belles lettres et arts. Memoires. Classe des sciences. Tom. 20. Paris, Lyon 1873—74. 5, Societe d’agrieulture et d’industrie. Annales. Serie 4. Tom. 4—6, 1871— 73. Lyon, Paris 1872—74. 8. Societe Linneene. Annales. Ann. 1873,74. Tom. 20,21. Lyon, Paris, 1874,75, 8. Toulouse. Academie des sciences, insceript. et bell. lettr. Memoires. Ser. 7. Tom. 6. Toul. 1874. 8.
(rossbritannien.
Dublin. University biological aseociation. Proceedings Vol. 1. Sess. 1874. N. 1. Dublin 8. London. Nature, a weekly illustr. journal of science. Vol. 11,12. N. 250—322. London 1874,75. 4.
Holland.
Amsterdam. K. Akademie der Wissenschaften. Verslagen en mededeelingen. Afd. Natuurk. 2 Reeks. Deel. 8. Amsterd. 1874. 8. Jaarboek voor 1373. Amsterd. 8. Processen-Verbaal. Mei 1573— April 1574. 8. Verhandelingen. Deel 14. Amsterd. 1574. 4. Haarlem. Hollandsche Maatschappi) der Wetenschappen. Archives Neerland. Tom. 9. Liv. 4,5. Tom. 10. Liv. 1—3. La Haye. 1874,75.8. Naturkund. Verhandelingen. 3. Verz. Deel 2. N. 3,4. Harl. 1574. 4.
Jtalien.
Modena. Societä dei naturalisti. Annuario. Ser. ?2. Anno 8. fase. 3,4. Anno 9, fasc. 1,2. Mod. 1874,75. 8. Padova. Societä Veneto-Trentina di scienze naturalı. Atti, Vol. 3. fase 1. Die, 1874. Ott 1875. Pad. 1374,75. 8. Pisa. Societä Toscana di scienze naturalı. Atti. Vol. 1, fasc. 1,2. Pisa 1875. 8. Trieste. Societä Adriatica di scienze naturali. Bolletino, N, 1—6, 1874—75. Trieste 1875. 8. Verona. Accademia d’agricoltura commercio ed arti. Memorie, Ser. 2. Vol. 50. Fase. 1,2. Vol. 51, fase 1,2. Verona 1873,74. 8.
I
ö Luxemburg.
Soeiete des sciences naturelles. Publications. Tom. 14,15. Luxembourg 1874,75, 8. Observations möteor. par Reuter. Vol. 2. Luxemb. 1574. 8. Societe de botanique. Recueil. N. 1, 1874. Luxemb. 1874. 8.
“ Nord-Amerika.
3oston. American acad. of arts and sciences. Proceedings Vol. 8. 1368 —73. Bost. and Cambridge 1873. 8. Vol. 9. (New. Ser. 1) Boston 1874. 8. Boston society of natural history. Proceedings. Vol. 16, Part 3,4. Vol. 17. Part 1,2. Boston 1874,15. 8 Memoirs. Vol. 2, Part. 3. N. 3,4,5. Vol.2.. Part. 4. N. 1. Boston 1874,75.4. Jefiries Wyman, memor. meeting. Oct. 7. 1874. 8. Buffalo. Buffalo society of natur. science.
Bollenn. Mol..1, N, 4. Vol. 2.N. 1-4 ‚Bull; 1874,15, 8; ’ Cambridge. Mass. Harvard-Oollege.
Report, annual, of the trustees of the museum of comparative zoölogy. For. 1872, 73. Boston. 1873,74. 8.
Report of the trustees for 1573. Cambr. 1374. 8.
Catalogue illustrated etc. N. 8, 1. Cambr. 1374. 4.
Bulletin of the museum ete. Vol. 3. N. 9, 10.
Commem. notice of Agassiz. 8. Madison. Wisconsin agricultural society.
Transactions, Vol. 2. 1873— 714. Madis. Wise, 1874. 8. Ohio. Staats-Ackerbaubehörde.
Jahresbericht. 28. Ohio 1873,74. 8. Orleans. Orleans county society of nat.scienc.
Archives Vol. 1. N. 6,7. 1873,74. Newport 8. Philadelphia. Academy of natural sciences.
Proceedings. Part. 1—3. 1874—75. Ph. 8. Salem, Mass. Essex institute.
Bulletin. Vol. 6. 1874. Salem Mass. 1875. 8. St. Louis. Academy of sciences.
The Transactions. Vol. 3. N. 2. St. L. 1875. 8. Washington. Smithsonian institution.
Smiths. contributions to knowledge. Vol. 19. Wash. 1874. 4.
Report, annual, of the board of regents, of the Sm. inst. for 1373. Wash.
1874. 8. Smiths. miscell. collections. Vol. 11,12. Wash. 1874. 8. U. S. naval observatory. Observations, astr. and meteor, (Sands) 1872. Wash, 1874, 4, Surgeon general’s office,
fo) Warren, au essay concerning important phys. features exhibited in the val ley of the Minnesota river etc. Wash. 1874. 8. Cireular, No. 8. War department etc. May 1, 1875. Wash. 1875. 4. The Cholera epidem. of 1873. Wash. 1875. 8. Department of The interior U. S. geol. survey. List of elevations, west of the Miss; sisippi river (Ganett) Wash. 1875. 8. Report of the U. S. geol. survey (Hayden) Vol, 6. Wash. 1874. 4. Catalogue of the publ. of the U. S. geol. sury. (Hayden.) Wash. 1874. 8. Elliott Couds, abstract of results of a study of the genera geomys and tho- momys etc. Wash. 1875. 4.
Russland. Dorpat. Naturforscher Gesellschaft. Sitzungsberichte. Bd, 3, H. 5,6. Dorp. 1874. 8. Archiv f. d. Naturkunde Liv., Ehst- und Kurlands. Ser. 1. Bd. 5. Lief, 4. „Bd. 7. Lief. 2—4. Dorp. 1874,75. 8. 2, Separat-Abdr. v. Grewingk. Moscau. Societe imper. der naturalistes. Bulletin 1874. N. 1—4 1875. N. 1,2. Mosc. 1874,75. 8. Riga. Naturforscher Verein. Correspondenz-Blatt. Jahrg. 21. Riga 18375. 8. St. Petersburg. Observatoire physique central de Russie. Annales de l’obs. (Wild). Annales 1369. St. Petersb. 1874. 4. Annalen des phys. Centralobs. Jahrg. 1375. St. Petersb. 1875. 4. Academie imp. des sciences. Repertorium f. Meteorologie (Wild.) Bd. 4. H. 1. St. Petersb. 1874. 4. Bulletin de l’acad. Tom. 19, N, 4,5. Tom. 20. N. 1,2. St. Petersb. 1874. 4. K. botan. Garten. Trudi 4, 12, IL.12, TH; 1, 2:88. Betereb. 18171 798.%.
En
Schweden und Norwegen.
Lund. Universitet. Acta. Math. och. Naturv. 1871. Lund 1871,72. 4. 2. 3. Philos., sprakv. och hist. 1871,72. Lund 1871—73. 4. 4.Pheol. 1871. Lund ’1871=72.4. Lunds univ. bibl. access. Katalog 1872,73. Lamd 1873,74. S Stockholm. K. Svenska Vetenskaps Akad. Ofversigt. Arg 25—31. 1871—74. Stockh. 1872—75. 8. Handlingar. Bd. 9. Th, 2, 1870. Bd. 10. 1871. Bd. 12. 1873. 4. Bihang till handl. Bd. 1, 1—2. Bd. 2 1-2. 1872—75. 8. Lefnadsteckningar öfver K.-Sv. V. a. Bd. 1. H. 3. Stockh. 1873. 8. Jakttagelser, meteor. (Edlund) Bd. 12—14. 1870—72. fol,
f} Schweiz. Basel. Naturforschende Gesellschaft. Verhandlungen. Th. 6. H. 2. Basel 1875. 8. Bern. Naturforschende Gesellschaft. Mittheilungen aus d. J. 1873. N. 812—827, 1874. N. 323—873. Bern 1874, 75. & Dissertationen und Solemnia. Chur. Naturforschende Gesellsch. Graubünden». Jahresbericht. N. F. Jahrg. 18, 1873—74. Chur 1875. 8. Naturgesch. Beiträge zur Kenntniss der Umgebungen von Chur, Ch. 1874. 8, St. Gallen. Naturwissensch. Gesellschaft. Bericht über die Thätigkeit. 1872—73, 1873—74. St. Gallen 1874,75. 8. Genf. Soeiete de physique et d’bistoire naturelle. Memoires. Tom. 24. P. 1. Geneve 1874,75. 4. Institut national, Bulletin. Tome 19, 20. Geneve 1875. 8. Societe Murithienne. Guide du botaniste. Aigle 1868. Bulletins etc. fase 2—4. Geneve Nyon 1873—75. 8. Schweizerische naturforschende Gesellschaft. Verhandlungen in Schaffhausen 1873, 56. Jahresvers. und Jahresbericht 1872 — 73. Schaffhausen 1874. 8. Verhandlungen in Chur 1874, 57. Jahresvers. und Jahresbericht 1873—74 Chur 1875. 8. Zürich. Naturforschende Gesellschaft. Vierteljahresschrift. Jahrgang. 18. H. 1—4. Zürich. 1873. 8.
Angekauft wurden im Jahre 1875 folgende Werke.
a. Allgemein wissenschaftlichen Inhalts.
Abhandlungen, herausg. v. d. Senckenberg, naturf. Gesellschatt. Bd. 9. H. 3, 4. Frankfurt a. M. 1874,75. 4.
Bibliothek, polytechn., 1874 N. 6—12, 1875 N. 1—12. Leipzig 8.
Comptes Rendus. Tom. 79—81. Paris 1874,75. 4. Tables des Compt. Rend. ä& Tome 77—80. 4.
Jourual, the American, for. 1875. New Haven 1875. 8.
Magazin, philosophical. Apr. 1873. Lond 8.
Memoires de Yacademie des sciences de St. Petersbourg. Ser. 7. Tom.21. N. I9— 12., Tom. 22. N. 1—7. Tom, 23. N. 1. St. Petersbourg 1874,75. 4,
Monatsschrift, altpreuss. N.-F. Bd. 12. Königsberg 1875. 8.
Natur, Zeitung zur Verbreitung naturw. Kenntnisse. Bd. 24. Halle 1875. 4.
Naturforscher, Wochenblatt etc. Jahrg. 8. Berlin 1875- 4.
Sammlung gemeinverständl, wissensch. Vorträge. Serie 9 und 10, N. 193—240, Berlin 1874, 75.8.
10 b. Physikalischen und chemischen Inhalts. . Abbe, E., neue Apparate zur Bestimmung des Brechungs- und Zerstreuungsver- mögens. Jena 1874. 8. Annalen der Physik und Chemie (Poggendorf.) Jahrg. 1875. Leipzig. 8. Archives des sciences phys. et nat. N. 210. Geneve 1875. 8. | Berichte der deutschen chem. Gesellschaft zu Berlin. Jahrg. Tund 8. ( — N.18, Berlin 1874, 75. 8. Hoffmeier, N., Wetterstudien, übersetzt v. Parkinson. Hamburg 1874. 8. Jahresbericht über die Fortschritte der Chemie. 1872 H. 1-3. 1873 H. 1-3 Giessen 1874, 75. 8. Journal für practische Chemie (Kolbe.) N. F. Bd. 9, 10 und 11. Leipzig :1874, 13.08: Mohn, H., Grundzüge der Meteorologie. Deutsche Orig.-Ausg. Berlin 1875. 8. Vogt, C., über Vulkane. Vortrag. 1875. Basel 8.
c. Astronomischen Inhalts. Klein, H. J., die Vorübergänge der Venus ete. Cöln, Leipzig 1874. 8. —_— — der Fixsternhimmel. (Handbuch der allg. Himmelsbeschr. Bd. 2.) Braunsschw. 1972. 8,
Nachrichten, astron. (Peters.) Bd. 54, 85 und 86. Kiel 1375. 4.
Generalregister zu d. astr. Nachr. Bd. 61—30. Leipzie 1875. 4. Sirius, Zeitschr. f. pop. Astr. (Falb) Bd. 3. Leipzig 1875. 8. Zenker, W., Venusdurchgang am ®/, Dez. 1874. Berlin 1874. 8.
d. Zoologischen Inhaits.
Archiv für Naturgeschichte. (Troschel) Bd. 38. H. 6. Bd. 40. H. 3, 4. Bd. 41, H. 1, 4. Berlin 1872, 1874, 1875. 8.
Dubar, osteographie de la baleine etc. Brux. 1828, 8.
Gray, J. E., Synopsis of the species of whales and dolphins ete. London 1868. 4.
Häckel, E., Ziele und Wege der heutigen Entwickelungsgeschichte. Jena 1875. 8.
Zeitschrift für wissensch. Zoologie. (Siebold und Kölliker.) Bd. 24. H. 5, 4. Bd. 25. H.1—4 und Supplem. H. 1-3. Bd. 26. H. 1, 2. Leipzig 1874, 75. 8.
e. Botanischen Inhalts,
Annales des sciences natur. Botanique. Ser. 5. Tom. 20. N. 3—6. Ser. 6. Tom. 1. N. 1—6. Paris 1875. 8.
Gohn; E,, Beiträge zur Biologie d. Pfianzen. H. 3. Breslau 1875. 8.
Flora, Regensburger. Jahrg. 1375. 8.
ahresbericht, bot. Jahrg. 2. Abth. 1 und 2, 1874. Berlin 1875. 8.
Linnaea, Bd. 4. H. 6, Bd. 5. H. 1-6. Berlin 1875. 8.
Öersted, A. S., System der Pilze ete. Aus d. Dän. v. Griesebach und Reinke, Leipzig 1873. 8.
11
Pi f. Anthropologischen Inhalts. Archiv für Anthropologie. Bd. 7. Braunschweig 1375. 4. Boyd Dawkins, Höhlen Europas, Leipzig 1876. 8. Zeitschrift für Ethnologie. Jahrg. 7, 1875. Berlin 8.
Geschenke. 1875, Vom K. Preuss. Ministerium d. geistl., Unterrichts- und Medic-Angeleg. Neumayer, G., Anleitung zu wissenschaftl. Beobacht. auf Reisen. Berlin 1875. 8. Von d. K. Niederländ. Gesandschaft in Berlin. Vollenhofen, Snellen van, Pinacographie Part. 2. afl. 2. S. Gravenhage 1375. 4. Von der Stadtbibliothek in Danzig. Royal Almanak ete. London for 1859—69 und 1871. 8. Von Herrn Geheimrath Dr. Abegg. Zeitschrift für klinische Medizin (Günsburg). Jahrg 1—3 und Jahrg. 7—9. Bres- lau 1850—52, 56—58. 8. Ludwig, -C., Lehrbuch der Physiologie des Menschen. Pd. 1, Heidelberg 1852. 8. Von Herrn Dr. Bramson. Annalen der Chemie und Pharmacie (Wöhler, Liebig und Kopp). Bd. 535—92 (ausser 85) Heidelberg 1345—55. Register 2 zu Bd. 91—126. Heidelber: 1855. 8. *)
Von Herrn Kreisrichter Frank.
Blane, L. G, Handbuch des Wissenswürdigsten aus der Natur und Geschichte der Erde. ete, (Auft. 7 v. Diesterweg) Th. 1—3. Braunschw. 1857. 3.
Grimm, A. L., die maler. und romant. Stellen der Bergstrasse des Odenwaldes u. d. Neckar Gegenden. Darmstadt 8.
Leonhard, G., Grundzüge der Geognosie und Geologie. Aufl. 2. Leipzig und Heidelb. 1863. 8.
Von Herrn Geheimrath Prof. Göppert in Breslau.
Festschrift dem Geh. Med. Rath Prof. Dr. Göppert zu seinem 50jähr. Doctor- Jubiläum 1875 gewidm. v. d. philos. Facultät. Breslau. 4. (Cohn über volvox.)
Von den Verfassern.
Baumhauer, E. H. v., sur un meteorographe universel (Sep.-Abdr.) Harlem 1874. 8.
Cora, G., Cosmos. communicazioni della geografia ete. Vol. 2. N. 2—12. ‚Torino 1574. 4.
Friedländer, R, u. Sohn, bibliotheca hist.—nat. et math. 1874. Berlin 1374. 8.
Herman, O., die Dectieiden (Sep.-Abdr.) 1874. 8.
Katter, F., entomol. Nachrichten. Jahrg. 1 f. 1875. Putbus 8.
Kawall, J. H., die neuen russ. Naturforsch. Gesellsch. Mitth. 2. Riga 1374, $.
Klunzinger, C. B., Synopsis der Fische des rothen Meeres. Th. 1 und 2. Wien 1870,71 8. (Sep.-Abdr.)
*) Bereits Geschenk iın Jahre 1873.
12
Mensbrugghe, influence de l’Eleetrieit€ statique sur la tension superficielle d’un liquide. Bruxell 1875. 4. Schliemann, H., Troy and its remains. London 1875. 8. — — the site of the Homeric Troy. London 1875. 4. —_— — owvonuem aomynoıs ete. A9mvaow. 1875. 8. — — Troja und seine Ruinen (Vortrag). Waren 1875. 4. Schorr, F. v., der Venusmond etc. Braunschw. 1875. 8. Thorell, desceriptions of several Europ. and North-Afr. Spiders (Sep.-Abdr.) Stockh. 1875. 4. Zaddach, G., Beschreibung eines Finnwales. (Sep. Abdr.) 1875. 8.
Bericht der naturforschenden Gesellschaft zu Danzig
über die Entstehung und Thätigkeit ihrer Section für Anthropoiogie, Ethnoiogie etc.
Umfasst die Zeit vom 1. Mai 1872 bis 22. November 1876.
NIANMANNNNMNAN
Die Begründung der Section wurde angeregt durch den nachstehenden Vortrag, gehalten in der naturforschenden Gesellschaft zu Danzig, den 1. Mai 1372, von Herrn Dr, Lissauer:
„Ueber die anthropologischen Fragen der Gegenwart.“
M. H.! Die Aufmerksamkeit, mit welcher heute alle Gebildeten die Ent- wickelung der Anthropologie verfolgen, die nicht ganz unwichtigen Funde, welche unsere Provinz und speziell Westpreussen bereits geliefert hat, liessen es mir als Pflicht erscheinen, das in unserm Kreise für diese Wissenschaft bereits erwachte Interesse dauernd zu fesseln und wenn möglich das gleiche in weitere Kreise zu ‘tragen. In der That bedarf grade diese noch ganz junge und wir können doch sagen, höchste Wissenschaft der lebhaften Theilnahmealler denkenden Menschen. Ich sage höchste Wissenschaft, -— denn giebt es woll eine höhere, als diejenige, welche die Naturgeschichte unserer Gattung zu erforschen sucht? Je mehr nämlich Einer glaubt, dass der Mensch das Ebenbild Gottes sei, je mehr Einer weiss, dass der Einzelne nur durch und für die Gattung existiren muss, desto höher muss er das ‚Bestreben der Forscher schätzen, welche die Natur dieser Gattung kennen lernen und lehren wollen, nicht romantisch, wie sie die Phantasie der Völker sich vor- gestellt, sondern wahr, wie sie wirklich ist. Und jung nannte ich unsere Wissen- schaft, weil sie in dem heutigen Sinne kaum 20 Jahre zählt, obwohl sich ihre An- finge bis auf Blumenbach zurückverfolgen lassen. Es ist merkwürdig, dass die Entdeckung der anthropoiden Affen jedesmal eine ganz besondere Theilnahme des grossen Publikums für Anthropologie erregt» Der Chimpansd wurde etwa 1699 näher bekannt, der Orang 1780, — das sind doch eigentlich ganz unschuldige Thatsachen; als aber Linnd den Chimpanse und den Menschen unter eine Gattung- homo und Lord Monboddo gar unter eine Species brachte, da entstand ein 89 grosses Entsetzen in der Welt, dass Blumenbach, welcher sich damals am meisten mit diesen Fragen beschäftigt hatte, eine Broschüre darüber schrieb unter dein zweifelhaften Titel: „Zur Beruhigung in einer Familienangelegenheit.“ Dieses
Aus den Schriften der naturf, Gesellsch, in Danzig. IV. Band. 1. Heft, 1
2
Blumenbach’sche Tränkchen hat denn auch bis 1850, bis zur Entdeckung des Go- rilla vorgehalten; seitdem sind die Fragen über die Natur unserer Gattung wie- der mehr in den Vordergrund getreten und in einer Weise erfasst worden, dass sie hoffentlich nicht mehr von der Tagesordnung abgesetzt werden. Während nämlich bis dahin Cuvier’s Machtspruch: „es giebt keinen fossilen Menschen“ all- gemein in der Wissenschaft galt, so dass die Thatsachen, welche dagegen sprechen, sich nur schüchtern hervoryagten, ist zuerst in den letzten Decennien durch Lyell in der unorganischen und Darwin in der organischen Welt der Beweis geführt worden, dass fast alle Formen irdischen Daseins nicht durch plötzliche Erdum- wälzungen, sondern durch unendlich lange Dauer kleiner unscheinbarer Wir- kungen entstanden sind und noch heute entstehen; es lag daher nahe genug, zu fragen, wie ist der Mensch das geworden, was er jetzt ist — und eben diese Frage ist es, welche die Anthropologie mit aller Macht zu lösen strebt. Allein so ein- fach die Frage klingt, so verwickelt wird sie, sobald wir ihr nur etwas näher treten.
Es ist nämlich 'Thatsache, dass wir noch lange nicht wissen, wie der heu- tige Mensch als Gattung beschaffen ist, weder in seinem physischen, noch intel“ lectuellen Verhalten. Wissen wir auch Genaues über die Anatomie des Indivi- duums, über seine geistigen Fähigkeiten, so gilt dies doch nur von Individuen derjenigen Völker, welche durch unsere nivellirende Civilisation einauder schon onnedies näher stehen und selbst von diesen sind uns wesentliche Unterschiede noch ganz unbekannt; von der grossen Masse der Völker oder Unterabtheilungen der Gattung Mensch, welche in ihrer ursprünglichen Kultur oder Wildheit abgeschlossen leben, wissen wir noch äusserst wenig. Die Ethnologie, welche die physischen und geistigen Charaktere der verschiedenen Völker zu studiren hat, bildet daher einen sehr wichtigen Theil der Anthropologie und erwartet ihre weitere Ausbildung zugleich von der Naturwissenschaft und der vergleichenden Sprachforschung, jener Wissenschaft, welche seit Wilhelm v. Humboldt so schöne und grosse Erfolge erzielt hat; von den vielen Jüngern der Naturwissenschaft ist es aber gerade der Medieiner, der als Anatom, Physiologe nnd Pathologe das verschiedene Verhalten verschiedener Völker allein erforschen kann.
Selten dürfte es wohl sein, dass beide Fähigkeiten sich in einem Manne vereinigt finden, wie dies in Georg Forster der Fall war, in jenem grossen Den- ker, der eicentlich den Grund gelest für die Ethnologie oder vergleichende An- thropologie, der ein Verständniss für diese Fragen gehabt, welches seiner Zeit weit vorausgeeilt war. Er erfasste in der That die Naturwissenschaft der mensch- lichen Gattung im höchsten Sinne; aus seiner Reisebeschreibung athmet eine Be- geisterung und Liebe für die menschliche Natur, welche beweist, wie heilig ihm dieselbe erschien. Die Nähe seiner Geburtsstätte und die Liberalität, mit welcher er und sein Freund Banks unser Museum beschänkt haben, wird es rechtfertigen, dass ich den Manen des berühmten Reisenden, der einst unserer Gesellschaft als Mitglied angehörte, diese Worte der Erinnerung widmete.
Wie viel noch auf diesem Gebiete festznstellen ist, das wird Ihnen wohl am besten einleuchten, wenn ich Ihnen sage, dass die Wissenschaft noch heute nicht weiss, was für eine Schädelform die Deutschen haben, obwohl seit geraumer Zeit
3
unsere grössten Anatomen sich mit dieser Frage beschäftigt haben, Und dies ist geradezu eine Hauptfrage geworden, welche in der Anthropologie heute erörtert wird. Obgleich nänlich die Anatomie des ganzen Skelets bei den verschiedenen Völkern oft grosse Verschiedenheit nachweist, so ist doch der Schädel seiner Dig- nität wegen am meisten studirt und die vergleichende IXraniologie bildet augen- blicklich fast ausschliesslich den naturgeschichtlichen Theil der Ethnologie; dass aber über die verschiedenen Charaktere der einzelnen -Schädelgruppen so ganz verschiedene Urtheile entstehen, liest an der Schwierigkeit, einen so unregelmäs- sisen Körper exact zu bestimmen, oder vielmehr den Punkt zu finden, aus wel- chem heraus gleichsam der ganze Constructionsplan des Schädels in alle seine Ki- genthümlichkeiten hinein verfolgt werden kann. Sie erinnern sich aus einem frü- heren Vortrage, dass man die Schädel eintheilt in Langschädel (Dolichocephalen) und Kurzschädel (Brachycephalen); Retzius, von dem a Eintheilung herrührt, zählte die Deutschen zu den ersteren, Welker und Ecker wenigstens die heutigen Deutschen zu den letzteren, Ecker aber die alten Germanen, ds Schädel man aus den Gräbern kennt, zu den entschieden lang- und schmalschädligen Men- schen. Ich will Ihnen, m. H., heute nur die Fragestellung bezeichnen. — Der letzte deutsche anthropologische Congress hat eine Commission von Gelehrten der verschielenen Theile Deutschlands eingesetzt, die eine Statistik der Schädelfor- men in ganz Deutschland feststellen und jene Fragen einer definitiven Lösung entsegenführen wird.
Noch weniger klar sind die Beziehungen der Prognathie. Sie wissen Ja, dass man unter Prognathie das Hervorragen des Oberkiefers vor der Stirn ver- steht; das Thier ist am prognathesten, der Mensch am wenigsten; es liegt aber zwischen den Extremen eine ganze Reihe von Mittelstufen, welche zwar nur ge- ring von einander difleriren, ah hei künstlerischer Betrachtung so characteris- tisch sich geltend machen, dass sich unsere grössten Anatomen bemüht haben, dieses Verhältniss exaet zahlenmässig auszudrücken. Bisher haben die Versuche nicht zum Ziele geführt, d. h. der durch die Zahlen ausgedrückte Grad der Prog- nathie stimmt nicht mit dem, welchen die künstlerische Betrachtung lehrt; dies ist aber nothwendig, wenn die Bestimmung auf der Erkenntniss der Ursachen be- ruht. Ich war nun in der Lage, an einigen sehr günstigen Schädeln unserer Sammlung diese Frage, welche für die Entwickelung der Ethnologie sehr wichtig ist, studiren zu können und glaube, dieselbe einer wirklichen Lösung näher ge- führt zu haben; heute benbsichtige ich Ihnen nur anzugeben, welche Fragen au- genblicklich in Angriff genommen sind, behalte mir aber vor, nach dem Druck der bezüglichen Arbeit eingehender über dieselbe zu referiren.
Ich hatte oben schon erwähnt, dass die Schädel der alten germanischen Gräber ganz abweichen von denen der heutigen Deutschen ; dies führt uns zu der zweiten Wissenschaft, welche die Anthropologie umfasst, zu der Urgeschichte oder historischen Anthropologie. Soll uns die Ethnologie lehren, wie die heutigen Völker sich verhalten, so erforscht die Urgeschichte die Beschaffenheit der Völ- ker, welche längst ausgestorben sind, von der Zeit an, in welcher die Fackel der Geschichte, selbst der ‚Sage erlischt, bis hinab zu jenen dunkeln Epochen, in wel-
che sich früher nur der Geologe vertiefte, buchstäblich soweit der Staub vergan- 1*F
4
gener Jahrtausende die Spur der Menschen erkennen lässt. Und wahrlich die Frage, wann der Mensch auf der Erde aufgetreten und wie er da beschaffen war, ist eine der interessantesten und wichtigsten der Gegenwart geworden, deren Lö- sung freilich noch sehr viele Untersuchungen und glückliche Funde erfordert. Ich will Ihnen hier nur mittheilen, wie weit dieselbe heute gediehen ist.
Es herrschte früher die Ansicht und wurde von Vogt besonders vertreten, dass der Mensch bei seinem ersten Auftreten in Europa nahezu diejenige Schä- delform gehabt habe, welche die an den Fundstätten noch heute lebenden Völ- ker zeigen. Der Schädel aus dem Pfahlbau von Meilen sollte dem heutigen Schweizerschädel, der Schädel von Lombrive dem heutigen Basken-, der Neander- und Engisschädel dem heutigen Holländer- und der Borebyschädel des Nordens dem heutigen Lappenschädel ähnlich sein. Allein diese Ansicht ist heute doch sehr erschüttert. Ich kann Ihnen nicht alle hierher gehörigen Thatsachen vor- führen, nur von den dänischen Steinzeitschädeln will ich Ihnen, m. H., die Frage präcisiren, weil sie in der letzten Zeit viel discutirt worden ist. Unter allen Län- dern ist das kleine Dänemark für die historische Anthropologie fast das wichtig- ste geworden, nicht blos durch die zahlreichen Denkmale vergangener Jahrtau- sende, sondern auch durch den rühmlichen Eifer, mit welchem die Vertreter der Regierung und der Wissenschaft die Erforschung derselben gefördert haben. Es bieten daher auch die Kopenhagener Sammlungen den reichsten Stoff zum Stu- dium der ältesten menschlichen Schädelformen und es war von dort aus, von wo die Ansicht verbreitet worden, der Norden Europa’s sei in der ältesten Zeit, der Steinzeit, von einem kurz- und breitschädlisen den heutigen Lappen nahe ver- wandten Urvolke, bewohnt gewesen, welchem in der Bronze- und Eisenzeit ein lang- und schmalschädliges gefolgt sei. Diese Ansicht vertrat auch Vogt noch in seinen Vorlesungen über den Menschen. Später nun untersuchte Virchow ge- nauer diese Sammlungen und wies nach, dass schon in der ältesten Zeit unter den Steinschädeln die verschjedensten Formen auftreten von der extremsten Do- lichocephalie bis zu der äussersten Brachycephalie.,
Ich glaube, gestützt auf die Untersuchungen über die Schädel aus der Eisenzeit, welche in unsern Gesellschafts-Schriften erschienen sind, dass sich die Zeit- alter mit den Schädelformen durchaus nicht decken. Während wir hier in der nächsten Nähe von Danzig, in Krissau, Meisterwalde, in Fitschkau so lange und schmale Menschenschädel aus der Eisenzeit gefunden haben, wie heute nur noch etwa die der Eskimos sind, zeigen die Schädel aus derselben Zeit, welche in ver- hältnissmässiger Nähe von hier von unserm correspondirenden Mitgliede Herrn Major Kasiski bei Neustettin ausgegraben sind, nicht nur ganz andere Formen, sondern weichen untereinander sehr wesentlich ab, während unsere hiesigen ein- ander schr nahe stehen. Man kann daraus schliessen, dass die letztern noch ei- nem unvermischten Stamme angehören, während die erstern bereits die Zeichen einer Racemischung an sich tragen. Denselben Eindruck machen auch Stein- schädel von Dänemark aus einer viel ältern Zeit; der Mensch zur Zeit der Küchen- abfälle war eben kein reiner Racenmensch mehr, man kann ihn schon deshalb nicht mit den Lappen parallelisiren, die noch heute die Eigenthümlichkeiten ihres Schä-
5
dels viel reiner bewahrt haben, als die Urbewohner Dänemarks vor vielen Jahr- tausenden.
Sie sehen, m. H., es handelt sich in erster Linie immer um die Unter- scheidung von Lang- und Kurzschädeln ; es sind dies inder That die beiden gros- sen Gruppen, in welche die Menschen ihrer Schädelform nach zerfallen, die wirk- liehen Wurzeln unseres Geschlechts. Beide treten in Europa schon in den ältes- ten Zeiten auf. Der Neander- und Engisschädel sind freilich beide langschädlıg; allein schon in der ersten Epoche, der Rennthierzeit, wurden die Höhlen von Fur- fooz in Belgien von Brachycephalen, die von Les Eyzies im südlichen Frankreich von Dolichocephalen bewohnt, Welche die höher stehende Race, lässt sich nicht leicht entscheiden; im Allgemeinen nähern sich die reinen Dolychocephalen dem Affentypus, im Einzelnen gilt diesdurchausnicht. Die Capacität , welche die Renn- thierjäger des südlichen Frankreichs zeigen, ist eine so bedeutende. dass sie jedem Deutschen beute Ehre machen würde und fällt um so mehr ins Gewicht, als gerade der Stirntheil des Schädelraumes sich durch seine Grösse aus- zeichnet; dann aber weist dieselbe Rennthierperiode in Frankreich bereits so ar- tig geschnitzte und verzierte Arbeiten aus Rennthiergeweihen auf, dass wir wohl über die ästhetische Befähigung jener Menschen nicht im Zweifel sein können.
Freilich gegen die Leistungen der spätern Zeit, welche das Metall kannte stehen sie noch sehr zurück und wir knüpfen hier eine weitere Frage der Ge- genwart an, wo die vielen schönen Broncesachen, welche im Norden Europas ge- funden werden, wohl fabrieirt sein mögen. Ich freue mich, Ihnen heute ein schö- nes Bronceschwert zeigen zu können, welches in Czapeln unter einem Stein ge- gefunden und uns von Herrn Böhlke gütigst geschickt worden; es hat eine so- genannte etruskische oder Spathaform und der Degenkopf, der leider nicht ganz erhalten ist, zeigt so schöne ciselirte Verzierungen, dass sie auch unserer heutigen Kunst nicht Unehre machen würden. Welchem Volke gehörte nun dieser Künstler an?
Worsaae, der berühmte dänische Archäologe, hatte zuerst gelehrt, dassın der vorhistorischen Zeit Skandinavien, Dänemark und Norddeutschland von einem grossen Volke bewohnt gewesen, welches in der Bearbeitung des Metalls einen ausgezeichneten Rang einnahm. Allein diese Ansicht war durch nichts gestützt und bald durch die Nilssons verdrängt, welcher die ganze Broncecultur des Nor- dens auf phönizische Quellen zürückführte. Aber auch diese Meinung ist heute ziemlich verlassen, seitdem Lindenschmit und Wiberg die grossen Strassen ken- nen lehrten, auf welchen der Handel, Jahrhunderte bereits bevor die Römer am Rhein auftraten, aus Etrurien und Grossgriechenland die Broncen nach Nord- und
' Mitteleuropa überführte. Stapelplätze für den Bernsteinhandel aus dem Norden bildeten Adria und Padua, für die Broncen aus dem Süden Altinum; das heutige Brindisi war ein Hauptsitz der Bronceindustrie u. versandte seine Waaren auf dem adriatischen Meere, welche dann den Po hinauf über einen der Alpenpässe wan- derten, um weiter längs des Rheins, des Inns odes der Donau zu ihrem Bestim- stimmungsorte zu gelangen. Später entstanden in Mitteleuropa selbsständige Bron- cefabriken, welche nach italienischen Mustern arbeiteten, ihre Meister aber nicht erreichten; die gröszte derselben wurde 1854 unter dem Pflaster des.heutigen
[7
6
Hallstadt entdeckt. M,. H., abgeschlossen ist aber auch diese Frage noch nicht; ich wollte Ihnen nur ungefähr den heutigen Standpunkt andeuten, auf welchen dieselbe gebracht ist. So viel indess seht aus dem Wenigen hervor, dass der Handel, wenn auch als Tauschhandel, schon in der Zeit des Broncealters in Eu- ropa trotz der colossalen Alpenmauer, trotz des Dickichts meilenlanger Wälder, trotz der Schrecken einer Wildniss, eine Ausdehnung und eine Promptheit er- reicht haben muss, welche von der Intelligenz und der Thatkraft jener Menschen rühmendes Zeugniss abgelegt und uns in der Schätzung heutiger Intelligenz vor- sichtig machen sollte.
Ich komme zu dem dritten Theil unserer Wissenschaft, der allgemeinen Anthropologie, welche die Stellung des Menschen in der Natur überhaupt zu er- forschen sucht, Sie wissen, dass hier die brennende Frage des Tages die Abstam- mung unseres Geschlechts von den anthropoiden Affen geworden ist. Ich kann ihnen nichts Neues über dieselbe sagen, was Sie nicht schon aus den vielen po- pulären Aufsätzen wüssten; es beziehen eich die Beweise immer nur auf einzelne freilich entschieden affenähnliche Charaktere fossiler Menschenknochen; ein Schä- del, der eine wirkliche Wurzel unseres Geschlechts repräsentiren könnte, ist noch nicht gefunden.
Es fehlen gar noch viele Thatsachen und Sie haben aus meinem Vortrage am besten ersehen, wie unsere heutige Anthropologie einem Bauplatze gleicht, auf welchem einst ein schönes Schloss aufgeführt werden soll, zu dem aber augen- blieklich nur einzelne Bausteine und zwar gleichzeitig zu den verschiedensten Stock- werken herbeigeschaflt werden können.
Dass diese Bausteine aber sich mehren, dass kein einziger brauchbarer oder wichtiger verloren gehe, dazu haben unsere ersten Naturforscher und Ar- chäologen die deutsche Gesellschaft für Anthropologie gegründet und die Bildung von Localvereinen systematisch organisirt. Unsere Provinz hat bisher noch kei- nen solchen; ich glaube, unsere Stadt sollte heute die Iniative ergreifen und unsere Gesellschaft, der einst Georg Forster angehörte, hat eine gewisse Pflicht es zu thun. Ich bitte Sie daher, recht zahlreich diesem Vereine beizutreten; wir wer- den uns als Section der Gesellschaft constituiren, müssen uns aber den Statuten des Uentralvereins dahin anpassen, dass wir in diese Seetion auch Mit- glieder aufnehmen, welche nicht gleichzeitig der Naturfor- schenden Gesellschaft angehören wollen oder können; ferner dass wir pro Jahr 3 Mark Beitrag zahlen, wofür jedes Mitglied unentgeltlich das Cor- respondenzblatt des Centralvereins zugesandt erhält; endlich werde ich zunächst noch einen Aufschlag von 50 Pf. pro Jahr für Verwaltungskosten (Inserate, Por- to’s, Botenlohn) erheben. Ich wende mich an diejenigen, welche für die Erfor- schung der Entwickelungsgesetze unseres Geschlechts Interesse haben, besonders an die Herren vom Lande, welehe uns durch Mittheilung von Funden und ge- nauen Fundberichten wirksaın unterstützen können, ebenso an diejenigen Herren, welche durch überseeische Verbindungen unsere ethnologische Sammlung ver- grössern können, !
Die Anträge desDr. Lissauer, in dem letzten Absatz obigen Vortrages formulirt, wurden in der Sitzung der Gesellschaft am 12, Mai 1372 angenommen.
n a
7 Damit war die Section ins Leben getreten. Von ihrer Entwickelung und erfolg- reichen Thätigkeit geben die nachfolgenden Sitzungsberichte ein lebhaftes Bild.
Erste Sitzung vom 1. August 1872,
Die Section eunstituirte sich definitiv, indem sie zum Geschäftsführer auf zwei Jahre Hr. Dr. Lissauer wählte, welcher dieses Amt bisher provisorisch ver- waltet hatte. | |
Was die Entwickelung des Vereins betrifft, so zählt derselbe jetzt 43 Mitglieder; seine Sammlungen, deren grösster Werth in der verhältnissmässig grossen Zahl von Gesichtsurnen besteht, sind in der letzten Zeit durch viele Ge- schenke, welche vorgelegt werden, beträchtlich vermehrt worden. Zu der alten bis- her zerstreuten Sammlung der naturforschenden Gesellschaft sind nun die werth- vollen (zur Aufbewahrung überlassenen) Urnen des Herrn Walter Kauffmann, verschiedene aus alten Gräbern stammende Gegenstände (Bernstein, Bronce, Eisen) durch die Herren Weyl und Jantzen, eine in Waczmirs gefundene schön polirte Steinaxt durch Herrn v. Kries und ein alter Schmuck (Eisen, Bronce und Thon- perlen) aus einer Urne durch Frau v. Plehn hinzugekommen: besonders ist die ethnologische Abtheilung durch zahlreiche Geschenke des Herrn Lievin um inte- ressante Stücke aus Japan, Celebes und Neuseeland vermehrt worden.
Zunächst referirt der Vorsitzende dann über einige neue literarische Ar- beiten und über neue Ausgrabungen.
Im Archiv für Anthropologie weist Herr Schmidt nach, dass die so sehr verbreiteten Data über das Alter des Menschen in Amerika eigentlich nur ameri- kanischer Humbug seien. Bennett Dowler hatte das Alter eines menschlichen Ske- letts, welches angeblich in Neu-Orleans unter vier übereinander begrabenen Cypres- senwäldern gefunden worden, auf mindestens 57,600 Jahre, Agassiz das Alter von Menschenknochen, welche im Corallenkalk auf Florida eingebettet lagen, auf min- destens 10,000 Jahre berechnet; Schmidt zeigt nun, dass beide Berechnungen will- kürlich seien, da derselbe Corallenkalk auf Florida sich noch heute bilde und an- dererseits der Untergrund von New-Orleans so schwappend sei, dass man aus der Tiefe, in welcher ein Gegenstand gefunden werde, gar nicht auf die Zeit schliessen könne, wann er dorthin gelangt sei. Auf letzteren Umstand weist besonders Herr Lievin hin; das Mississippithal bilde sich noch heute aus sogenannten schwim- menden Inseln, noch heute könne dort ein Mensch an manchen Stellen des Bodens in beträchtliche Tiefe versinken.
Herr Fraas hat in einer andern Arbeit des Archivs die sehr interessanten Funde aus dem Hohlefels in Oberschwaben beschrieben; was bisher nur für die belgischen und französischen Höhlen erwiesen war, fand er auch dort bestätigt, dass der Mensch mit dem Höhlenbären, dem Nashorn, Mammuth und Renn gleich- zeitig gelebt, indess meint er, sei diese Zeit durchaus nicht an eine so schwindelnde Zahl von Jahren zu knüpfen, wie man esgewöhnlich thue; noch vor 3000 Jahren habe Mitteleuropa nicht die Bedingungen für feste Ansiedlungen von Menschen geboten, höchstens können damals einzelne finnische Jägerschwärme vom Ura oder der Mongolei her, durch die reichen Jagdreviere angezogen, dorthin vorge-
«“
drungen sein, welche denn auch als die ersten menschlichen Bewohner Mittel- europas anzuschen seien.
In der Zeitschrift für Ethnologie hat Virchow die Frage nach der Ab- stammung des ersten Menschen Mitteleuropas untersucht, besonders angeregt durch die lächerlichen Ausführungen des Herrn de Quatrefages, welche durch die Revue de deux mondes eine so grosse Verbreitung gefunden. Herr Quatrefages sagt nach dem Kriege 1870/71: „Je mehr er cs sich überlege, je klarer werde es ihm, dass namentlich in Preussen die finnische Urbevölkerung sich in einer gewis- sen Reinheit erhalten habe. Namentlich wenn er die Rachsucht, die Bosheit, die Wildheit der Preussen in Betracht ziehe, so ergebe es sich alz unzweifelhaft, dass die Preussen eigentlich Finnen seien. In der französischen Race mache sich das finnische Blut nur noch an einzelnen Orten und Individuen geltend, während in Norddeutschland sich die finnische Bevölkerung so sehr herausgearbeitet habe, dass sie sich in der preussischen Race in ihrer ganzen Schlechtiskeit der Welt habe darstellen können. Virchow untersuchte nun eine grosse Zahl alter Gräber- schädel aus Norddeutschland und ächter Finnenschädel und fand, dass beide durch- aus keine Verwandtschaft mit einander haben, dass also die Phantasien des fran- zösichen Gelehrten durchaus keinen Anhalt in den bisher bekannten Thatsachen finden.
Eine andere Arbeit Virchow’s macht auf die Wichtigkeit der Ausgrabun- gen auf Wollin aufmerksam, wo er die Stätte der alten ganz uutergegangenen einst grossen Handelsstadlt Vineta oder Jonsburg oder Julin aufgefunden hat, weil an solchen Punkten der Faden menschlicher Entwickelung wieder angeknüpft werden könne, wo er mit dem Anfang der historischen Zeit durchschnitten worden.
Eine gleich wichtige Stelle hat Herr Marschall in der Nähe von Marien- burg aufgefunden, deren wissenschaftliche Erforschung der Verein mit grossem Interesse verfolst.
Auch in der Nähe von Danzig sind die Ausgrabungen fortgesetzt worden. Leider ergeben die bisher noch nicht untersuchten Gräber in Krissau nur noch Knochentrümmer, weil sie wahrscheinlich schon in früherer Zeit von Schatzgrä- bern durchsucht worden; dagegen wurden in Fitschkau durch Chausseearbeiter zwei Menschenskelette aufgefunden, von denen emige Schädelfragmente durch gütige Vermittelung des Herrn Landrath Mauwe für den Verein gerettet wurden. Nach der Länge und der Schmalheit zu urtheilen, gehören sie ebenso wie ein drit- tes Schädelfragment, welches Herr Holtz in Lüblau bei Neustadt in einem alten Grabe gefunden, zu jenen reinen Dulichocephalen, welche Ecker für alte Germa- nenschädel kält.
Eine grosse Zahl der interessantesten Gesichtsurnen, wie sie wohl nirgends gleichzeitig versammelt sein dürfte, war von verschiedenen Aufbewahrungsorten zur Kenntnissnahme der Gesellschaft zusammengebracht und auf einem Tische aufgestellt worden. Herr Mannhardt gab eine Uebersicht über die bisherigen Untersuchungen hinsichtlich dieser Gefässgattung, welche in den letzten beiden Jahren seit der durch Virchow und ihn gegebenen Anregung die Archäologen lebhaft beschäftigt hat, während die glücklichen Ausgrabungen der HH. Kauff-
nn
mann und Marschall unsere Kunde davon wesentlich bereichert haben. In un- serm Nordpommerellen, d. h. den Kreisen Danzig, Neustadt, Carthaus, Stargardt, Berent und einmal auch im Kreise Stuhm sind Todtenurnen mit der Darstellung eines Gesichts aus heidnischen Gräbern erhoben worden: Glasperlen, Bernstein- korallen und feine Bronceketten dienten häufig als Ohrgehänge. Der geringe Um- fang und die Lage dieses Fundgebietes hart am Meere, legen die Vermuthung Ele; dass jene eigenthümlichen Gefässe überseeisch Eingelührten Mustern ihren Ursprung Verdanken. In der That hat man ganz ähnliche Grabgefässe mit Ge- sichtern auch an mehreren andern, meistens in der Nähe grosser Wasserstrassen liegenden Localitäten gefunden und zwar in den römischen Todtenfeldern am Mittel- und Niederrhein, in Isle de France, Irland, in den Nekropolen der alten . Etrusker, a;f der Insel Santorin, in Aegypten und auf Cypern. Die Frage, ob zwischen diesen Erzeugnissen alten Kunstfleisses ein historischer Zusammenhang anzunehmen sei, wird vielleicht bejaht durch eine Reihe einzelner Eigenthümlich- keiten unserer Urnen. Wie in Etrurien können wir hier zwei Typen nachweisen, den einen in der Darstellung des Gesichts auf dem Urnendeckel, den andern am Halse des Gefässes; wie in Etrurien und Aegypten finden sich unterhalb des Ge- sichts zuweilen noch Darstellungen von Thieren und andern Gegenständen auf dem Urnenbauche. Eine in Schäferei bei Oliva entdeckte Urne stellt mit spiral- förmigen Ringen umwundene Arme dar, ganz ähnlich wie etruskische Gefässe, berberisch-ägyptische Vasen des Leidener Mus seums und €ine Urne von Cypern. Ein Aschenkrug aus Pogorsz an der Oxhöfter Kämpe weist unter der Nase des Gesichts einen nach Art der Assyrer, Acgy pter durchflochteten Bart auf; eine Stangenwalder Urne trug als Gar eine vom südlichen Ufer des Mic ende et Die seit 150 Jahren berühmte sogenannte Danziger Runenurne endlich, im Besitze unserer Sammlung, trägt um ihren Hals eine In- schrift in Charakteren, deren nächste Verwandte Herr Mannhardt einerseits auf eine zu Käbelich in Mecklenburg gefundenen Todtenvase, sodann in den Zügen altitalischer Gefässinschriften auf Tafel X. XI. in Otto Jahn’s Beschreibung der Vasensammlung zu München aufweisen zu können glaubte. Gleichwohl beharrte er bei seiner früher ausgesprochenen Ansicht, dass die inschrift der Danziger Urne zwar zu dem grossen Schriftsystem gehöre, dessen verschiedene Glieder die alt- ägyptischen Hieroglyphen, das phönikische, hebräische, indische, altgriechische, altitalisch-etruskische und in der Germanenwelt das runische Alphabet Bilden dass sie aber mit keiner der übrigen europäischen Schriftgattungen sich decke, sondern als eine zumal von den Runen unabhängige Abzweigung der phönikischen oder altgriechischen zu betrachten sei. Es liegt mithin eine Reihe nicht verächtlicher Spuren vor, welche unsere Gesichtsurnen zu den Völkern des Südens in Beziehung zu setzen scheinen. Der Vortrag, welcher durch viele Abbildungen und Schrift- proben veranschaulicht war, wird später fortgesetzt werden.
Herr Helm referirte über einen Fund, welcher in der Elbinger Niede- rung, in Nogathau, auf der Besitzung des Herrn Claassen gemacht wurde. Unter einem alten Torflager von 5 Fuss Mächtigkeit, welches etwa 1 Fuss mit Lehm bedeckt ist und selbst auf Letten liest, wurde eine Bernsteinscheibe in horizon- taler Lage, welche in ihrem Bohrloche ein abgenutztes Schraubengewinde besitzt
10
und 5009 m. davon entfernt ebenso tief eine alte Feuerstelle, 3 Steine mit Scher- ben von gebranntem Thon und Kohle, gefunden. Der Besitzer des Grundes vin- dieirt diesem Funde ein sehr hohes Alter, weil das Torflager zu einer Zeit sich gebildet haben müsse, in welcher die Fundstelle viel höher sich befunden habe als jetzt, da sie etwa 7 Fuss unter dem Spiegel der Ostsee liege und Torf sich nur im Süsswasser bilden könne. Ausserdem führe die grosse Strasse, welche Meinhard v. Querfurth durch diese Niederung gebaut, gerade dicht an diesem Torfstich vorbei, woraus Herr Claassen folgert, dass damals die Torfbildung schon abgeschlossen sein musste, weil sonst für die Strasse ein günstiger Boden auf der nahe gelegenen Hügelkette gewählt worden wäre.
Das anthropologische Interesse an diesem Funde euncentrirt sich nun be- sonders darauf, dass hier Spuren menschlichen Daseins in einer Gegend und zu einer Zeit vorausgesetzt werden, in welcher, soviel bis jetzt bekannt ist, nur ein- zelne hervorragende Hügel von Menschen bewehnt sein konnten, dass demgemäss eine spätere Bodensenkung hier angenommen werden müsste. Aus der hieran sich knüpfenden lebhaften Discussion, an welcher sich die Herren Helm, Mar- schall, Mannhardt, Lievin, Schück und der Vorsitzende betheilig- ten, ergab sich als Resultat, dass der bisher bekannt gewordene Thatbestand, zwar von Herrn Ulaassen sorgfältig erhoben, doch noch nicht zur Annahme berechtige, dass die Fundstelle in schr alter Zeit von Menschen bewohnt gewesen uder dass eine Bodensenkunz hier stattgefunden habe.
Denn da zwischen der Ostsee und dem Torilager das Haff liere und das Haff Süsswasser führe, so konnte selbst bei den jetzigen Lagerverhältnissen das Bassin des Torfstichs Süsswasser führen und damit falle die Nothwendigkeit, eine Bodensenkung anzunehmen, von selbst fort; da ferner der deutsche Orden ge- rade aus politischen Gründen oft seine Strassen nahe an sumpfisen Gegenden vor- beiführte, um die Feinde desto leichter ausihren letzten Schlupfwinkeln vertreiben zu können, so falle auch die Voraussetzung, dass die Torfbildung zur Zeit Mein- hard v. Querfurth’s bereits abgeschlossen sein musste; da die Bernsteinscheibe fer- ner ein Gewinde zeige, so weise sie schon auf eine spätere Zeit hin, zumal sich Torf von solcher Mächtiskeit in relativ kurzer Zeit bilden könne; die Anlage der Feuerstelle selbst in solcher Tiefe erkläre sich entweder durch die Annahme, dass der Torf schon einmal nach der ursprünglichen Bildung an derselben Stelle so tief ausgestochen sei, wie jetzt, sobald dort zufällig eine undurchlässige Schicht das nachdringende Wasser zurückhalte, was ja durch das deutliche Wiederauf- finden der Feuerstelle wahrscheinlich gemacht werde, — oder wenn man die Bil- dung der schwimmenden Torfinseln erwäge. Diese Inseln bilden sich, wie beson- ders Herr Marschall hervorhob, noch heute z. B. auf dem Drausensee, mitten im Wasser aus Torf, werden von einem Ufer ans andere angeschwemmt und von den jeweiligen Besitzern zur Viehweide (also auch leicht als Kochstelle für den Hirten) benutzt; allmählig wachsen nämlich Gras und kleine Fichten darauf, bis schliesslich zufällig hinaufgelanste Dinge, wie Sand und die eigene Schwere be- wirken, dass diese Inseln untersinken, um von Torf ganz überwachsen zu werden. Gegen die Ansicht aber, dass die Topfscherben, welche, wie eine vorgelegte Probe zeigte, aus schwarzem, groben, mit Quarzkörnern durchsetzen, schlecht gebrann-
11
tem Thon bestehen, auf ein sehr hohes Alter hinweisen, lasse sich geltend machen, dass bei den Flissaken noch in ganz neuer Zeit ganz ebenso aussehende rohe Ge- schirre in Gebrauch gewesen sind. |
Zweite Sitzung vom 10. Dezember 1872.
Der Vorsitzende Dr. Lissauer eröffnete die Sitzung mit Vorlesung der Statuten der deutschen Gesellschaft für Anthropologie, Etlınologie und Urgeschichte und legte dann die eingegangenen Novitäten und Geschenke vor. Unter den er- steren wies er besonders auf die Abhandlung von Dr. Berendt aus Königsberg „über Gesichtsurnen“ hin, welche zum ersten Male das ganze bis dahin bekannte Material zusammenfasst. Seit Veröffentlichung derselben ist die Sammlung des Vereins durch Hrn. Steimig jun. um eine auf Lieniewo bei Berent gefundene Ge- sichtsurne bereichert worden, so dass die Gesellschaft 8 Exemplare dieser sehr seltenen Todtengefässe besitzt. Ferner theilte Herr Major Kasiski brieflich mit, dass er seine Ausgrabungen in der Umgegend von Neu-Stettin während des letz- ten Sommers mit schönem Erfolve fortgesetzt und ausser vielen interessanten Fun- den, welche für die Schriften der naturforschenden Gesellschaft bearbeitet, auch eine gut erhaltene Gesichtsurne dort erworben habe, eine Thatsache, welche um so intereseanter ist, als das Fundgebiet der Gesichtsurnen dadurch bis nach Pom- mern ausgedehnt wird.
Ausserdem wurden mehrere von Herrn Consul Baum geschenkte Aschen- krüge und Schaalen vorgezeist, die von einem grossen Gräberfeld bei Strigau in Schlesien herrühren, deren grösster Theil für die anthropologische Gesellschaft in Berlin aquirirt worden ist; ebenso hatten Herr Glaubitz einen schönen Bronze- Paalstab geschenkt, welcher bei Jacobsmühle in der Nähe von Mewe gefunden worden, Herr Holz zwei römische Grabgefässe und Herr Helın einen japanesi- schen Leuchter und ein japanesisches Schreibzeug: alle diese Geschenke wurden vorgelegt.
Darauf hielt HerrDr. Marschall einen mit vielen Demonstrationen ver- bundenen Vortrag über
Die heidnischen Funde in Alyem.
Selten dürfte ein so kleiner Raum so reich an heidnischen Funden sein, wie der von den alten Pruzzen Alyem, Aljent oder Alga benannte Gau. Der- selbe gehörte zu der Landschaft Pomesanien und entspricht heutzutage dem land- räthlichen Kreise Stuhm und einem kleinen Theil des Marienburger Kreises, so- weit er der sogeuannten „Höhe“, oder wie man zur Ordenszeit sagte, zu dem „Höckerlande“ gehört. Während er heutzutage ein Stück des Binnenlandes ist, gab es einst eine Zeit, in der er halbinselartig in die Spitze des mare suevicum, des heutigen Danziger Meerbusens, sich verschob und sein westlicher und nörd- licher Uferrand Meeresküste war. Aber diese maritime Lage veränderte sich durch Versandungen, welche die vereinisten Kräfte der Weichsel und der See be- wirkten. Im Laufe der Zeiten wurde .die See immer weiter zurückgedrängt, es bildeten sich allmählig die verschiedenen Werder vor den Mündungen der Weich- sel und Nogat, es bildete sich die frische Nehrung mit dem gleichnamigen Haff und als Ueberrest eines früheren Hafls blieben als sehr bescheidene Reste im
12
Westen der Sasper-, im Osten der Drausen-See übrig. Der westliche und nörd- liche Uferrand war in Folge dieser Bodenveränderungen nicht mehr Seeufer, son- dern wurde zum Hafiufer, noch später zum Ufer des Drausen-Sees und der Nogat. War es nun auch von der See abgeschnitten, so blieb es doch gewissermassen durch die unendliche Menge von Wasserläufen an den Mündungen der Weichsel und Nogat immer mit ihr in Verbindung, so dass die Bewohner in der heidni- schen Zeit, (bevor der deutsche Orden die unregelmässigen Wasserverhält- nisse in ein geschlossenes System brachte) als Küstenbewohner zu betrachten sind,
In Folge dieser Lage des Landes in der Nähe der See eignete es sich zu Anknüpfungen von Handelsverbindungen, wozu der von der See ans Land ge- worfene Bernstein die Hand bot, und bewirkte hier auf diesem hochgelegenen wohlgeschützten Ufer ein Zusammendrängen der Bevölkerung. Dieses wurde aber noch durch zwei neuere Momente vermehrt. Nämlich der Uferrand dieser vor- geschobenen Landspitze war nur die Fortsetzung des rechten Weichselufers und da die Weichsel stets eine grosse Völkerscheide zwischen den Anwohnern dieses einstigen Flusses gewesen, so war dieser Bezirk zugleich Grenzbezirk und musste als solcher durch Wehrburgen, Kriegslager, Signalfeuer etc. stets geschützt und bewacht werden. War nun dieses Zusammenwohnen der Edelsten und Tüchtigsten des Landes mit den Elementen der Handelsbevölkerung geeignet, ein recht reges Leben in diesem kleinen Raum zu erzeugen, so trat als drittes Moment noch das religiöse hinzu. Solche hochgelegene Uferpunkte wurden gern als Opfer-, und Wallfahrtsplätze benutzt; hier loderte das heilige Feuer, in dessen Nähe Priester ihren Wohnsitz aufgeschlagen hatten, hier auf der gemeinsamen heiligen Begräbnissstätte traten die Besten und Bevorzugten desLandes ihren Weg zu den Vätern an, nachdem ihr Körper und Alles, was ihnen lieb und theuer gewesen, durch das Feuer geläutert war. Jahr aus, Jahr ein fand daher nach diesem kleinen Küstengau ein dreifacher reger Verkehr von dem Binnenlande her statt, der sich an gewissen heiligen Tagen noch steigerte. Wir finden also schon da- mals die drei Stände, die auch in unserm Staatenleben eine Hauptrolle spielen, vertreten; den Nährstand, Lehrstand, Wehrstand.
Während so drei günstige Momente ein bewegtes Volksleben an der Küste hervorriefen, wurde dasselbe durch die äusseren Verhältnisse des Binnenlandes noch mehr erhöht. Die Oberfläche — ein wellen- und hügelreiches Terrain, durch eine Menge von grössern und kleineren Seen und Brüchen, Flüsschen und Bächen durchzogen, war besetzt mit dem schönsten Buchen-, Linden- und Eichenwald, gab also ein herrliches Jagdrevier ab, während die vielfachen Gewässer reichlichen Fischfang gewährten. Die einzelnen Bergkuppen und Hügel waren vorzüglich ge- eignet zur Anlage von einzelnen Häfen, oder geschlossenen Ortschaften, so wie von Wehrburgen und Begräbnissplätzen, während die fruchtbaren Hochebenen Land- wirtbschaft und die neben den Seen belegenen Wiesen Viehzucht begünstigten. Entsprechend dem allgemeinen Character des Pruzzen-Volkes entwickelte sich in diesem Gau das Leben in seiner ganzen Fülle; seine Bewohner zeichneten sich durch eine gewisse Wohlhabenheit aus, aber auch durch eine ungemeine Wider- standskraft und ein zähes Festhalten an den althergebrachten Göttern. Als da- her der deutsche Orden vom Süden aus auf der gewiss schon seit länger als ein.
-_
13
Jahrtausend bestehenden Culturstrasse in dies Land kam, um seine Bewohner zu unterjochen und zu christianisiren, traf er bereits im Culmerlande auf die ganze kriegstüchtige Mannschaft Pomesaniens und als er nach der Unterjochung Culms in Pomesanien vordrang, leisteten ihm hier hauptsächlich die Bewohner zweier Gaue dieser Provinz einen ungemein hartnäckigen Widerstand, nämlich die von Re- sien (der heutigen Umgebung von Riesenburg und Riesenkirch) und dievon Alyem. Doch — das unglückliche Volk erlag, mit ihm auch unser Alyem. Alles, was nur an die Religion, Sprache, Sitte des verhassten Feindes erinnerte, wurde mit Feuer und Schwert vertilgt, nur weniges rettete sich vor der allgemeinen Vertilgung: es blieben eine Anzahl der alten Ortsnamen der eilf Provinzen, ja es ging — wunderbare Ironie des Schicksals — der Name der verhassten Pruzzen auf den neuen Staat über, aus Pruzzen wurden Preussen. Ein gütiges Geschick er- hielt auch den Namen für unseru Gau, die Voigte von Stuhm hiessen: advocati in Alyem, ja fügte es, dass in ihm und zwar in der Nähe des alten Wallfahrts- ortes, der alten Wehrburg, der kriegerische und religiöse Mittelpunkt des neuen Staates zum ewigen Ruhme der heiligen Maria gegründet wurde: Marienburg sollte für die Christenheit das werden, was Alyem für die Heidenwelt Pomesaniens ge- wesen war,
Ausser den Nameu erhielt sich aber noch ein anderer grosser Theil der Ueberreste der alten Pruzzen, das waren die im Laufe vieler Jahrhunderte dem heiligen Boden anvertrauten Begräbnisse und deren Liebesgaben. Die früheren Bewohner huldigten bereits der Verbrennung der Leichname und de- ren Beisetzung in Todtengefässeu; die Verbrennung wahr wohl allgemeine Sitte. Wenn daher auch einige Reispiele von Beerdigungen vorkommen, so zeigen diese eben, dass sie nur ausnahmsweise und in einer sehr späten Zeit stattgefunden haben. Unser Gau hat ein solches Beispiel aus Liebenthal aufzuweisen, bei dem zwei Skelette, deren Schädel in unsere Sammlung gekommen sind, gefunden wurden nebst einigen Lanzenspitzen aus Knochen, einigen Versicherungs-Nadeln aus Bronce und einer Lanzenspitze aus Eisen. Dieses Begräbniss erinnert an ähnliche der samländischen Küste, der kurischen Nehrung, an die Gräber der Liven (Bähr.)
Bei der Verbrennungsmethode kommen zwei Formen in Anwendung; die eine stellt die Todtengefässe in besondere Gräber, die mit mächtigen Granit-, Sandstein- und Kalkplatten ausgesetzt sind, die sogenannten Stein- oder Stein-
_kisten-Gräber; die andere wmstellt die Todtengefässe nur mit kleinen Steinen.
Die Steingräber haben fast durchgängig eine länglichviereckige Form, doch hat Alyem einige interessante Ausnahmen aufzuweisen, indem ein Grab bei Linken die Form eines Kreuzes, ähnlich den Phönizischen, und eins bei Oschen die Form eines Ganggrabes mit gewölbter Grabkammer, ähnlich der Wohnung der Samojeden, zeigte. Ebenso ist es wahrscheinlich, dass auf den Grabhügeln Steinsetzungen verschiedener Art stattgefunden haben, darauf hin deuten die vor einigen Jahren bei Grünfelde weggenommenen drei grossen Steine, in der Volks- sprache die drei Brüder genannt, der Teufelsstein von Krastuden, auf dem sich die Eindrücke zweier menschlichen Füsse befanden, sowie die im Kreise ge- stellten Steine im Tillendorfer Walde. Die Steingräber kommen zwar im ganzen
14
Gau vor, aber immer nur vereinzelt, höchstens familienweise; alsdann stehen sie in einer Linie (Liebenthal) oder um eine Hügelspitze gruppirt (Galgenberg bei Sandhof), am meisten aber auf den nach dem kleinen Werder (dem frühern Drau- sensee) zu gelegenen Uferbergen. Diese Steinsetzungen, Anwendung mäch- tiger Steinblöcke zu den Gräbern, das isolirte Vorkommen derselben neben und inmitten der andern Methode deutet auf eine Bevölkerung hin, deren volle Urkraft noch erhalten ist, in der das einzelne Individuum seiner eigenen Kraft vertrauend auch äusserlich dies documentirt, indem es, getrennt von den Nach- barn, einen eigenen wohlgeschützten Hof bewohnt: Eigenschaften, die die ger- manische Race kennzeichnet.
Die zweite Methode, die jedes einzelne Gefäss mit kleinen Steinen um- stellt, bediente sich grosser gemeinsamer Begräbnissplätze, auf denen sich hun- derte und tausende von Todtengefässen befinden, wie bei Hoppenbruch, Willen berg, Braunswalde, Parpahren, Nikolaiken, Neumark ete. Da die Oberfläche meist aus Flugsand besteht, so ist die ursprüngliche Form des Einzel-Grabes sowie des gesammten Begräbnissplatzes nicht zu ermitteln; doch lässt sich wenigstens ihre Gruppirung, indem mehrere in einer Linie, oder zwei parallelen Linien, oder in einer Kreislinie (bis 24 Stück) gestellt sind, noch meist erkennen. Dieses Zusam- mengedrängtsein so vieler Todtengefüsse auf einem grossen Platze deutet natür- lich auf die Nähe eines grossen Dorfes, einer Wehrburg, eines Kriegslagers, ei- nes heiligen Begräbniss- oder Opferplatzes hin und lieferte den Beweiss, dass die Bevölkerung, denen sie angehörten, in grossen gemeinsamen Orten wohnten, Sul- che grosse Begräbnissplätze kommen durch ganz Deutschland da vor, wo einst slavische Stimme gesessen haben und werden allgemein Wenden - Kirchhöfe ge- nannt. In unserer Provinz, also auf unserm Gau, der sehr reich darau ist, sind sie den Aestiern, oder wie sie später hiessen, den Pruzzen zuzuweisen.
Dem Zweck des Begräbnisses entsprechend, findet sich als Hauptgegen- tand das Todtengefäss, es ist der organische Mittelpunkt, um dem sich Al- les gruppirt. Sein Inhalt sind die Ueberreste der verbrannten Leiche und der mitgegebenen Liebesgaben. Die Verschiedenheit der Gefässe geht nun ins Un- glaubliche sowohl in Bezug auf Material, Farbe, Stärke, Grösse, Härte, doch am meisten auf die Form. Indess, wie verschieden sie auch sind, sie sind doch im- mer nur die Nachahmung des landesüblichen Kessels, des -Kochtopfes, um den sich das ganze Hauspersonal lagert: der Topf des Todes ist der Topf des Lebens. Ob alle Formen einheimisches Fabrikat sind, möchte ich bezwei- felu; auch wir beziehen noch heute Töpferwaaren aus dem Süden und es ist be- kannt, dass die Phönizier ausser Salz, Broncesachen etc. auch Töpferwaaren nach den Zinninseln ausführten, warum gollten nicht auch hierher fremde, besonders geformte Töpferwaaren durch das entsprechende Handelsyolk gelangt sein? Die in der Sammlung des Dr. Marschall befindlichen Flaschenformen aus hartem weissen Ton mit verglastem Oeffnungsrand sind jedenfalls Ausländer.
Ist ein Unterschied zwischen den Gefässen der Steingräber und der Massen-Gräber? Ja. Jene sind im Allgemeinen besser geformt, von besserm Material und mit höchst einfacher Zeichnung, die nur das Halsband nachahmt. Die Getässe erscheinen dadurch würdiger und dürften aus den Händen des Prie-
15 sters, der damals eine Person für Alles — Belehrung, Rechtsprechung, Hei- lung, Tödtung u. s. w. war, hervorgegangen sein. Diese — die der Massen- gräber — zeigen den Uecbergang vom Schlechten zum Bessern in allen Richtun- gen, wie es der Fall ist, wenn geschickte und ungeschickte Künstler arbeiten.
Jedes Todtengefäss trägt einen Deckel, der Anfangs ein platter Feld- stein, dann aber eine dicke Thonplatte ist. Diese letztere wird aber allmä- lix durch verschiedene Manipulationen zu den wunderbarsten Formen ausgezogen, deren höchste, von den gewöhnlichen ganz abweichende Vollendung in dem Ge- sichtsdeckel, welchen ein Steingrab in Liebenthal lieferte, gipfelt. Dieser — eine einheimische Nachbildung eines ausländischen Modells — ist auf etrurischen Ursprung zurückzuführen. Eben so interessant sind die in Form von grossen Schaalen und die mit einer Menge Löcher durchbohrten, schüsselartigen Deckel, die jedenfalls als Durchschläge, zum Durchseihen der Milch ete. ge- dient haben (altpr. Dalptan). Ausser diesen eigentlichen Todtengefässen finden ‘sich nun neben ihnen oder in ihnen eine Menge kleiner 'Thongefässe, die eben- so verschieden wie die grossen meist schlechte Fabrikation zeigen und als Trinkgefässe gedient haben. Nächstdem erregen unsere Aufmerksamkeit in hohem Masse die Glasgefässe, von denen heut zu Tage leider nur Scherben ge- funden werden. Das Glass ist entweder weiss oder matt durchschimmernd von grünlicher Farbe und zeigt auf der äussern Fläche entweder einneschliffene Blätter oder Zweige, oder aufgelegte zu Figuren ausgezogene Glasfüdchen; der Fundort nur Willenberg-Braunswalde.
Gefässe aus anderem Material, etwa Porphyr, Bernstein, Metall haben sich noch nicht vorgefunden, wohl aber ein kleiner Behälter aus Eichenholz, in Gestalt eines Kahnes von ca. 8 Zoll Länge, dessen Inneres die Knochenüberreste enthielt und mit einer Steinplatte bedeckt war.
Lieferten die Gräberformen, sowohl das Steingrab, wie das Einzelgrab des gemeinsamen Begräbnissplatzes uns ein treues Bild der W ohnräumlichkeiten der früheren Bewohner, so zeigen die in ihnen hefindlichen Gefässe, welcher ver- schiedenen Formen sich dieselben bedient haben: Kessel, Kochtopf, Esschüssel, Trink- und Esschaalen Trinktöpfchen, Durchschläge, Opferschaalen (die Kausseln urspr. von Eschenholz) alle diese Formen und damit die innere Wirthschaft stehen vor uns. Dieses Bild der Häuslichkeit wird nun durch die Liebes- und Opfer- gaben, welche sich auf den verschiedenen Plätzen finden, vollendet.
Diese Liebesgaben, jene dem Verstorbenen im Leben theure und in das Feuer mitgegebenen, nur auf dem Opferplatze niedergelesten Gegenstände; bestehen aus Knochen, Stein, Bronce, Eisen, Silber, Gold, Glas, Thon, Ge- weben.
Die ältesten sind wohl die Knochen-Gegenstände, welche vertreten sind durch zwei Stricknadeln, 2 Lanzenspitzen, Bohrnadeln, Zähnen von Erwachsenen und Kindern. Eine eigenthümliche Zugabe bilden in eınem Steingrabe (Hoppen- bruch) ein Menschenschädel, welcher Fall an wenige ähnliche Fälle Ostpreussens und der Livengraber erinnert, (in einem der letzten umstanden 60 Schädel das
unverbrannte Skelet.) ARE ände triffi . 3 Ban verkalta enter ce Steingegenstande trifft man ın unserm (rau verhältnissinassig viele u
16
zwar von den rohesten Formen bis zu dem polirten Steinbeil. Den Reigen eröffnen die Splitter von Feuerstein, rohe oder verarbeitete zu Pfeil und Lan- zenspitze, Messerchen, Feilen. Ausser dem Feuerstein ist die Hornblende verarbeitet zu Keulen, Beilen, Aexten, Hämmern, unterihnen ein solcher, wie ihn Nilson im „Steinalter“ abbildet, mit einem zweiten, nachgearbeiteten Stielloeh; ferner Muschelschiefer zu Lanzenspitzen, einem Keil, Achat zu Keilen mit schöner Politur. Ausserdem liegen auf allen Plätzen die sogenann- ten Mahlsteine zum Verkleinern der Saamenkörner, sowie ein Menge kleiner schwarzer Steinchen (zum Loosen, Zählen ?).
Die Bronce-Sachen in ihrer massenhaften Verbreitung zeigen, welch be- liebter Artikel dieses Metalleemisch bei unsern Bewohnern gewesen ist. Unter den Funden fehlt eigentlich nur das Bronceschwert und der Celt, sonst sind alle Gegenstände, wie sie in der Provinz vorkommen, vertreten. Da sind vorhan- den; ein Diadem, Haar- oder Zopfnadeln, Perlenschnüre, Ohrgehänge, Halsketten, Armspangen, Fingerringe, Gewandhalter oder Versicherungsnadeln, Beschläge auf dem Gewand, Schnallen, Pensilien, Kettchen, Ringe eines Schuppenpanzers, Näh- und Stopfnadeln u. s. w. und zwar nicht etwa einzeln, sondern meist in grosser Menge; vor Allem die Fibeln (Versicherungsnadeln), deren einzelne Formen mit ähnlichen in Livland, Dänemark Süddeutschland übereinstimmen, deren meiste aber dein Gau und der Provinz eigenthümlich sind. Uebrigens sind alle For- men in hohem Grade einfach und bekunden einen guten Geschmack der Fabrikanten, wie derer, die sie benutzen; sie sind fern von den wunderbaren und verzerrten Thierformen der Römer und Ftrurer, sowie von den mit Schmuckplat- ten und Email u. s. w. überladenen Süddeutschlands, Ebenso ist die Fabrika- tion exact, wohlgelungen, ohne Fehler. Den Höhepunkt erreichen die mit Gold- und Silberplättehen belegten und mit ebensolchen Fädchen verzierten Schmuck- sachen. Gussformen irgend welcher Art fehlen noch.
Bei der Menge von Bronce-Sachen nimmt es nicht Wunder, dass auch das mit ihr in unserm Gau wohl zu gleicher Zeit bekannt gewordene Eisen ge- nügend nach allen Richtungen vertreten ist; speziell sei erwähnt, dass zusammen- gebogene Schwerter (Liebenthal) und Versicherungsnadeln aus Eisen, ganz ebenso geformt wie die aus Bronce (Willenburg) nicht fehlen.
Das Silber und zwar in seinem Vorkommen als geprägte Münzen zeigt uns den damaligen Handelsweg, es sind Denare aus der ersten römischen Kai- serzeit: Mark Aurelius, Antonius, Lucilla, Vespasianus; nächstdem deutsche Mün- zen aus dem 10. und 11. Jahrhundert (Köln, Metz). Ausserdem zeigen Gewand- nadeln, Schlingen, Agraffen, Fingerringe u. 8. w. eine schon weit vorgerückte, höchst zierliche Fabrikation,
Unter den Gold-Sachen füllte die arabische Münze, Fontuk, die Lücke in den beiden Handelswegen, den römischen und deutschen, aus und zeigt auf die Handelsverbindung nach dem Schwarzen Meere, die Jahrhunderte lang bestand; vorzüglich gearbeitet ist ein aus Goldblech getriebenes Ohr- gehäng.
An die Geldsachen reihen sich die Glas-Sachen, Perlen jeder Grösse und Form von blauer und grüner Farbe, wenige von gelber, zeigen einen ho-
17 hen Grad der Ausbildung ihrer Verfertiger, noch mehr jedoch jene aus verschie- denartigen Glasfäden bestehende, vor Allem aber die geblümten Mosaikperlen und die mit eingelesten Goldplättchen.
Trotz des Reichthums von Bernstein am eigenen Heerde haben die Bewohner dieses köstliche Fossil weder im rohen, noch bearbeiteten Zustande verschmäht. Korallen ieder Grösse, Form, zeigen ihre Beliebtheit. Uharacteristisch für unsern Gau und unsere Provinz ist die flaschenförmige Form (erinnert an ähnliche aus Aegypten), sowie die eines verkleinerten Steinhammers, ein Beweis, dass schon damals Waffen in verkleinerter Gestalt als Schmuck zu tragen, wie heutzutage, Zündnadeln, Kanonen, Pistolen, hin und wieder Sitte war. Eine andere Form halte ich für die Nachahmung einer Keule, der eigentlichen Waffe der Pruzzen.
Den Schluss dieser Gegenstände machen die Thon-Sachen, unter denen diejenigen aus gewöhnlichen heimischem Thon — Thonkorallen jeder Grösse, nicht Spindelsteine oder Netzbeschwerer — sich sofort abzeichnen von den über- aus zierlichen aus rothem oder gelbem römischen Thon. Das schönste Stückchen wird repräsentirt durch eine viereckige Mosaik-Koralle, deren vordere Fläche 4, deren hintere 3 Blümchen zeigt.
Damit wäre der Ueberblick über die in Alyem gefundenen Gegenstände erschöpft und jeder Unparteische muss gestehen, das dieser kleine Gau in so kur- zer Zeit eine ganze Menge geliefert hat. Interessant werden diese Funde noch dadurch, dass nur ein kleiner Theil aus Steingräbern oder aus den in der Mitte des Gaues gelegenen Plätzen stammt, dass der grösste Theil und zwar die besten und schönsten Sachen zugleich mit den ältesten und rohesten zusammen auf ei- nem Felde gesammelt worden sind, und dass oft gerade diese niedlichen Sachen aus Gold, Silber, Bernstein, Bronce, Glas nicht in oder dicht neben Todtengefäs- sen vorkommen, sondern zerstreut im Sande, mitunter wohl verwahrt in einem Zeugstückchen. Und dieses so ergiebige Feld befindet sich auf jenem Uferrande der Nogat, von dem wir im Anfange des Vortrages geschen, dass es einst See-, dann Hafl-Ufer war, jetzt Nogatufer ist, und wegen seiner bevorzugten sichern Lage als Ufer- und Grenz-Höhe in der damaligen heidnischen Zeit so schr ge- eignet gewesen sei zur Anlage eines Handelsplatzes, einer Wehrburg, eines Opfer- und Begräbnissplatzes.. Es kann daher wohl nicht bezweifelt werden, dass hier an dieser reichen Fundstelle in der That ein enges Zusammendrängen der Bevöl- kerung zu diesen oben erwähnten Zwecken stattgefunden hat.
Sehr viele von diesen herrlichen Funden sind früher rettungslos verloren gegangen und gehen zum Theil noch verloren; doch der Boden unseres Graues birgt gewiss in seinem Schosse noch manche köstlichen Schätze aus jener fernen Zeit, die nur der Erlösung durch Sachverständige bedürfen, um manchen neuen Blick in die früheren Verhältnisse unseres Gaues und seiner Bewohner zuwerfen.
Ziehen wir kurz aus dem Gesagten ein Resultat, so lautet es:
1) Alyem, dieser kleine halbinselartig in das Wassergewirr der Weich- selmündungen vorgeschobene Gau Pomesaniens ist seit der ältesten Zeit ein wichtiger Terrain-Abschnitt für die Bewohner der Bernstein-Küste gewesen.
2) Die Ueberreste aus jener Zeit: Erdumwallungen, Steinsetzungen, Ein-
zel- und Massen-Gräber, Gegenstände aller Art deuten durch ihr massenhaftes >
18 Vorkommen auf eine Concentration der Bevölkerung auf diesem Terrain zu Han- dels-, Kriegs- und religiösen Zwecken hin.
3) Die nicht wegzuleugnende Abweichung der verschiedenen Begräbnissar- ten und Formen, so wie der in ihnen enthaltenen Gegenstände zeigen klar, dass wir es hier mit drei verschiedenen Völker-Elementen zu thun haben. Von die- sen gehört das erste, an Zahl das kleinste etwa den Kuren oder Liven, wel- che die Leichen einzeln beerdigten, das zweite, grösser als jenes, aber gerin- ger als das dritte (Steingräber-Leute) dem germanischen Stamme (Gothen?), das dritte, das stärkste und umfangreichste (Massen-Begräbnissplätze) den Ae- stiern an.
4) Diese drei Völkerelemente sind aber in einander aufgegangen zu einem gemeinsamen "Volke, den Pruzzen, in dem jedoch das germanische Element möglicherweise sich eine gewisse Superiorität verschaflt und zu erhalten ge- wusst hat. —
An diesen Vortrag schloss sich ergänzend die Demonstration mehrerer sehr interessanter Gegenstände aus der Stein- und Bronce-Zeit, welche Herr Frei- tag vorzulegen so gütig war, unter denen besonders sehr grosse Berusteinperlen, bei Löblau gefunden, ein Paar Celte aus der Gegend von Tempelburg die Aut- merksamkeit fesselten.
Der darauf folgende Vortrag des Herrn Dr. Oehlschläger führte uns durch die Räume des Museums nordischer Alterthümer in Kopenhagen. Es ist diese eine der wohlgeordnetsten und reichhaltigsten Sammlungen ihrer Art; die etwa 20,000 Nummern sind in einer Reihe von 19 Sälen im Prinzenpalais aufge- stellt und der Besichtigung des Publikums fast jeden Tag zugänglich. Der Grün- der dieses Museums war Prof. Nyerup im Jahre 1307 und sein Nachfolger wurde der Conferenzrath Thomsen, der fast ein halbes Jahrhundert lang für diese Samm- lung in der eifrigsten Weise wirkte und ihre vortreffliche Anordnung und Auf- stellung besorgte. Die 9 ersten Zimmer enthalten Alterthümer der heidnischen Zeit etwa bis zum Jahre 1000 n. Chr., die folgenden 10 Zimmer Gegenstände der christlichen Zeit bis ungefähr zum Jahre 1660. Als Fortsetzung dieser Samm- lung kann dann die prachtvolle und reiche Sammlung des Rosenburgschlosses in Kopenhagen gelten.
Die Alterthümer der vorchristlichen Zeit sind nach den 3 bekannten Zeit- räumen geordnet: Stein-, Bronce- und Eisenzeit, und zwar nehmen die 3 ersten Zimmer das Steinalter, die beiden folgenden das Broncealter und die 4 letzten die Eisenzeit in sich auf. Gleich in der Eintrittshalle lenken gewaltige Runensteine, die an den Wänden aufgestellt sind, unsere Blicke auf sich, sie sind meistens aus dem 9. und 10 Jahrhundert n. Chr., die südlichsten stehen am alten dänischen Grenzwalle Danevirke in Schleswig. Sie stellen mit ihrer sogenannten neueren Runenschrift theils Grenz-, theils Gedenktafeln dar; so hat der eine von Egaa in Jütland folgende Inschrift: „Alfkil und seine Söhne errichteten diesen Stein nach Mane, ihrem Verwandten, welcher Gutsvorsteher Ketils, des Norwe- gers, war.‘
Das nächste Zimmer zeigt uns ein riesiges Stück jener vielbesprochenen Kjökkenmöddinger, für welche Dänemark das classische Vaterland und der allei-
19
nige Fundort ist. Es sind das mächtige Haufen von Küchenabfällen, welche uns als Denkmal des ausgezeichneten Appetits unserer Vorfahren aufbewahrt sind, und welche uns zugleich zeigen, dass hier früher ein schr zahlreiches Urvolk ge- haust hat, angelockt und genährt durch den grossen Reichthum des Meeres an Fischen und Austern, und durch das häufige Wild des Waldes, welcher “noch heut zu Tage die schönsten Buchen der Welt enthält. An mehr als 70 Stellen sind derartige Bänke in Dänemark längs des Meeresufers aufgefunden worden. Der Haufen zu Meilgaard, von dem wir hier eine Probe vor uns schen, hat eine Länge von 340, eine Breite von 120 und eine Mächtiskeit bis zu 9 Fuss. Diese Küchenabfälle bestehen zum grössten Theile aus Schalen von Auster und essbarer Schnecken; da aber auch unsere Vorfahren Abwechselung im Küchenzeitel lieb- ten, so sehen wir dazwischen Knochen vom Edelhirsch, Ur, Bison, Elenn, Renn- thier, Wildschwein, Fuchs, Katze, Ratte und von einer kleinen Hundeart, die da- mals wahrscheinlich gegessen wurde; aber auch Ganz, Auerhahn und Fische sind vertreten. Alle Röhrenknochen sind, zum Beweise, dass Menschen sie unter Hän- den gehabt, der Länge nach gespalten, denn unsere Vorfahren sahen in dem Knochenmark einen Leckerbissen. Ausserdem kommen in den Haufen Scherben von roh gearbeiteten Thongefässen, so wie schneidende und spitze Werkzeuge von Feuerstein vor. Betrachten wir diese genauer, so finden wir, dass sie durchgän- gig eine weit sorgfätigere Arbeit zeigen, als die ähnlichen Formen aus den Kiesgruben von Amiens und Abbeville. Das schon bekundet ein weit jugendli- cheres Alter, als die Ueberreste aus der ersten Steinzeitin Frankreich. Von den frü- heren Thieren aus der Diluvialperiode, wie Mammuth, Knochennashorn, Höhlen- bär und Höhlentiger ist übrigens in den Kjökkenmöddinger keine Spur.
Die Austerschalen in den Küchenabfällen sind zugleich ein deutlicher Be- weis, dass trüher die Ostsee einen bedeutenden Salzgehalt gehabt hat, da Austern nur bei einem Salzgehalte von 3 Prozent vorkommen, während gegenwärtig das Meerwasser der Kieler Bucht nur etwa 2 Prozent, das Wasser bei Rügen 1?/, Prozent, bei Zoppot und Kranz ?/, Procent Salz enthält und im Meerbusen bei Riga gar bis !/, und im bottnischen Meerbusen auf !/, Procent sinkt. Der Vor- tragende entwickelte bei dieser Gelegenheit seine Ansichten über die früher durch- aus verschiedenen hydographischen Verhältnisse der Ostsee. Während dieselbe jetzt einen grossen Meerbusen darstellt, war sie während der Diluvialperiode eine mächtige Meeresstrasse, indem das Weisse Meer in directer Verbindung mit dem bottnischen Meerbusen stand und dort, wo jetzt Wettern- und Wenern-See lie- gen, eine breite Wasserstrasse quer durch das südliche Schweden nach dem Kat- tegat ging, wie die zahlreich in jener Gegend anfgefundenen Meeresmuscheln be- weisen, Die südliche Spitze Schwedens, das heutige Smaaland-Plateau, lag als eine Insel in der Ostsee und eben so ragte der gewaltige Stock des Kjülen-Ge- birges als riesige Insel aus dem Urmeere empor. In dieser von den heutigen Verhältnissen durchaus abweichenden Gestaltung von Land und Meer liegt auch ein bedeutsamer Grund für die Erzeugung der sogenannten Eis- und Rennthier- Periode, welche in Mittel- und Nord-Europa einst geherrscht hat: zu der Zeit, als die oberste Schichte des Diluviums, der Lehm, abgelagert wurde, konnten die Eismassen der Polarmeere ungehindert in das Becken der Ostsee hinabtreiben und
2%
>
20
füllten es wohl das ganze Jahr. Daher finden wir auch in der Lehmschichte keine Spur von diluvialen Lebensresten, erst später sollte sie die fruchtbringende (srund- lage der Aecker werden. Gegenwärtig überwiegt in der Ostsee der Zufluss von siissem Wasser so sehr die Wassermasse, welche’ verdunstet, dass nach der Nord- see zu ein andauernder langsamer Abfluss stattfindet, und dass der Salzgehalt vom bottnischen Meerbusen aus in stetiger Abnahme begriffen ist. Es muss voraus- sichtlich ein Zeitpunkt eintreten, in dem das süsse Wasser das Salzwasser des Ostseebeckens fast vollständig verdrängt hat, und in dem nur anhaltender West- wind und Sturmfluthen, wie die jüngste in der Nacht vom 12. zum 13. Novem- ber, im Stande sind, den Salzgehalt der Ostsee wieder etwas anzufrischen. Es wird noch in historischer Zeit sich ereignen, dass unsere Ostseehäfen sofort mit Beginn des Winters zufrieren, und das unser Zoppot mit seinem magern Salzge- halte von %/, Procent zu einem Süsswasserbade degradirt wird, falls dann über- haupt nicht schon die Danziger Bucht mit Land ausgefüllt und Hela der fashio- nable Badeort Danzigs geworden ist,
Doch von dieser wenig erfreulichen Perspective, zu deren Entwickelung uns die Küchenabfälle unserer Altvordern mit ihren massenhaften Austerschalen den Anstoss gaben, zurück zur Steinzeit des Kopenhagener Museums. Die be- zeichnende Eigenthümlichkeit dieser ersten Periode menschlichen Uulturlebens ist eben die Antertigung fast aller Geräthschaften und Waffen aus Stein, zum Theil auch aus Thierknochen. Da sehen wir aus Feuerstein gefertigte Aexte, Hämmer, Lanzen- und Pfeilspitzen, Opfer und Jagdmesser, Austermesser, Fellschäler, Hohl- meissel, runde Steine mit Löchern oder Rillen zum Versenken der Netze, Angel- haken, Fischstecher in Form eines Dreizacks; ferner Schleifsteine aus Quarz oder Quarzsandstein, auch kleine tragbare, wie sie noch heute die Frauen Grönlands zum Schleifen ihrer Knochennadeln am Gürtel tragen; kugelförmige Steine zum Quetschen und Mahlen des Getreides, und ihnen entsprechend ausgehöhlte Stein- platten; Nadeln aus Knochen; auch durchbohrte unbearbeitete Bernsteinstücke, die als Halsketten oder Armbänder getragen wurden. Die Steinwerkzeuge der älte- ren Steinzeit verrathen sich uns durch ihre geringe Grösse und grobe Bearbei- tung, während diejenigen der jüngern Steinzeit schon eine gewisse Virtuosität in Behandlung des spröden Materials zeigt; die Aexte und Meissel und Speerspitzen erreichen eine Länge bis zu 2 Fuss und sind an den Enden sauber geschliffen, Durch viele dieser Steinwerkzeuge sind Löcher getrieben zur Befestigung der Holzstiele. Wie diese Löcher gebohrt wurden, darüber giebt uns die vergleichende Ethnographie Aufschluss, zu der uns die 2 Treppen höher gelegene ethnographi- sche Sammlung treffliches Material liefert. Noch heutzutage sehen wir bei Völ- kerschaften, die sich auf ähnlicher, roher Culturstufe befinden, wie sie Holzpflöcke auf einem Steine, indem scharfer Sand und Wasser hinaufgethan wird, nach Art der Quirle mit beiden Händen in eine drehende Bewegung versetzen; und so kommt schliesslich das Loch zu Stande. Da fällt unser Auge auch auf einen Stein mit halbvollendetem Bohrloche, indem sich noch ein Steinzapfen befindet: statt eines soliden Holzpflocks war ein ausgehöhlter Holunderast zum Bohren be- nutzt, wie es jetzt noch v. Frantzius bei den Eingeborenen Amerikas gesehen hat. Wie sehr in jenen fernen Zeiten die Bearbeitung und Benutzung des Steins
21 zur Gewohnheit geworden war, das sah ich an einem gebogenen, stabförmigen Steine, der an jedem Ende ein Loch hatte, und der jedenfalls einem Ochsen als Stirnband gedient. Es ist dieselbe Erscheinung, die wir auch aufandern Gebieten beobachten: liebgewordene Einrichtungen und Gewohnheiten erhalten sich noch lange fort, auch wenn das Bedürfniss nicht mehr vorliegt, wie es z, B. mit den Pfahlbauten erwiesen ist.
Die letzte Zeit der Steinperiode leitet natürlich den allmäligen Uebergang zur Broncezeit ein. Wir finden unter den vorwiegend immer noch aus Stein und Knochen gearbeiteten Geräthen auch schon ab und zu Sachen aus Bronce, dieser Mischung von 9 Theilen Kupfer und 1 Theile Zinn. Der allgemeine Gebrauch der Bronce zur Verfertigung schneidender und stechender Werkzeuge bezeichnet einen sehr wichtigen Fortschritt in der Entwickelung des Menschen, Silber und Eisen sind freilich noch unbekannt. Wir begegnen im vierten und fünften Zim- mer der Sammlung, welche dieser Zeit gewidmet sind, wohlbekannten \Waflen- stücken, als Schwert, Lanze, Dolch, Schild, Helm, Blashoru, Palstab, Celt. Auch zu täglichen Gebrauchs- und Schmuckgegenständen muss die neue Masse herhal- ten: neben zierlichen Halsketten und Armringen sehen wir Heftnadeln (Fibeln), die ganz dieselbe Vorrichtung wie unsre heutigen Tuchnadeln haben; wir begegnen ehernen Kronen und ovalen ehernen Platten, die wohl eine ähnliche Be- stimmung bei unsern Urmüttern gehabt haben mögen, wie die vergoldeten Plat- ten, welche Holländerinnen in der Schläfengegend tragen. Natürlich werden die ersten Broncegeräthe vom Süden her eingeführt worden sein, wie die Aehnlich- keit mit griechischen und römischen Formen uns deutlich zeigt. Aber bald wird sich auch eine einheimische Industrie entwickelt haben, wie die in einem Topfe bei Rygaard auf Seeland gefundenen Gusszapfen zeigen, neben denen zerbroche- Broncewerkzeuge lagen. Viele prächtige Aexte und reich verzierte Hängegefässe, die sehr dünn über einem Thonkerne gegossen sind, bezeugen, dass die Giesskunst bereits einen sehr hohen Standpunkt eingenommen hat. Gold sehen wir häufig angewandt, theils massiv zu Schmucksachen, theils in dünnen Platten ausgehäm- mert, um Waffen und sonstige Geräthe damit zu verzieren. Häufig musste dabei ein Kitt herhalten, der aus Birkentheer bereitet und auch zum Zusammenkitten von Thongefässen und Urnendeckeln gebraucht wurde. In der Sammlung sehen wir kleine Klumpen dieses Universalkittes. — Die Broncen haben eigenthümliche Formen und eine besondere Ornamentik: Striche, Kreise und Spiralen in beson- deren Mustern; Pfianzenmotive kommen dagegen äusserst selten vor, und Dar- stellungen von Menschen und Thieren, namentlich Schwänen und Pferdeköpten, wahrscheinlich erst in der spätern Broncezeit. — Wie schr eine gute Aufstellung die Uebersicht und die Erklärung der Gegenstände erleichtert, salı ich an einem in die Augen springenden Beispiele: neben pfriemenartisen Nadeln ohne Oehr la- gen federnde Zängchen; beim Zusammennähen der zur Bekleidung dienenden Thier- häute wurden erst, da man Oehrnadeln noch nicht kannte, Löcher durchgebohrt, und durch die Bohrlöcher der Faden durchgesteckt, das nur wenig hervorragende Ende aber mittelst jenes Zängchens hervorgezogen.
Was für ein Sprung von dieser primitiven Art des Nähens zu unserer heutigen Nähnadel und gar zur Nähmaschiene aus -— Eisen. Zu der Eisenzeit
22
in der wir heute noch leben — denken wir nur an die Wunder des Kup- pelbaues der Wiener Industrie- Ausstellung, der ohne Eisen gar nicht möglich wäre — führen uns die 4 letzten Säle der vorchristlichen Zeit. „Die Geschichte des Eisens ist die Geschichte der Civilisation der Menschheit“ — hat schon vor Jahren der Mineralog Leonhardt in Heidelberg gesagt, und hier sehen wir den sprechenden Beleg dafür. Man kaun den Zeitpunkt der ersten Anfänge der Eisenbearbeitungim Norden noch nicht mit Sicherheit bestimmen, so viel aber steht fest, dass im 3. Jahrhundert n. Chr. das Eisen die Bronce vollständig bei Waffen und schneidenden Werkzeugen verdrängt hatte. Die Eisenwaffen aus den
grossen Moorfunden sind dabei von hoher Vollendung in Form und Technik-
Da sehen wir prächtige Pferdegeschirre, Lanzen, Messer Schwerter, Schilde, Gür- telschlösser, Schnallen. Zum ersten Male begegnen wir nun auch den älteren Runen, die sich nie auf Broncegegenständen zeigten. Gleichzeitigmit neuen Stof- fen (neben Eisen, Silber, Elfenbein, Glas) treffen wir noch ganz neue Motive in den Verzierungen und eine bis dahin unbekannte Ornamentik. Auch vielen je” dentalls aus dem Süden importirten Waaren begegnet unser Auge: so römischen und etrurischen Vasen, Gefässen aus Bronce und Glas, Statuen. Für das Alter der Eisenfunde sind hier die begleitenden Münzen in demselben Masse entschei- dend, wie bei den geologischen Schichten die Leitmuscheln. So sehen wir bei Funden aus der ältern Zeit römische Münzen, viel Silberdenare; die mittlere Eisen- zeit, oder die Zeit vom 5. bis 8. Jahrhundert n. Chr., wird durch byzantinische Goldsolidi gekennzeichnet, zugleich durch ungemein reiche Funde an Goldschmuck.
Das jüngere Eisenalter zeigt eine Menge arabischer oder kufischer Silber- münzen (Dirhene) und einzelne westeuropäische und deutsche Geld- stücke; daneben sehen wir hier viele fremde Schmucksachen, namentlich aus Sil- ber und eigenthümliche Schlangenverzierungen, welche oftin barokke und phanta- stische Verschlingungen ausartea. Es war mir interessant, diesen selben Styl bei den heute gearbeiteten Gold- und Silberschmucksachen der nordischen Kunst- und Industrie-Ausstellung, welche in diesem Sommer so viele Fremde nach Ko- penhagen hinzog, wiederzufinden. Und so reichen sich denn Gegenwart und Vergangenheit hier anknüpfend, entlehnend und vermittelnd die Hand.
Wir aber müssen bekennen, dass sichuns beim Durchwandern jener der Ur- geschichte des Menschen gewidmeten Räumen so recht die Ueberzeugung aufgedrängt hat, wie kein Land Eurvpas so genau nach den Altersthümern durchtorscht ist, wie das kleine Dänemark. Der Regierung ist nach dieser Richtung kein Opfer zu gross gewesen. So ist der Moor von Vimose bei Odense auf der Insel Fü- nen in den Jahren 1859 bis 1865 vollständig ausgegraben, und man machte da- bei namentlich reiche Funde aus der Eisenzeit; und auf der Insel Bornholm hat man 34 Berräbnissplätze mit vielen Tausenden von Gräbern planmässig untersucht und auch hier viele Funde an Alterthümern gemacht. So zeigt das kleine Däne- mark, dass es schon jetzt den Spruch zur Wahrheit gemacht hat, welcher, einen deutlichen Hinweis auf den jüngsten Verlust Schleswig-Holsteins enthaltend, sich auf der Ausstellungs-Denkmünze befindet: „Jeder Verlust findet seinen Ersatz; was Du nach aussen hin verlierst, das suche nach innen hin zu gewinnen.“
25
Dritte Sitzung vom 27. März 1873.
Nachdem der Vorsitzende, Dr. Lissauer, über den Stand der Vereins- angelegenheiten — der Verein zählt jetzt 62 Mitglieder — und über die seit der letzten Sitzung erschienenen literarischen Novi:äten berichtet, wurden die Geschenke und die Mittheilungen der auswärtigen Mitglieder, welche neuerdings eingegangen waren, der Gesellschaft vorgelegt.
Herr Dr. Brandt hatte dem Verein 2 japanesische Karten geschenkt, de- ren eine von Yokuhama) durcheingedruckte englische Namen sich auszeichnet, wäh- rend die andere (von einer Insel) ebenso wie der gleichzeitig vorgelegte vollstän- dige japanesische Atlas nur japanische Schrift zeigt. Man erhielt so eine Vor- stellung von der japanischen Chartographie überhaupt, welche bei der rein per- spectivischen Darstellung stehen geblieben ist und daher trotz einer gewissen Vol- lendung im Detail sowohl einen Vergleich japanischer Karten unter einander als besonders mit unsern fast unmöglich macht.
Von Herrn Apotheker Scharlock aus Graudenz war eine grosse Samım- lung von Gipsabdrücken solcher Alterthümer aus der Stein- und Broncezeit dem Vereine geschenkt worden, deren Originale in Privatsammlungen zerstreut sind. Die Copieen sind sowohl der Form als der Farbe nach geradezu vollendet und gewähren jedem Museum die Möglichkeit, etwaige Lücken leicht auszufüllen. Herr Scharlock selbst erklärte sich zwar nur zum Austausch bereit, allein Herr Flor- kowski, welcher unter seiner Aufsicht arbeitet, liefert dieselben Abgüsse mit gleicher Vollendung für einen billigen Preis.
Herr Scharlock hatte ferner in einer besonderen Arbeit ein Gräber- feld in Pscinno und Pieganowo in Polen, 4 Meilen westlich von der Weichsel, nicht weit von Inowraclaw, beschrieben, welches sich durch eigenthümliche Stein- setzungen auszeichnet, wie sie in unserer Gegend bisher nicht bekannt waren und an die Wicking-Gräber Schwedens erinnern. Wir verweisen auf die Schriften der naturforschenden Gesellschaft in Danzig, welche diese Arbeit nebst einer Skizze des Gräberfeldes ausführlich veröffentlichen werden; hier wollen wir nur erwäh- nen, dass die Form der Steinsetzungen dreieckig oder elliptisch war, dass die Seiten der Dreiecke aus mehreren Kreisen bestanden, welche sich abwechselnd aus Aschenkrügen und Steinen um einen grossen Stein herum zusammensctzten, wäh- rend von den Ecken aus lange Reihen von Steinen strahlenförmig ausliefen. Aus der sich hieran knüpfenden Discussion, an welche die Herren Mannhardt, Mar- schall und Schück sich betheiligten, ergab sich, dass ähnlich zusammengesetze kreisförmige Steinsetzungen schon häufiger beobachtet, dass aber solche dreieckige nur einmal, in der Nähe von Uulm, also auch im Weichselgebiet, bekannt gewor- den, dass daher die Gräber von Pseinno durch ihre Eigenthümlichkeit allerdings ein besonderes Interesse verdienen.
Herr Major Kasiski machte ferner in einer grösseren Arbeit Mitthei- lung von fortgesetzten Untersuchungen zweier Burgwälle und vieler Gräber in der Nähe von Neustettin. Besonders interessant war die Auffindung von noch dreien allerdings nicht mehr vollständigen Gesichtsurnen und von einem alten Brennofen, welcher mitten unter heidnischen Gräbern gelegen, zum Brennen von Thongefässen in der heidnischen Zeit bestimmt gewesen. Wegen der Einzelheiten
24
müssen wir auf die Beschreibung und Zeichnung in den Schriften der raturfor- schenden Gesellschaft verweisen.
Herr Helm trug die Resultate seiner chemischen Untersuchung von Grab- urnen vor, welche er zur Prüfung der in den preussischen Provinzialblättern von Friederiei veröffentlichen Ansicht unternommen, dass die Urnen der alten Preussen nicht aus Thon, sondern aus Asche und Blut angetertist worden, eine Ansicht, welche durch die chemische Untersuchung von Klütz unterstützt wurde. Herr Helm weist nun durch seine Analyse von Urnenscherben nach, dass die hier ge- fundenen Urnen aus demselben Thon zusammengesetzt seien, wie er noch heute in der Gegend vorkommt, dass besonders die schwärzliche Farbe im Innern von schwarzem Eisenoxyduloxyd und nicht von Kohle, wie Klütz angiebt, während die rothe an der äussern Oberfläche von rothem Eisenoxyd aus unseren Thonen her- rühre, Dagegen erwies sich, dass in den Urnenscherben, deren äussere Fläche schwarz gefärbt war, die Farbe durch Verkohlung wahrscheinlich von Fett oder Oel, mit welchem der Thon vor dem Brennen bestrichen wurde, entstanden war, während eine Urne aus Strigau mit Graphit, eine andere von hier mit natürlich vorkommenden Eisenoxyd gefärbt waren. Phosphorsäure, Fett oder Harz waren aber in keinem Falle nachzuweisen, ein Ergebniss, welches jeden organischen Ur- sprung der Urnenbestandtheile entschieden ausschliesst. Auch diese Arbeit wird in den Schriften der Gesellschaft erscheinen.
Ferner berichtet Herr Helm über ein Urnenfeld in Straschin, welches derselbe in Gemeinschaft mit Hrn. Landschaftsrath Heyer untersucht hatte. Es waren dort am nordöstlichen Abhange eines Berges zwei mit grösseren platten Steinen wohlummauerte Gräber nahe unter der Oberfläche des Ackers durch den Pflug blossgelest worden, in deren jedem sechs mit Knochenasche oder Erde ge- füllte Urnen reihenweise aufgestellt waren. Ausser kleinen Broncen fand sich nichts von Bedeutung in denselben.
Hierauf erläuterte der Vorsitzende an den ausgestellten westpreussi=- schen Gräberschädeln der Sammlung die anatomischen Charaktere der reinen Typen und der Mischformen unserer Bevölkerung. Nach Hölder’s zahlreichen Unter- suchungeu wurde derdolichocephale germanische (nicht deutsche) und der brachy- cephale ligurische oder slavische Typus anatomisch geschildert, und nachgewiesen, dass die ursprüngliche, rein germanische Schädelform im Laufe des Mittelalters bis zum völligen Verschwinden immer mehr der breiteren deutschen Form ge- wichen sei, welche aus der Vermischung jener beiden reinen Typen entstanden ist. Bei dieser Gelegenheit wies der Vortragende auf ein altes Portrait von Koperni- kus an der Wand des Sitzungssaales hin, aus dessen langem, schmalem Gesicht, aus dessen spitzem, hervortretenden Kinn unläugbar folge, dass germa- nisches Blut in den Adern des grossen Astronomen geflossen sei.
Ausser den schon früher beschriebenen Schädeln des rein germanischen Typus von Krissau und Meisterswalde hat die Sammlung — Dank dem regen interesse des Herrn Landrath Mauwe — gerade aus dem Carthäuser Kreise, von Fitschkau und von Jamen her, 3 ganz gleiche Schädel aus heidnischen Gräbern erhalten, welche man nach ihren anatomischen Characteren nur auf eine alte, ger-
25
manische Bevölkerung dieser Gegend beziehen könne, eine Ansicht, welche durch die ältesten historischen Quellen in der That bestätigt wird.
Ebenso tragen eine Reihe von Gräberschädeln, welche der Verein dem Interesse des Herrn Freytag in Mewe verdankt, so ausgesprochen die Charaktere der slawischen reinen oder Mischform ansich, dass dieselben schon aus anatomischen Gründen — abgesehen von den Nebenumständen — für slawische erklärt werden mussten, Dagegen bieten zwei altpreussische Gräberschädel aus Liebenthal bei Ma- rienburg, welche Herr Davidsohn der Sammlung geschenkt, die Charaktere einer Vermischung des germanischen mit dem slawischen Typus dar, so zwar, dass sie lem germanischen näher stehen, als dem slawischen. Es führen daher auch diese, wie die übrigen bisher bekannt gewordenen Schädel aus altpreussischen Gräbern, z. B. aus Deutsch Eylau, aus Fürstenwalde bei Königsberg aus anatomischen Grün- den zu der Annahme, dass die alten Pruzzen zwischen Memel und Weichsel ein germanisch-slawisches Mischvolk waren.
Vierte Sitzung vom 13. August 1873,
Den Vorsitzende Dr. Lissauer berichtet zuerst über die Entwickelung des Vereins in dem jetzt abgelaufenen ersten Jahre seines Bestehens. Die Zahl der Mitglieder ist von 43 auf 72 gestiegen, die Sammlung ist anschnlich gewach- sen, die verschiedenen früher isolirten Forscher in der Provinz sind für die ge- ıneinsame Aufgabe gewonnen, die ersten Anfänge der Cultur zu verfolgen bis an die Quellen der Geschichte. Dieses erfreuliche Resultat darf aber nur ein Sporn sein, die bisherigen Anstrengungen zu verdoppeln. Im Namen des Vereins ersucht der Redner alle Bewohner unserer Provinz, dafür zu sorgen, dass kein vorgeschichtlicher Fund mehr der For- schung verloren gehe. Auch die Behörden bittet er, fortan alle Funde in Westpreussen und den angrenzenden pommerschen Kreisen an ihn zu melden, da er seit dem Mai dieses Jahres_Mitglied jener Commission der deutschen anthropologischen Gesellschaft geworden ist, welche die Vorarbeiten zu einer prähistorischen Karte von Deutschland übernommen hat.
Derselbe legte hierauf eine Karte des Vereinsgebiets vor, in welche er be- reits alle bisher bekannt gewordenen Fundstätten nach Art der Beigabe und der Bestattung eingetragen. Verhältnissmässig fleissig abgesucht sind die Kreise Dan- zig, Carthaus, Neustadt, die Umgezend von Marienburg und von Neustettin, — weniger alle anderen Kreise. Trotzdem bietet die Karte schon jetzt ein grosses Interesse.
Zuerst erhellt daraus, wie in den jetzigen Brüchen und Niederungen, die Stadt Danzig mit eingerechnet, kein einziger prähistorischer Fund gemacht wor- den, während die 3 Kämpen im Neustädter Kreise, die ganze Hügelkette, welche sich einerseits von Pommerellen bis nach Pommern hineinzieht, andererseits die Weichsel- und Nogat-Niederung begrenzt, schr reiche Ausbeute geliefert haben.
Als Hauptsitze der vorgeschichtlichen Bevölkerung Westpreussens marki- ren sich schon jetzt auf der Karte: 1) die Schwarzauer Kämpe von Schwarzau bis Lebsz und auf der andern Seite des Bruchs: Starzin, Redischau bis Sullitz
26
hin; 2) auf der Putziger Kämpe: Oslanin, Polchau und Rekau; 3) auf der Oxhöf- ter Kämpe: Oxhöft und Pogorsz; 4) die ganze Hügelreihe, welche sich längs der See von Redlau über Pelonken nach Danzig hinzieht, besonders die Gegend bei Oliva und der Hagelsberg, wie die Berge vor dem Neugarter Thor bei Danzig; 5) an den drei Strassen, welche heute nach Dirschau, Perent und Carthaus führen, besonders: Gischkau, Löblau, Stangenwalde, Lieesen; 6) Dirschau und west- lich davon Barroschau, dann Mewe; 7) die Umgegend von Marienburg, besonders Willenberg; 8) die Umgegend von Rheden; 9) die Gegend von Neustettin, beson- ders in der Nähe des Persanzig Sees.
Betrachtet man die Karte nach der Art der Funde, so ergiebt sich evident, dass diese Provinz auch ihre Steinzeit gehabt. Während nämlich in der Gegend von Mewe, Graudenz, Marienwerder, Culm, Thorn, Marienburg auffallend viele und schöne Waffen u. Werkzeuge aus Stein gefunden worden, sind die besser durch- suchten Kreise Carthaus, Neustadt und Danzig auffallend arm daran; in diesen sind dagegen viel häufiger die Funde aus der Bronce- und Eisenzeit.
Die Bestattung ist in diesem Gebiet besonders durch drei Arten vertreten, durch die Steinkistengräber, die Steinsetzungen und die sogenannten Wenden- gräber, alle drei entweder mit Hügeln bedecktoder in ganz ebenem, unmarkirten Boden; nur bei Seefeld im Carthauser Kreise ist ein eigentlicher Dolmen bekannt geworden. Die Wendengräber enthalten viel Eisen, selten Bronce und werden hier mit Recht den Wenden, westlich von der Weichsel speciell den Pommeranen und Kaschuben zugeschrieben, welche iu der ersten Hälfte des vorigen Jahrtau- sends die von den Germanen verlassenen Sitze einnahmen. Die Steinsetzungen enthielten, soweit die bisherigen Untersuchungen reichen, jene schmalen und lan- gen Schädel, welche dem altgermanischen Typus angehören, und fast regelmässig ein sogenanntes Saxenmesser. — Die Steinkistengräber endlich enthielten fast nur Bronce, selten Eisen und in vielen Fällen jene Gesichtsurnen, welche ausschliess- lich in diesem Gebiet und zwar nur in Steinkistengräbern, allein oder unter an- dern gewöhnlichen Urnen gefunden werden. Da nun vor Einwanderung der Wenden, nach sicheren historischen Quellen, germanische Stämme hier gewohnt haben und bei diesen sowohl die Sitte des Leichenbrandes als die der gewöhn- lichen Beerdigung herrschte, so müssen auch die Steinkistengräber aus der soge- nannten Broncezeit und die Steinsetzungen aus der ersten Eisenzeit der alten ger- manischen Urbevölkerung zugeschrieben werden. Auf jenem see- und wald- reichen pommerellischen Plateau von der Küste der Ostsee bis nach Pommern hinein lebte aber nach den ältesten Nachrichten, welche Zeuss in seinem berühm- ten Werke gesammelt hat, zwischen den Rugen im eigentlichen Pommern und den Skiren auf dem östlichen Ufer der Weichsel der germanische Stamm der Tur- cilinger, zwar im gemeinsamen Heeresverband mit seineu Nachbarn stehend, aber doch mit eigenem Stammescharakter. Und das Gebiet dieses Stammes nun ist es
ausschliesslich — die Liebenthaler Gesichtsurne nimmt auch in anderer Beziehung eine ganz exceptionelle Stellung ein — in welchem die Gesichtsurnen gefunden
werden und zwar nur in den Gräbern der Zeit, in welcher jener Stamm hier ge- lebt haben muss, | Hierauf wurden drei neue Gesichtsurnen vorgezeigt, welche in diesem Som-
DE...
mer in Steinkistengräbern auf Friedens-Au am Fusse der Pelonker Hügel gefun- den und vom Hrn. Oberinspector Krüger der Sammlung geschenkt worden sind, Besonders interessant ist es, an denselben die Vervollkommnung des Künstlers in der Darstellung der Augen zü verfolgen: an der einen sieht man nämlich nur einen einfachen Fingereindruck, an der zweiten einen kleinen Kreis, an der drit- ten endlich ein Oval annähernd von der Form des menschlichen Auges mit vielen ausbessernden Strichen daran. Eine derselben ist besonders ausgezeichnet durch schöne Ohrringe mit Perlen, durch Nasenlöcher, durch eine Haarflechte von sehr gefälliger Form und durch ein sehr reiches Örnament um den Hals und auf der Brust. Ein ganz ähnliches Ornament findet sich auch auf einer vierten Urne, welche der Sammlung schon früher angehörte, aber erst jetzt als Gesichtsurne er- kannt wurde. Eine genaue Beschreibung und Abbildung dieser vier Gesichtsurnen erscheint in den Schrif.en der naturforschenden Gesellschaft.
Herr Zywitz hatte ferner auf seinem Acker am Fusse des Carlsbergs bei Oliva ein Wendengräberfeld entdeckt, auf welchem bisher sechs Gräber geöffnet sind. Dieselben enthielten in den Urnen, welche von gewöhnlicher Beschaffenheit waren, eine Menge schr schöner Beigaben aus der älteren Eisenzeit: zusammen- gebogene Schwerter und Speerspitzen, einen Schildbuckel, mehrere Fibeln von ge- wöhnlicher und mehrere von einer ganz ungewöhnlichen Form. Wegen der Ein- zelheiten müssen wir auf die Abbildungen und Beschreibung dieses Fundes, wel- chen Herr Zywitz der Sammlung des Vereins geschenkt hat, in den Schriften der Gesellschaft verweisen.
Hierauf wurde eine menschliche Schädelhaube vorgezeigt, welche Herr Glaubitz bei Mewe 9 Fuss tief in einem Hügel gefunden hatte, auf dem auch viele Muscheln des Diluvialmeeres vorkommen: die letzteren befinden sich dort aber nach der Mittheilung des Herrn Professor Berendt nicht mehr in der ur- sprünglichen Lagerung. Der Schädel ist äusserst schmal, hat einen Horizontalin- dex von 684 bei einer grössten Länge von 19 Centimeter und reiht sich jenen dolichocephalen, altgermanischen an, welche schon oben erwähnt wurden.
Herr Mannhardt machte darauf aufmerksam, wie durch die Haar- flechte an der einen neuen Gesichtsurne auch wahrscheinlich gemacht werde, dass die Zeichnungen, welche auf den Deckeln der Urnen, auch gewöhnlicher Urnen, meist in Form von Strichen angebracht sind, ebenfalls Haare darstellen sollten. Er beschreibt ferner eine Reihe von Steinsetzungen, welche er bei Lewinno unter- sucht und denen in Stangenwalde, Krissau ähnlich gefunden habe.
Herr Helm berichtet über Steinkistengräber in Karlikau und Nenkau. In den letzteren befinden sich ausser schönen Perlen von farbigem Glasfluss auch Bronceringe, welche erchemisch untersucht und anders zusammengesetzt gefunden als die gewöhnlichen Broncen der Gräber. Dieselbe enthielt nämlich auf 92,5 Kupfer nur 6 Theile Zinn neben Spuren von Zink, Eisen und Blei. Herr Helm hebt mit Recht hervor, wie wichtig es sei, solche Untersuchungen der Gräber- bronce in verschiedenen Gegenden zu wiederholen, um die Herkunft und Fabri- kation derselben aufzuhellen.
‘Herr Schulz zeigte einen bei Ohra gefundenen schönen Steinhammer vor, Herr Lampe einen bei Gilgenburg gefundenen Steinmeissel; ebenso wurde ein
von Herrn Hoene geschenkter, bei Ellernitz gefundener, kleiner runder Stei- von der Form eines Spinnwirtels vorgelegt, welcher auf der platten Seite 2 Grun ben für die Finger und um die Peripherie herum eine Rinne hat. Herr Preuss berichtet ferner über ein Steinkistengrab, welches er bei Dirschau geöffnet; ein gleiches Grab hat Herr Scharlock jüngst in der Nähe von Rehden bei Ollen- rode untersucht und 15 Urnen darin gefunden.
Fünfte Sitzung vom 21. October 1873.
Herr Walter Kauffmann legte zuerst die zahlreichen neuen Funde vor, welche er auf verschiedenen heidnischen Gräberfeldern in der letzten Zeit ausgegraben hatte und hielt darüber folgenden Vortrag: Am 22.September hatte er in Begleitung des Herrn Stud. Haupt eine Excursion nach Marienburg unter- nommen, um das %/, Meile von dort entfernte Urnenfeld im alten Alyem, welches von Herrn Dr. Marschall schon beschrieben worden, selbst zu untersuchen. Ob- gleich auf der ganzen Strecke zwischen Marienburg und Braunswalde häufig alte Gräberfunde gemacht sind, so beginnt, doch das eigentliche grosse Todtenfeld erst hinter der Windmühle von Willenberg, und reicht bis an die Grenze von Braunswalde, längs des Nogatufers in einer Ausdehnung von ca. 6000 Fuss hin- laufend. Bekanntlich ist der Hauptfundort jetzt auf einem Sandberge hinter dem Andreas-Riedel’schen Grenzwalle gewesen, und da auf demselben mehrere isolirt stehende Sandhügel von Menschenhand noch nicht umgegraben zu sein schienen, so glaubte Redner in denselben noch am ersten Funde machen zu können; er liess deshalb die 6 grössten Hügel durchstechen, fand jedoch bis zu 6 Fuss Tiefe Nichts, nicht einmal die Culturschicht, die auf dem übrigen Theil des Berges beinahe an der Oberfläche lag, und als er später noch an 20 verschiedenen Stel- len nachgraben liess, hatte er dasselbe Resultat. Nur an einzelnen Stellen gelang es die Culturschicht aufzufinden, so am Rande einer Parowe; in dieser Schicht la- gen nun schr viele und mannigfache Urnenscherben, lie im Durchschnitt ziem- lich roh gearbeitet waren, auch keine Verzierungen zeigten. Sehr interessant war es, an dieser Stelle Fischschuppen und eine Quantität Samen in der Culturschicht selbst zu finden, da dem Redner ein solcher Fall noch nicht vorgekommen war. An einer andern Stelle fand sich in der Culturschicht zwischen Unmassen von Ur- nenscheiben ein sehr kleines, aber noch ziemlich gut erhaltenes Gefäss, das auf einem Unterscherben stand und nur wenige Fuss von diesem entfernt, ein Bronce- Armring, der auch keine besonderen Verzierungen trägt. Kurz vor dem Anfange des Sandberges fand er in einer Tiefe von 7‘ zwei Urnen, die schon in der Erde zerbrochen waren und deren eine eine Eisenfibel enthielt; in nächster Nähe fan- den sich auch verschiedene Stücke von Eisengeräthen, die isolirt in der Cultur- schicht lagen, und zum Theil auch wohl Fibeln gewesen zu sein sheinen. Un- fähr 30 Schritt von diesem Platze nach NO. hin, zeigte sich bei einer Tiefe von 3° auf der Culturschicht ein grösseres Quantum hartgebrannter Erde resp. Lehm, das eine Mächtigkeit von ca. 4—5" und einen Umfang von 4° hatte; eine be- stimmte Form dieser Masse war nicht zu erkennen, nur hatte sie rinnenförmige Eindrücke von etwa Fingerdicke, die in regelmässigen Abständen von einander entfernt waren. Da diese Stücke keine bestimmte Form haben, kann man auch
Fr
29
nicht sagen, zu welchem Zweckesie verwandt worden sind; weil jedoch die ganze Masse in der Mitte am härtesten gebrannt war, aber nach dem Rande zu immer mehr an Härte verlor, um schliesslich sich mit dem umzebenden Boden zu ver- mischen, so kam der Redner auf die Vermuthung, dass dieses ein Brandplatz, vielleicht ein Opferplatz gewesen sein könnte, und dass dann die Rinnen zum Ab- fliessen des Blutes gedient hätten. Für Herrn Kauffinann war dieser Fund von um so grösserer Bedeutung, als er in England bei Hull auf dem sogenannten Castle Hill, bei seinen damaligen Ausgrabungen des Muschelbegräbnisses auf ganz die- selbe Formation gestossen war, auch wurde er damals um so mehr zu dem Schlusse gedrängt, dieser Ort als einen Opferplatz anzusehen, als sich direct über dieser hartgebrannten Stelle verschiedene Knochen von grössern und kleinern Thieren, wie namentlich Kaninchen und kleinen Vögeln zeigte. Eine andere Meıkwürdig- keit fand sich nicht weit von dem letzten Fundorte entfernt, in einer Tiefe von 41/,—5'. Man stiess nämlich auf einige grössere Steine, und als man diese fort- räumen wollte, lagen unter ihnen nochmals Steine; allmälis legte Redner so ein vollständiges Steinpflaster von 17%/,‘ Länge, S!/,‘ Breite und 1?/,‘ Dicke frei, welches aus 2 übereinander liegenden Steinreihen bestand. Einige Zoll über dem Pflaster fing die Culturschicht an, dienamentlich an dem einen Ende sehr fest mit Kohle vermengt war, und erst unter der zweiten Steinreihe hörte dieselbe auf, um in den umgebenden gelben Sand überzugehen. Ueber den Steinen, die gröss- tentheils ungebrannte Kalksteine waren, fanden sich nun verschiedene Eisengeräthe, wie namentlich ein 71/,“ langes Messer und eine 3“ lange Klammer, beide sehr hübsch gearbeitet; ausserdem lagen noch verschiedene Stücke Eisen ohne Zu- sammenhang auf der Culturschicht umher. Ueber die oben angeführte Masse hinaus konnte man auch nicht einen Stein finden, es war der Platz wie abge- stochen.
Da Redner bei dem Graben so wenig Erfolg hatte, suchte er das Terrain auf der Oberfläche ab und fand in verhältnissmässig kurzer Zeit viele interes- sante Sachen, so 60 Urnenscherben, die sämmtlich verschiedene Verzierungen zeigten. Es ist sehr lehrreich, in den verschiedenen Mustern die Art und Weise zu verfolgen, wie dieselben in die Urne eingedrückt sind; denn einmal sind sie mit der blossen Hand u. den Nägeln eingekniffen, ein andermal mit einen spitzen In- strument eingekratzt, und schliesslich sogar mit einem förmlichen Stempel ein- gepresst. Dann fand er 49 Scherben von Siebzefüssen oder sogenannten Dalptons, in eben so grosser Mannigfaltigkeit, von denen einige sehr dünn und zierlich gearbeitet und mit sorgfältig gestochenen Löchern versehen, während andere dick und roh hergestellt sind, und grosse unregelmässig eingestochene Löcher zeigen ; nur ist es zu bedauern, dass noch kein ganz erhaltenes Gefäss dieser Art gefun- den worden. Ausserdem fand er noch 8 Steinmeissel und Hämmer, verschiedene Pfeilspitzen aus Feuerstein, 2 Polirsteinchen und 3 Mahlsteine. Nach allen oben erwähnten Funden, und so viel Redner diese Fundstätte nach ‚eigenen Untersu- chungen beurtheilen kann, glaubt er mit Bestimmtheit annehmen zu können, dass durch weiteres planmässiges Nachgraben dort im Verhältniss zu der enormen Arbeit nur wenig gefunden werden wird.
Auf eine andere, viel versprechende Fundstelle, das Rittergut Saskozin
50
übergehend, gab Redner zuerst ein Bild von der Lage der Gräber selbst. Das Gut liegt in einem Thale, dass sich von Süden nach Norden zieht und östlich und westlich von Bergrücken eingeschlossen wird. Während nun die westliche Seite viele Steinsetzungen zeigt, die Redner leider noch nicht untersuchen konnte, finden sich auf der östlichen Begrenzung des Thales viele Stein- kistengräber, jedoch wie es scheint, keine einzige Steinsetzung. Am 28. August d. J- eröffnete er in Gemeinschaft mit dem Rittergutsbesitzer Herrn Drawe eine Stein- kiste aut dem östlichen Bergrücken, in welcher 16 grösstentheils durch den Pflug zertrümmerte Urven sich befanden. Unter diesen entdeckte er zwei Gesichtsur- nen, glaubt aber aus den verschiedenen einzelnen mit Bronceringen durchzogenen Thonohren, die sich ebenfalls in der Steinkiste fanden, schliessen zu müssen, dass darin mehr als zwei Gesichtsurnen ursprünglich gewesen sind. Die grösste der beiden hat ziemlich dieselbe Form, wie die Loebszer Gesichtsurne, die Augen sind durch zwei sehr stark markirte kreisrunde Eindrücke dargestellt, doeh fehlen die Augenbraunen gänzlich. Die Nase tritt ea. ®/,“ lang hervor, hat eine mehr cy- lindrische Form, und anstatt der beiden Nasenlöcher befindet sich nur eins, einen halben Zoll tief, in der Mitte der Nase. Der Mund ist kaum bemerklich. Die Ohren sind ähnlich wie bei der Schäfereier Gesichtsurne durch angebackte Lehm- stückchen gebildet, die, wie man es an dem einen Ohre deutlich sehen kann, mit- telst eines Lehmpropfens in den Hals der Urne hineingedrückt sind. Für diese bisher nicht beobachtete Form der Befestigung sieht der Redner einen ferneren Beleg in einem Ohre, dass er in Alyem fand, welches noch deutlich den Lehm- pfropten, der beinahe %/, Zoll lang war, zeigt. Es bestätigt diese Verschiedenheit der Technik die Annahme, dass die Gesichtsurnen nicht fabrikmässig gearbeitet wurden.
Durch die Ohren sind Bronceringe mit Bernsteinperlen und einer blauen Glasperle gezogen. Auf dem Halse befindet sich ein hutförmiger Deckel, der als Verzierung acht mit dem Nagel eingedrückte Streifen hat, die vom Mittelpunkte nach dem Rande zu gehen. Die Urne ist 8!/, Zoll hoch und hat eine Halsweite von 4%/, Zoll, eine Bauchweite von 10°/, Zoll und eine Bodenweite von 6 Zoll.
Von der zweiten Gesichtsurne ist nur noch die Nase vorhanden, mit nach oben hin sich bogenförmig erweiternden Erhöhungen, welche auf die Bildung von Augenbraunen schliessen lassen.
Ferner eröffnete der Redner auf dem schon bekannten Gräberfelde am Waldhäuschen bei Oliva in Gemeinschaft mit Herrn Zywitz ein Grab, das ähn- lich dem früher beschriebenen war und eine Urne von sehr einfacher Form ohne Deckel enthielt. Im Innern derselben lagen wieder verschiedene Eisengeräthe, be- ‚sonders eine umgebogene Lanzenspitze und ein Schildbuckel, beide ganz ähnlich den früher gefundenen. Da das Feld noch bestellt war, konnte Redner leider nicht weiter graben, doch hat Herr Zywitz demselben schon freundlich erlaubt, im künftigen Herbste weitere Nachgrabungen auf diesem so interessanten Gebiete machen zu dürfen.
Schliesslich erwähnte Herr Kauffmann noch, dass er in Gr. Kletschkau drei geöffnete Steinkisten und verschiedene Urnenscherben, ebenso in Rottmanns-
dorf Scherben von 17 verschiedenen Urnen und mehrere kleine Decksteine gefun- den habe.
Hieran knüpften sich zwei Anträge. Der eine schlug vor: „die Ausgra- bungen bei Marienburg in grösserem Masse Seitens des Vereins nicht fortzusetzen und die dafür noch disponiblen Mitteln dem Vorstande der deutschen anthropolo- gischen Gesellschaft wieder zur Disposition zustellen“, dieser wurde nach einer län- geren Diskussion einstimmig angenommen. Der zweite: betraf einen Aufruf an die Bewohner Westpreussens, alle anthropologischen Funde an unsere Sammlung zu schicken und führte zu dem Beschluss, diese Angelegenheit der hatinffbischen: den Gesellschaft, welcher ja die Sammlungen des Hcheink gehören, zu unter- breiten.
Zum Schluss erstattete der Vorsitzende, Dr. Lissauer, einen kurzen Be- richt über die letzte Versammlung der deutschen anthropologischen Gesellschaft, welche vom 15. bis 17. September in Wiesbaden getagt hat. Da ein ausführli- cher Bericht über die Verhandlungen dieser Versammlung später an die Mitelie- der versandt wird, so beschränkte sich der Redner darauf, über die vorzüglichsten dort erörterten Fragen, wie über die Beweiskraft des Neanderschädels, über die einstige Verbreitung des Kannibalismus, die Unterscheidung von individuellen und Racenmerkmalen am Schädel, über die Urbevölkerung Europas zu referiren und auf die reichen anthropologischen Museen in Wiesbaden, Frankfurt und Mainz aufmerksam zu machen, welche die Mitglieder der dortiger V ersammlung gemeinschaftlich besucht hatten.
Sechsts Sitzung vom 10, Februar 1874,
Der Vorsitzende Dr. Lissauer eröffnete die Sitzung mit der Mittheilung, dass semäss den Beschlüssen des Vereins vom 21. October 1873 ein Aufruf an de Bewohner der Provinz, betreffend die Meldung und Ablieferung von prähistori- schen Funden an die Sammlung der Naturknisahenden Gesellschaft erlassen, dass ferner der von den Marienburger Ausgrabungen übrig gebliebene Rest von 100 Thlr. zu anderweitigen grössern Ausgrabungen in Westpreussen vom Vorstand der deutschen anthropologischen Gesellschaft bewilligt worden sei.
Hierauf wurden zunächst die eingegangenen Geschenke vorgelegt. Herr Pre- diger Bertling hatte eine sehr schöne polirte Feuersteinaxt, welche in Polchau, und Frau Dr. Stephany einen durchbohrten polirten Doppelhammer aus Serpentin, welcher bei Oslanin zefunden worden, Herr Helm eine kleine Feuersteinaxt aus Rügen geschenkt; Herr Scharlock hatte 4 unter seiner Leitung von Hrn. Flor- kowski in Graudenz angefertigte Gypsabgüsse von Steinwaffen aus der Graudenzer und Conitzer Gegend eingeschickt, welche für einen mässigen Preis für die Samm- lung des Vereins gekauft worden sind.
Der ae lenkte dann die Aufmerksamkeit auf eine Arbeit von Carl Rau in Newyork über die Gesichtsyasen, welche sich unter den vorhistori- schen Resten der amerikanischen Urbevölkerung befinden. Alle diese Thongefässe zeigen, obschon eine Anregung Seitens der alten Welt hier ganz sicher auszu- schliessen ist, doch eine so hohe Technik und künstlerische Auffassung in der Darstellung des Gesichts, dass wir wohl nicht mehr fürchten dürfen, zu viel Ge-
32 nie bei den Verfertigern unserer weit untergeordneten pommerellischen Gesichts- urnen vorauszusetzen, wenn wir annehmen, die Idee dazu sei in ihnen selbst ent- standen, — Ferner wurde über den Pfahlbau, welchen Herr Director Töppen im See von Lonkorreck entdeckt, referirt und aus einer grösseren Arbeit des Herrn Major Kasiski, welche in den Schriften der Gesellschaft erscheinen wird, hervor- gehoben, dass derselbe wieder zwei Gesichtsurnen gefunden und in seinen Unter- suchungen der vorhistorischen Gräber zu gleichen Resultaten für die Umgegend von Neu-Stettin komme, wie Herr Dr. Marschall für die Umgegend von Marienburg,
Darauf demonstrirte der Vorsitzende an einigen Schädeln, welche aus so- genannten Hügelgräbern in der Umgegend von Neustettin herstammen, den Cha- rakter dieses Typus. Die Skelettelagen unter grossen Hügeln beerdigt und hatten als Beigabe entweder ein kleines eisernes Messer oder Beilan der Seite oder einen eisernen Haarpfeil unter dem Kopf. Während nun einige von diesen zwölf Schä- deln ganz entschieden den Charakter der Reihengräberform zeigen, also äusserst schmal und lang sind, eine elliptische Scheitelansicht und dachförmige Hinter- hauptsansicht bieten, sind andere schon breiter und kürzer, wenngleich sie immer noch zu den Dolichocephalen gerechnet werden müssen und haben eine birnför- mige Scheitelansicht und bogenförmige Hinterhauptsansicht, während endlich noch andere Schädel einzelne Charaktere beider Gruppen in sich vereinigen. Es stimmt dieses Resultat genau überein mit demjenigen, welches Ecker in den süddeutschen Hügelgräbern von Allensbach und Sinsheim und Hölder in denen von Darmsheim gefunden, Gräber, die nach dem letzten Forscher aus einer Zeit der Vermischung einer germanischen Urbevölkerung mit brachycephalen Elementen herstammen. Wenn nun die Beigaben darauf hinweisen, dass die Neustettiner Gräberschädel der älteren Eisenzeit angehören, so machen die Schädel es wahrscheinlich, dass dieselben die Reste einer germanischen Urbevölkerung enthalten, welche in der Vermischung mit slavischen Einwanderern begriffen ist. In Betreff-der Einzel- heiten müssen wir auf die ausführliche Arbeit des Vortragenden über die preussi- schen Gräberschädel verweisen.
Herr Lehrer Pawlowski hatte einen Bericht über diejenigen prähisto- rischen Funde eingesandt, welche in der Nähe von St. Albrecht oben am Kapel- lenberge und unten an der Radaune zu Tage gefördert und von ihm sorgfältig gesammelt worden sind. Unter diesen Resten einer alten vorchristlichen Oultur, welche ebenfalls vorgelegt wurden, befanden sich mehrere Urnenscherben mit ver- schiedenen Ornamenten, ein Steinhammer, eine Waffe aus Hirschhorn, eine Spinn- wirtel aus Thon, Perlen aus Thon und Bernstein, vor Allem aber eine grosse Menge höchst interessanter Münzen aus der römischen Kaiserzeit, von Germani- cus bis Aurelian, dann sogenannte barbarische Münzen, ferner arabische Münsen, endlich Ottonen und andere Münzen aus der christlichen Zeit von unbekannter Herkunft. Da die Münzen fast alle einzeln gefunden worden, so ist es höchst wahrscheinlich, dass in der Gegend von St. Albrecht bereits im vorigen Jahr- tausend ein ausgedehnter Handel getrieben worden sei. Der Vorsitzende hatte alle Orte von Westpreussen und Posen, an denen alte Münzen gefunden worden, an der Tafel aufgezeichnet, so dass man den alten Handelsweg längs der Weichsel, auf welchem der Bernstein in vorhistorischen Zeit vertrieben wurde,
33
deutlich verfolgen konnte, Es-liegen nämlich alle diese Orte der Weichsel entlang zu beiden Seiten, mehr oder weniger nahe. Der älteste Fund ist in der Gegend von Schubin bei Bromberg gemacht, wo urgriechische Münzen (5. — 4. Jahr- hundert vor Christi) auf einen sehr alten Handelsverkehr mit griechischen Kauf- leuten hinweisen. Dann folgen römische Münzen von Augustus (bei Inowraclaw) an bis Aurelian, die im verschiedenen Orten (bei Inowraclaw, Schubin, Löbau, Marienburg, St. Albrecht, Gischkau, Schöneck) gefunden worden, also längs der ganzen Weichsel, indessen, so viel bis jetzt bekannt, nicht nördlich von St. Albrecht. Die Thatsache, dass die ältesten Münzen mehr am oberen Weichselufer, die jün- geren, wie wir sehen werden, mehr an der Küste gefunden werden, macht es wahrscheinlich, dass der älteste Bernsteinhandel mit den Völkern des Mittelmeeres den Landweg und nicht den Seeweg aufgesucht hat. Wenn man dies aber erwägt, so verliert die Ansicht, dass die pommerellischen Gesichtsurnen einer Anregung der mittelländischen Culturvölker ihre Entstehung verdanken, immer mehr an Wahrscheinlichkeit, da man diese Gefässe gerade in dem südlichen Distriet des Weichselgebiets, mit welchem doch der Verkehr am frühesten angeknüpft worden, nicht mehr findet.
Nun tritt eine Pause von mehr als einem Jahrhundert ein, aus dem keine Münze hergekommen zu sein scheint, wenn man nicht einige sogenannte barba- rische Münzen dieser Zeit der Völkerwanderung, also wahrscheinlich des völlig unterbrochenen Handelsverkehrs zuschreiben will. Dann fulgt eine grosse Behr byzantinischer Münzen, welche das ganze 5. Jahrhundert bis in das ee hin- ein vertreten und von einem en Handel mit dem alten Byzanz Zeug- niss ablegen. Dieser Handel scheint aber schon den Seeweg eingeschlagen zu haben: wenigstens sind nicht nur im Lande bei Schwetz und Pelplin, bei Marien- burg, sondern auch an der heutigen Ostseeküste bei Putzig, Brösen, viele solche Münzen gefunden worden.
Wieder eine Pause von zwei Jahrhunderten, aus denen die Funde kein Zeugniss einer Handelsverbindung unserer Provinz mit auswärtigen Völkern er- geben. Dann aber beginnt mit den vielen arabischen Münzen aus dem 8. und 9. Jahrhundert, welche besonders längs der Küste (Stegen, Oliva, Putizg) und an dem untersten Weichselgebiet (Kahlbude, St. Albrecht) zahlreich gefunden worden, also vorherrschend durch den Seehandel hergekommen sein dürften, eine ununter- brochene Reihe von Zeugnissen eines regen Handelsverkehrs der westpreussischen Küste mit fremden Völkern, welche Hlevch angelsächsische Münzen und Ottonen bis in die historische Zeit hinein sich kürze.
Herr Dr. Mannhardt knüpfte hieran eine Mittheilung über einen Fund von 700 römischen Münzen, welcher im Jahre 1871 bei Goschin gemacht und tbeilweise eingeschmolzen worden. Soweit der erhaltene Vorrath untersucht wor- den, ergab derselbe Geldstücke in ziemlich fortlaufender Reihe von Nero bis Ca- racalla.. Die Geschichte dieses Fundes wurde von den Herren Helm, Stumpf, Bertling und Kauffmann bestätigt und ergänzt.
Herr Bertling sprach, an die ämerilcintachen Gesichtsvasen anknüpfend, die Meinung aus, dass Er Bildung von Gesichtsurnen wohl die allgemeine, bei
den rsckiädenkten Völkern RENTEN Idee zu Grunde liege, dass die Seele des 3
54
Verstorbenen gleichsam in das Gehäuse, welches die Urne darstelle, zurückkehre, daher das Gesicht an dem Gefässe gleichsam die Persönlichkeit dessen darstelle, dessen Asche darin aufbewahrt werde. So zeigten die amerikanischen Gefässe zum Theil ganz entschiedene Porträts; auch bei den pommerellischen Gesichts- urnen habe er bemerkt, dass die mit weiblichem Schmuck versehenen auch reichere Haarzeichnungen besitzen, als die andern einfacheren; in Böotien seien ferner in den Gräbern Statuetten gefunden worden, die wahrscheinlich bezeichnen sollten, wer darin begraben ist. Er glaube daher, dass die bei den verschiedensten Völ- kern selbstständig entwickelte Kunst, Gesichtsurnen zu verfertigen, auf jene allge- meine Idee zurückzuführen sei. Der Vorsitzende erwiderte darauf, dass die amerikanischen Gesichtsvasen nur als Trinkgefässe benutzt seien und auch die ägyptischen Kanopen nur theilweise die Reste der Verstorbenen enthielten, dass Gefässe, welche unsern Gesichtsurnen ganz analog sind, bisher nur noch aus der Umgegend von Mainz her bekannt worden sind.
Hierauf hielt Herr Dr. Mannhardt einen Vortrag über Menschen- und Thieropfer bei Neubauten.
Ausgehend von der Sage, dass nach dem Nogatdurchbruch von 1463 der immer wieder zusammenstürzende Damm durch Hinabwerfen eines Bettlers in die Baugrube haltbar gemacht sei, wies er nach, dass sich in vielen deutschen Landschaften, aber auch in Schottland, Serbien und andern Ländern an Deiche, Brücken, städtische Ringmauern, Burgen und Kirchen die Erzählung knüpfe, dass sie beim Aufbau so lange wieder und wieder einfielen, bis man, um ihnen Festig- keit und die Eigenschaft der Uneinnehmbarkeit mitzutheilen, einen Menschen, zu- meist ein unschuldiges Kind, in den Grund vergrub oder vermauerte, oder mit dessen Plut den Grundstein netzte. Noch 1843 bei Erbauung der Elisabethbrücke in Halle a. S. und bald darauf bei Errichtung der Eisenbahnbrücke über das Göltschthal in Reichenbach trug sich das Volk mit dem Gerücht, ein derartiges Menschenopfer habe stattgefunden. Gewöhnlich malt sich die Sage mit rühren- der menschlicher Theilnahme die letz’en Worte und Handlungen des unschuldigen Opfers aus und übt poetische Gerechtigkeit an den hartherzigen Vollstreekern des grausamen Brauches. Statt der Menschen treten in Skandinavien Thiere ein, die der Sage nach in den Grund der Kirchen eingesenkt (in Dänemark unter dem Namen Kirkevarsle, in Schweden unter demjenigen der Kyrkogrime) als Schutz- geister vorbedeutend, warnend und wehrend die Stätte umschweben. Der damit verbundene Volksglaube, dass bei unterlassenerEiugrabung des Thieres dass erste in der Kirche getaufte Kind sterben müsse, weist auf die Vorstellung‘ zurück, dass jenes Thieropfer nur ein Ersatz für die Versenkung eines Säuglings sei. In unserer Provinz bezieht noch jetzt mancher Masure kein neu gebautes Haus, ohne zuerst einen Hund oder eine Katze in die Stube zu werfen, oder einen frisch ge- schlachteten Hahn hindurch zu tragen, weil das erstelebende Wesen, das den Neu- bau betrete, sterben müsse. Aus diesem in vielen Gegenden Deutschland’s ver- breiteten Brauch und Glauben erklären sich mannigfache interessante Sagen und Schwänke Im Mittelalter mauerte man noch wirklich Thiere oder Menschan ein, wahrscheinlich die Leichen kürzlich Gestorbener, wie u. A. die in neuerer Zeit unter der Blackfriarbrücke in London gefundenen Thier- und Menschenknochen, in
Stadtmauern, Kirchen- und Burgmauern mehrfach zu Tage kommenden Skelette, oder Kindersärge mit Gebeinen beweisen; mit der Zeit hat man rein symbolisch leere Särge in die Mauern eingeschlossen oder blosse unausgefüllte Nischen in den- selben angebracht. So fand sich durch Milderung in der Praxis und durch Mit- leid mit dem Opfer das christliche Gewissen mit dem uralten Brauche ab, dessen alter Ritus daneben in der Volkssage festgehalten, Vollziehung an lebenden Per- sonen forderte. In Albanien (Skutari), wo auch bei Brückenbauten noch ein Dutzend Schafe zur Unterlage für die Pfeiler geschlachtet wird, sind wirklich noch 1865 muhamedanische Maurer in flagranti bei dem Versuche ertappt, zwei Christenkinder in das Fundament des Blockhauses von Duga einzumauern.
Somit weisen jene Sagen auf einen realen barbarischen Brauch zurück, der einst eine vollbegründete Stelle im Leben der europäischen Völker selbst hatte, aber weder aus der Weltanschauung, noch den Zuständen ihrer christlichen Zeit, noch aus demjenigen ihrer zunächst zurückliegenden heidnischen Entwickelungs- stufe erklärlich ist, sondern ähnlich den rudimentären Bildungen im thierischen Organismus Ueberlebsel einer vonihnen einst durchgemachten Phase des geistigen Lebens sein muss, welche dem Zustande der wilden Naturvölker entsprach. Ein sicherer Beweis dafür ist, dass bei verschiedenen wilden oder halbeivilisirten Na- tionen aller Welttheile (bei den Dayaks auf Borneo, den Alfuren auf den Moluk- ken, in Birma, im Pendschab, in Japan, Senegambien, Oberguinea, Sudan, Poly- nesien, Neugranada u. s. w.) sich Menschenopfer als Unterlage der im Bau begrif- fenen grösseren Häuser, Festungen, Tempel oder Deiche entweder noch bis heute in allgemeiner, durch die Religion gebotener Uebung erhalten haben, oder erst in neuerer Zeit abgeschafft, oder durch Thiere ersetzt sind. Zugleich geht aus dem Vergleiche dieser Bräuche mit ihren europäischen Schwesterformen mit Sicherheit hervor, dass man dabei keinesweges eine Versöhnung der Geister des Bodens, oder der Erde, weil dieselbe ungewohnte Last tragen soll, bezweckte, sondern, dass man gemeint hat, der vermauerte oder vergrabene Mensch (Thier) resp. seine Seele lebe als schützender, den Bau tragender und behütender Dämon in demsel- ben fort. Es ist dies das Bruchstück einer ganz primitiven Weltanschauung, welche noch nicht einmal Götter kannte, doch den Geistern der Verstorbenen übernatür- liche Kräfte beimass.
Siebente Sitzung vom 22. April 1874.
Zuerst wurden die neu eingegangenen Schriften und Geschenke vor-
Aus Copenhagen waren die Memoiren der Societe royale des antiquaires du Nord, welche wahrhaftig künstlerisch ausgestattet sind, eingegangen; aus Mo- dena die kraniologischen Arbeiten des Secretärs der dortigen Societä dei Natura- listi, Dr. Morselli; aus Stockholm endlich die Einladung zum Besuch des interna- tionalen anthropologischen Congresses, welcher Anfangs August dort tagen wird. Herr Geh.-Rath Abegg hierselbst hatte eine sehr schöne, polirte Axt aus weissem Feuerstein, welche er selbst auf Rügen gefunden, und Herr Landschaftsrath Heyer-
Straschin 2 Urnen (aus einer Steinkiste) geschenkt, deren eine durch ein zierli- 3*
/
36
ches Ornament um Hals und Bauch und durch mehrere bronzene Ohrringe mit schönen Perlen aus Bernstein und farbigen Glasflüssen ausgezeichnet ist.
Herr Fiebelkorn-Warmhof hatte ferner für die Einzeichnung in die prä- historische Karte des Vereins den Abdruck einer Münze eingesandt, welche in der Nähe von Pelplin gefunden worden: die Münze selbst ist nach der Bestimmung des Herrn Professor Röper ein Vespasian. |
Hierauf erstattete der Vorsitzende Dr. Lissa uer Bericht über das Grä- berfeld bei Münsterwalde. Gegenüber von Marienwerder auf einem der Hügel, die das westliche Ufer der Weichsel begleiten, liegt das Dorf Münsterwalde, südlich von Mewe und östlich von Bielsk, 3 Orte, welche durch inseressante vorhistori- sche Funde in der Sammlung des Vereins schon vertreten sind. Auf den soge- nannten Pfarrhufen von Münsterwalde befindet sich, nicht weit von der jetzigen Kirche, ein Feld, welches schon als heidnischer Begräbnissplatz bekannt war, da man beim Pflügen auf sehr viele zertrümmerte Urnen und deren zerstreuten In- halt gestossen war. Anfangs März nun wurden auf diesem Felde Steine ausge- graben und bei dieser Gelegenheit abermals 3 Gräber geöffnet.
Das erste enthielt eine Urne ausschlecht gebranntem Thon, von kopfgros- sen Steinen umstellt, mit Knochenasche und einer broncenen Schnalle von der Form, wie dieselbe bisher nicht in unserer Provinz gefunden worden ist. Es ist nämlich eine viereckige Doppelschnalle mit strichförmigen Verzierungen.
Das zweite Grab enthielt, ebenfalls von 3 kopfgrossen Feldsteinen umstellt, eine Urne aus Bronce mit Knochenasche, einem Stück zusammengeschmolzenen Goldes, einem Stück zusammengeschmolzener Bronce, einem Sporn- oder Helm- buckel aus Bronze und mehreren kleinen Stücken Bronze, von denen eins der Art auf den Rand der Urne passt, als ob es von dem Deckel derselben herrühte. Die Urne selbst ist getrieben, von gefälliger Kesselform und durch schöne paral- lele Wellenlinien verziert, welche abwechselnd concav und convex gearbeitet sind; der Boden zeigt kreisförmige Verzierungen, wie von der Drehscheibe und in der Mitte einer-rauhen Stelle, wie von einem abgebrochenen Zapfen. Auf dem obern umgebogenen Rand der Oeflnung ist an zwei gegenüberliegenden Stellen noch deutlich Zinnloth zu erkennen, als wäre dort ein Ohr angelöthet gewesen. Die ganze Urne ist von edlem, schönen Rost bedeckt.
Bei der relativen Seltenheit von Bronceurnen überhaupt und bei dem gänz- lichen Mangel derselben in den Sammlungen unserer Provinz speziell musste die- ser Fund das grösste Interesse erregen. Es sind besonders in den skandinavischen Ländern und in Mecklenburg wiederholt Broncegefässe von sehr schöner Arbeit in den Gräbern und Mooren gefunden worden; allein eine wirklich zur Beisetzung der Reste des Leichenbrands benutzte Urne aus Bronce gehört selbst in jenen Ländern zu den Seltenheiten. Wir müssen nun über die Stellung, welche gerade diese Urne unter den prähistorischen Funden einnimmt, auf die ausführliche Ab- handlung und Abbildung verweisen, welche der Vortragende in den Schriften der naturforschenden Gesellschaft veröftentlichen wird; hier wollen wir nur noch auf die spornähnliche Beigabe aus dieser Urne aufmerksam machen.
Auch in einem dänischen und mehreren mecklenburgischen broncenen Ge- fässen, besonders den sogenannten Hängeurnen, wurden Beigaben aus Bronce ge-
37
funden, welche mehr oder weniger einem Helmbuckel oder einem Helm ähnlich sehen und die verschiedenste Deutung erfahren haben, bis man durch die Häu- figkeit, mit welcher gerade in den Urnen aus Bronce solche Buckel gefunden werden, daraufaufmerksam gemacht wurde, dass dieselben mit der Urne selbst in einem nothwendigen Zusammenhange stehen. In der That ist es wahrschein- lich gemacht worden, dass dieselben bei den Hängeurnen zum Verschluss dersel- ben mitwirkten und daher ist auch bei der Münsterwalder Urne daran zu erin- nern, dass die dem Helmbuckel ähnliche Beigabe vielleicht mit dem Deckel in Verbin- dung gestanden habe, eine Frage, welche nur durch weitere glückliche Funde entschieden werden kann.
Herr Hauptmann v. Flutow machte nun darauf aufmerksam, dass der Boden des Gefässes gegossen, abgedreht und in die Urne, welche selbst getrie- ben, wie aus den deutlich zu erkennenden Hammerschlägen zu ersehen, einge- setzt sei.
Das dritteGrab, welches die Arbeiter eröffneten, enthielt ein unverbrann-
tes Skelett, in gestreckter Lage, in einer Tiefe von 6 Fuss der Art, dass der nach Norden gerichtete Kopf auf einem sehr grossen Stein ruhte, welcher erst gesprengt werden musste um fortgeschatft werden zu können, während der übrige Körper mit einem sehr grossen Haufen von kleinen Steinen bedeckt war. Der Finder zerschmetterte den Schädel leider sofort, so dass aus den Trümmern nur das Hin- terhaupt und die Seitenwände des Mittelhauptes wieder vollständig zusammenge- stellt werden konnten. Von Beigaben ist nichts erhalten; doch sind die Schädel- knochen so stark mit Kupfersalzen imprägnirt, dass dieselben ursprünglich wohl mit einem Schmuck aus Bronce (Reifen) beerdigt sein müssen. Eine nähere Be- ‚stimmung des Schädel ist wegen Mangels aller sicheren Messungspunkte nicht möglich; nur so viel lässt sich aus dem steilen Hinterhaupt erkennen, dass er nicht dem Reihengräbertypus angehört: dagegen beweist der 49 Ctm. lange, gut erhaltene Oberschenkelknochen, dass das Skelett von einem sehr grossen Men- schen, nach den Burmeister’schen Verhältnisszzahlen etwa 5 Fuss 10 Zoll her- stamme.
Was nun das Alter dieser Gräberfunde anbetrifft, deren Erhaltung über- haupt dem Ortsvorsteher Herrn Lachmanskyin Münsterwaldezu verdanken, deren wissenschaftliche Verwerthung nur durch das lebhafte Interesse des Herrn Ge- richtsdirectors Wetzki in Marienwerder für die Bestrebungen des Vereins möglich geworden ist, so lässt sich eine Jahreszahl natürlich nicht dafür angeben. Der Umstand aber, dass das ganze Gräberfeld auf den Pfarrhufen in der Nähe der Kirche liegt, dass ferner ein unverbranutes Scelett, in heidnischer \Veise beerdigt, unter den Gräbern mit Leichenbrand gefunden worden, macht es wahrscheinlich, dass das Gräberfeld bis in die Anfäuge der christlichen Zeit benutzt worden ist. In dieser Uebergangsepoche geschah es nämlich häufig, dass die Leichen, welche nach dem Gebot des Christenthums nicht verbrannt, sondern in der Nähe der Kirche beerdigt werden sollten, zwar nicht mehr verbrannt, aber doch von dem im Herzen noch heidnischen Volke heimlich nach der Sitte der Väter beerdigt wur- den während in den nächst vorangehenden Jahrhunderten Leichenbrand herrschte. Auch die Art der Urnenbeisetzung, ohne Steinkisten, nur von einigen Kopfstei-
38
nen umstellt, spricht dafür, dass dieser Kirchof ein sogenannter Wendenkirchhof sei, also aus der slavischen Zeit herstamme, wenngleich nicht bestimmt werden kann, wie weit dieselbe zurückreichtt Daraus, dass bisher nur Beigaben von Bronce dort gefunden, folgt durchaus nicht, dass die Gräber bis in die Bronce- zeit zurückreichen, da Bronceschmucksachen bis tief in das jetzige Jahrtausend binein benutzt worden, und Broncewaffen dort nicht aufgedeckt sind. Uebrigens haben die Mitglieder des Vereins, die Herren Mediz.-Rath Dr. Pianka und Leh- rer Wacker in Marienwerder, welche den Vortragenden bei den Ausgrabungen in Münsterwalde persönlich unterstützten, in Aussicht gestellt, diese interessante Stätte im-Laufe des Sommers weiter zu erforschen.
Nach einer kurzen Discussion über das Alter des Kirchhofs berichtete Herr Walter Kauffmann über seine neue Ausgrabungen. An seinen letzten Vortrag vom 21. October 1873 anknüpfend, beschrieb er zuerst eine merkwür- dige Steinkiste, welche erin Saskoczin aufgedeckt. Während diese Kisten gewöhn- lich aus vier Seitenplatten, 1 Boden- und 1 Deckplatte bestehen, hatte diese 4 Decksteine, und zwar der oberste beinahe kreisrund und 3—3!1//‘ im Durchmes- ser; unter ihm lagen nun drei andere Decksteine, die nur gespalten, aber nicht rund behauen waren. Die ganze Kiste hatte dieRichtung von Norden nach Siden und war 2%/,‘ lang und 2° breit. Hart an der nach Süden gelegenen Steinplatte standen zwei sehr schöne, schwarze, beinahe glasirt erscheinende Urnen, die beide mit Deckeln versehen waren; eine derselben war eine Kinderurne, wie nicht nur aus den Dimensionen der Urne selbst, sondern auch aus den in der- selben enthaltenen dünnen Knochen zu ersehen ist. Die grössere Urne, die eine Höhe von 8%, eine Bauchweite von 9/g“, eine Halsweite von 5“ und eine Bodenweite von 4° hat, zeichnet sich besonders durch die schönen Verzierungen aus, welche unterhalb des Halsschmuckes, rings um den Bauch der Urne laufen. Dieselben bestehen aus 7 sich wiederholenden Figuren, von denen zwei durch eine eigenthümliche Zeichnung unterbrochen sind, welche eine gewisse Aehnlich- keit mit der Zeichnung eines Gesichtes hat. In der Urne waren weder Bronze- noch Eisenüberreste zu finden. Die Kinderurne ist von gefälliger Form und hat eine Höhe von 4, eine Halsweite von 31/4“, eine Bauchweite von 5°/;, und eine Bodenweite von 2”; um den Hals laufen zwei parallele Streifen, unter denen sıch ein Kranz von kommaartigen Punkten befindet. — Eine zweite Exeursion nach Alyem, die derselbe am 31. Januar 13874 machte, führte zu mehreren interessan- ten Funden, die deutlich zeigen, auf welche Weise die erhabenen Verzierungen auf den Urnen hergestellt sind. Es fanden sich nämlich 4 Stücke, theils von dem Halse der Getässe, theils von deren Verzierungen, welche beweisen, da:s die Verzierungen um den Hals der Urne angeklebt, und nicht aus der Uınenmasse selbst geformt sind. Ausserdem fand Redner noch eine sehr fein geschlagene Feuersteinpfeilspitze, einen Theil eines Steinhammers und einen Stein mit einer merkwürdig ausgeschliffenen Seitenfläche, als ob sie zum Poliren von Steinhäm- mern gebraucht worden sei. Urnenscherben fanden sich wieder in grosser Menge, doch alle mit den schon bekannten Mustern.
Von Herrn R. Saltzmann erhielt Herr Kauffmann eine Urne, die im Herbste 1873 bei Oliva in einer Steinkiste 2 Fuss unter der Oberfläche gefunden
3)
worden. Die Urne ist von gelblich brauner Farbe und durch ihre Form beson- ders ausgezeichnet. Ein Urnenfeld von scheinbar grösserer Ausdehnung hat Red- ner am 19. April 1874 in Rottmannsdorf, einem Rittergute, das !/, Meile von Praust nach der Höhe zu liegt, aufzudecken angefangen. Sich auf seinen letzten Vortrag zurückbeziehend, gab er zuerst ein Bild von der Lage des Rittergutes, und beschrieb dann seine letzte Excursion. Er stiess nach längerem Suchen mittelst eines Erdbohrers circa 1 Fuss unter Oberfläche auf eine Steinkiste, welche vom Pfluge bereits sehr beschädigt war. Dieselbe lag von Süden nach Norden, hatte eine Länge von 2° 7° und eine Breite von 1° 7, war aus 4 je 6“ starken und nicht gespaltenen Steinen zusammengesetzt. Die Urnen waren durch den herein- brechenden Sand und die Steine sämmtlich zertrümmert, doch konnte man noch die Scherben von 8 Gefässen von gelblicher, brauner und auch schwarzer Farbe deutlich unterscheiden; im Allgemeinen zeigten sie alle eine primitive Technick, Die meisten hatten Deckel in Mützenform gehabt, die mittelst sehr flacher Rillen in den Hals der Urne hineingriffen. Jenseits des nach Norden liegenden. End- steins der ersten Kiste weitergrabend, fand Redner, dass derselbe nur eine Schei- dewand von der folgenden Kiste sei, die auch leider stark beschädigt war. In derselben standen 4 zerbrochene Urnen von glänzend schwarzer Farbe und mit reichen Verzierungen. Während 2 dieser Urnen durch und durch eine schwarze Farbe zeigten, war die Grundmasse der anderen von röthlich brauner Farbe und ziemlich grobkörnig; auf diese war als eine dünne Schicht die schwarze Masse, welche die Verzierungen zeigt, aufgetragen, und blätterte bei der geringsten Be- rührung sofort ab. Beim Bloslegen des Halses der einen Urne fand Redner einen Bronceschmuck, welcher durch ein ganz kleines Ohr auf der linken Seite durch- gezogen war, und in unserer Gegend noch nicht in solcher Form gefunden wor- den ist. Es hängt in einem grösseren Ringe von 3/4” im Durchmesser ein klei- nerer von */,“, auf den 2 Bruncekettchen von 4“ Länge aufgezogen sind. Die beiden Ketten bestehen aus 29 Gliedern, am Ende einer jeden befinden sich 1” langes, 1—2 Linien dünnes und !/,“ breites Bronceplättchen (sogenannte Klap- perbleche), ein eben solches ist an einer Kette am 22. Ringe vermittelst eines Sei- tenringes angebracht. Auf der rechten Seite fand sich ein eben solcher Schmuck, nur hatte dieser bei derselben Länge 32 Glieder, und war das eine Plättchen am 25. Ringe befestigt. Von einem Ohr zum andern gehend, fand sich noch eine Schnur von 21 Bronceringen, die je !/,“ lang und !/;“ breit sind, und hinten in dünne übereinandergebogene Enden auslaufen, während der vordere Theil brei- ter und stark gebaucht ist. In den einzelnen Ringen fanden sich noch die Ueber- reste einer verkohlten Lederschnur, auf welche dieselbe aufgezognn waren. Ausser diesen ‚beiden Steinkisten wurden noch zwei andere geöffnet, die jedoch nur zerbrochene Urnen hielten. Im Ganzen waren '20 Urnen in diesen vier Kisten,
Eine Excursion nach dem Prangenauer Schlossberge führte zu keinem Resultate. Sodann beschrieb Herr Kauffmann noch die fünf Gesichtsurnen aus dem Stadtmuseum, welche, mit den gewöhnlichen Urnen zusammen, durch gütige Vermittelung des Herrn Geheimrath v. Winter in die Sammlung des Vereins ge- kommen sind. Von dreien derselben ist leider der Fundort ganz unbekannt, die
40
vierte soll aus Pogorsz stammen, und nur von der fünften weiss man genau, dass sie in Warmhoff bei Mewe gefunden ist.
Herr Dr. Marschall machte auf eine Gesichtsurne aufmerksam, welche von Büsching noch in den zwanziger Jahren dieses Jahrhundertsin Bielsk gesehen und beschrieben worden und seitdem verschollen ist. Dieselbe hatte Verzierun gen von Menschen- und Thierköpfen, beweise also einen gewissen Fortschritt in der Fabrikation der Gesichtsurnen; es sei Aufgabe des Vereins über den Verbleib dieser Urne weitere Nachforschungen zu veranlassen., Herr Schück bemerkt, dass bei Hainau in Schlesien Urnen in Vogelform aufgedeckt seien, welche auf dasselbe Motiv, wie die Gesichtsurnen, nämlich auf einen religiösen Cultus zurück- zuführen sein dürften; eine weitere Ausführung dieser Idee behalte er sich übri- gens für die nächste Sitzung vor.
Herr Dr. Marschall erinnert ferner daran, dass derselbe Büsching sei- ner Zeit noch in Königsberg kleine Thonfiguren mit Glasüberzug, sogenannte Por- zellanverglasungen, gesehen habe, welche in alten preussischen Grabhügeln gefun- den sein sollten, jetzt aber in keinem der dortigen Museen mehr vorhanden sind. Diese kleinen Figuren gleichen durchaus denjenigen, welche in den Särgen ägyp- tischer Mumien gefunden werden. Herr Marschall legte nun eine solche Fi- 'gur aus geschnitztem Feuerstein vor, welche aus einem Grabe aus der Gegend von Divenow herstammt und von einer sehr vorgeschrittenen Technick Zeugniss ablegt.
Achte Sitzung vom 9. Juli 1874.
Aus dem Bericht, welchen der Vorsitzende am Ende seiner zweijäh- rigen Geschäftsführung erstattete, entnehmen wir, dass der Verein sich sehr gün- stig entwickelte. Der Umstand, dass von den 94 Mitgliedern, welche der Verein jetzt zählt, viele ansserhalb Danzig’s, in den verschiedenen Städten Westpreussens und der angrenzenden Provinzen wohnen, machte esmöglich, jene Aufgabe, welche sich der Verein gestellt, die vorhistorischen Verhältnisse Westpreussen’s zu erfor- schen, erfolgreich in Angriff zu nehmen, zumal gerade von den auswärtigen Mit- gliedern viele selbstthätig sich an der Lösung jener Aufgabe betheiligten.
Nachdem nun Dr. Lissauer abermals auf 2 Jahre zum Vorsitzenden gewählt worden, legte derselbe die neu eingegangenen Geschenke vor. Auf An- regung des Herrn Dr. Marschall in der vorigen Sitzung hatte sich Herr v. Kries in Biesk nach der von Büsching gesehen Gesichtsurne erkundigt: die in Folge dessen von dort hergeschickten Urnen zeigten indess nur den Charakter der Urnen aus den sogenannten Wendengräbern, von jener Gesichtsurne wusste man dort nichts mehr.
Aus Leipzig wurde der erste Bericht des Museums für Völkerkunde vor- gelegt, aus Schneidemühl der Bericht des Herrn Baurath Crüger über die Al- terthümer in der Provinz Posen, ein Bericht, welcher für die prähistorischen Be- ziehungen Westpreussen’s zu Posen von grosser Wichtigkeit ist. Herr Flor- kowski in Graudenz hatte ferner einen interessanten Bericht über Ausgrabun- gen eingesandt, welche derselbe im Mai d. J. im Schwetzer Kreise in Kommerau unternommen hatte.
41
Das Dorf Kommerau, welches 1855 durch das Hochwasser des Weichsel- eises stark Schaden erlitt, baute sich aus dem Ueberschwemmungsgebiete des Stro- mes weiter westlich so hoch an den baltischen Höhenzug hinauf, dass es vom Hochwasser nicht mehr erreicht werden kann, und nur 2 Bssitzer verblieben auf der alten Stelle mit ihren Häusern.
Zwischen diesen beiden Theilen des Dorfes befindet sich, nordwärts ausserhalb der Wohnstätten, der jetzige Dorfkirchhof auf einem schwach kegelförmigen Hü- gel, der sich in seinem Gipfel noch nicht voll 4,, M. über die Niederungsebene erhebt. Von diesem Kirchhof erstreckt sich nach Süden hin ein kleiner O,,, bis 0,5; M. hoher Wall, an dessen Nordende eine aus Platten von groben dunkelro- then Sandsteinen zusammengesetzte Steinkiste in Gestalt eines länglichen Vier- eckes sich befand, 2,, M. lang, 0,3, M. breit und O,,, M. hoch, in der Längen- richtung von Süd nach Nord gelegen, mit 7 Platten jenes Gesteins und darüber noch etwa 0,, M. hoch mit Erde überdeckt, die eben zum Kartoffelpflanzen ge- pflügt war. Diese Kiste war voll von Weichselschlick, nach dessen vorsichtiger Ent- fernung man auf dreizehn dicht nebeneinander stehende mit schaalenartigen De- ckeln bedeckte Krüge stiess, zwischen diesen noch auf ein ganz kleines offenes Henkeltöpfchen, welches in einer, die Hohlseite nach oben gewandten grossen Deckelschaale stand. Sämmtliche dreizehn Krüge bestanden aus je einem äussern offenen Gefässe in welchem ein inneres zugedecktes stand, -dass Knochenasche, Sand und Schlick enthielt. Von den innern liessen sich nur vier Krüge ohne Deckel, von den äussern gar keine erhalten. Von Beigaben fanden sich nur in einer Urne geplatzte blaue Glasperlen und eine kleine etwa erbsengrosse Thon- perle mit einem Stückchen Broncedraht. Alle Urnen waren aussen rauh, innen geglättet und ohne alle Verzierung mit vielen Glimmerblättchen durchsetzt und offenbar aus freier Hand geformt. Die äusseren Krüge standen je auf einem Scherben von rothem Sandsteine, die inneren Knochenkrüge dagegen unmittelbar auf dem Boden der äusseren.
Die zuerst von der Schmalseite des Südendes fortgenommenen Steine reichten mit ihren Unterkanten nicht ganz so tief als die andern Seitenwände der Kiste und es scheint von hier aus die allmälige Füllung der Kiste mit Krügen stattgefunden zu haben. Es ist nun jedenfalls interessant zu constatiren, dass hier sämmtliche Urnen einer Steinkiste noch in einem äusseren grösseren Kruge, (viel- leicht als Schutz vor den Wirkungen der möglichen Weichselüberschwemmungen) gestanden haben, eine Bestattungsart, wie sie bisher nicht beschrieben worden ist. Die Besitzer, Herr Görtz und Herr Crüger, erzählten von ähnlichen Funden, die an derselben Stelle von ihnen gemacht wurden, von denen nur ein kleiner eiser- ner Ring im Besitz des Herrn Florkowski erhalten ist. Alle drei Herren wollen im Herbst die Untersuchung dieser interessanten Gräberstätte fortsetzen. Bei der Discussion machten die Herren Schimmelpfennig und Steimmig darauf aufmerksam, dass diese Gräber wohl aus einer Zeit herrührten, in welcher
_ das Weichselbett noch viel tiefer lag, als heute, die Ufer also nicht bis zu der- selben Höhe wie heute der Ueberschwemmung ausgesetzt gewesen seien, da die Bewohner sonst sicher nicht die Gebeine ihrer Todten dort beigesetzt hätten, Im
Be. > Allgemeinen wurde constatirt, dass die ganze Bestattungsweise eine bisher unbe- kannte sei und weitere Erforschung verdiene.
Herr Helm legte hierauf einige Feuersteinspitzen vor, welche Herr Radtke auf Titzow bei Belgrad gefunden und referirte dann über die Seitens einiger Mitglieder der anthropologischen Gesellschaft kürzlich unternommenen Ausgra- bungen im Kreise Carthaus. Dieser mit zahlreichen Seen, Wäldern und hohen Bergen ausgestättete Kreis ist sehr reich an alten Grabstätten und mancher Fund- gegenstand aus vorhistorischer Zeit bringt Kunde von den Sitten, Gebräuchen und dem Culturzustande der alten Bewohner desselben. Wie schon eine Expe- dition vor zwei Jahren, welche dem westlichen Theile dieses Kreises galt, darthat, sind es namentlich hoch gelegene mit Strauch überwachsene Steinkistengräber, welche zahlreich bei einander legend hier vorkommen. Es sind bekanntlich von flachen Steinen gebildete Grabkammern, von denen jede ein bis sechs thönerne Urnen enthält. Solche Gräber wurden auch diesmal wieder bei dem Gute Maxen in der Nähe des grossen Radaunesees aufgedeckt; sie förderten eine Zahl grösse- rer und kleinerer mit IKnochenresten, Asche und Sand gefüllter Thongefässe zu Tage, von denen zwei unversehrt blieben und der Gesellschaftssammlung einver- leibt wurden ; die eine besitzt zwei Henkel, sonst wurde weder an der Aussenseite ein Ornament, noch im Innern derselben ausser dem gewöhnlichen Inhalt irgend eine Beigabe aufgefunden.
Interessanter war ein Fund, welcher unmittelbar an der Grenze eines derartigen Steinkistengrabes aus der Erde gehoben wurde, nämlich ein bearbei- teter Granitstein von O,,, Meter Länge, O,,, Meter Höhe und 0,;, Meter Breite. Dieser Stein ist tief trogföürmig ausgehöhlt und hat wahrscheinlich ehedem als Opferstein oder als Mablstein für Kornfrüchte gedient; mehrere runde Steine, welche als Handhabe zu dem letzteren Zwecke geeignet erschienen, wurden be- reits andernorts gefunden. Von dem Besitzer des Gutes Maxen wurde noch ein runder flacher 32 Centimeter breiter, in der Mitte mit einer viereckigen Durch- bohrung versehener Granitstein herbeigeholt, welcher 3 Meter unter der Erd- oberfläche beim Kiesgraben gefunden wurde. Aus Klukowahutts wurde von Herrn v. Puttkammer ein eisernes Instrument, welches von den dortigen-Land- wirthen als eine Pflugschaar ältester Construction gehalten wird, übergeben. Das- selbe war vor einiger Zeit in einem Bruche mehrere Fuss unter dem Moorboden aufrechtstehend gefunden worden. Die genannten Gegenstände befinden sich in unserer Sammlung. Die sich hieran knüpfende Discussion, an welcher sich die Herren Kauffmann, Steimmig, Semon, Menge, Schück und der Vorsitzende be- theilisten, ergab als Resultat, dass solche Steine, wie der von Herrn Helm be- schriebene trogförmige, sowohl aus den schweizer wie auch mecklenburgischen Pfahlbauten her als die ältesten Mahlsteine bekannt, das dieselbe noch heute bei vielen uncivilisirten Völkern in Afrika und Amerika im Gebrauch seien, dass end- lich so kleine, runde Mahlsteine, wie der von Herrn Helm beschriebene zweite, noch heute zu den Handmühlen auf dem Lande, wie der Vorsitzende selbst im Lauenburger Kreise gesehen, gebraucht werden.
Hierauf setzte Herr Helm seinen Bericht fort. Die in Umfang bedeu- tendsten Hügel befanden sich in der Nähe des mehr als 1000 Fuss hohen
43
Thurmberges; sie massen ca. 30 Schritte in der Peripherie, waren mit grossen Steinen regelmässig umsetzt, also ordentliche Steinsetzungen, enthielten im Innern jedoch nur Erde und regellos auf einander gehäufte Steine: ein kleines Messer- chen von Eisen, vollständig mit Rost bedeckt, war das einzige Bemerkenswerthe, welches beim Aufgraben dieser Hügel gefunden wurde; dasselbe war ähnlich den bei Meisterwalde und Krissau in Steinkistengräbern aufgefundenen. An einem Orte unweit Schöneberg befanden sich sechs derartige Steinhügel zu beiden Sei- ten eines Weges; su welchem Zwecke dieselben einst gedient haben, muss dahin gestellt bleiben.
Unweit Lindenhof unmittelbar an dem grossen Radaunensee und ziem- lich steil an demselben hinaufsteigend, befindet sich ein von Dünensand gebilde- tes weites Terrain, welches mit Urnenscherben und Knochenasche vielfach belegt war. Von diesem Terrain, welches offenbar ehedem als Begräbnissplatz diente, weht der Wind häufig Sand ab und bringt dann Gegenstände von hohem Inter- esse ans Tageslicht. Der Besitzer des Gutes, Herr Dieckhofl, hatte dort u. a, mehrere Spangen und Gewandnadeln gefunden, händigte auch mit anerkennens- werther Bereitwilligkeit ein prächtiges Brocearmband und eine schön geformte Fibula aus. Letztere ist ähnlich einer auf Bornholm gefundenen, welche in den Memorien der Gesellschaft für Alterthumskunde in Kopenhagen (1372 Taf. 1. Fig. 11) beschrieben und abgebildet ist. Herr Helm fand auf dem beschriebe- nen Todtenfelde nur ein Paar Feuersteinsplitter und eine kleine meerblaue Perle, Die darauf zerstreut liegenden Urnenscherben waren zum Theil von beiden Seiten schön geglättet, jedoch ohne Verzierungen.
Der Vorsitzende machte darauf aufmerksam, das sowohl das Arm- band als die Fibel eine ganz ungewöhnliche, eigentbümlich schöne Form zeigen, wie sie nicht leicht in den archäologischen Abbildungen gefunden werde. Es müsse daher um so mehr Gewicht darauf gelegt werden, dass nur unter den Funden der Bornholmer Gräber, welche bekanntlich dem älteren Eisenzeitalter angehören, eine gleiche Fibel sich befinde; ebenso müsse besonders hervorgeho- ben werden, dass 2 silberne Armbänder von unzweifelhaft römischer Fabrikation aus Darzau in Hannover (Hostmann S. 105) und Wotenitz in Mecklenburg ganz denselben Kunststyl wie das obige Broncearmband, sowohl in der ganzen Form als in den einzelnen Ornamenten zeigten. Der Einfluss römischer Vorbilder weise nämlich für das Armband auf dieselbe Zeit hin, wie die Beziehung der Bornhol- mer Gräber für die Fibel, d. i. auf die ersten Jahrhunderte unserer Zeitrech- nung.
Herr Helm theilte hierauf mit, dass er einen kleinen Theil des Gold- klümpchens, welches in dem bei Münsterwalde gefundenen Broncegefäss befindlich gewesen und in der letzten Sitzung vorgezeigt wurde, chemisch analysirt habe, um daraus Schlüsse auf dessen Herkunft zu ziehen. Dasselbe enthielt in 100 Theilen nur O,,, Silber und 1,, Theile Kupfer; Platin war in der spirituösen Lö- sung dieses Goldes durch Vermischen mit Chlorkaliumlösung nicht aufzufinden. Die chemischen Analysen von Gold aus alten Mecklenburger Gräbern durch v. Santen ergeben ein Gehalt von Platina und viel mehr Silber, als in dem hier vorliegenden Falle; yv. Sante und Lisch ziehen hieraus und unter Vergleichung
H
mit Analysen von Gold aus dem Uralgebirge den Schluss, dass das in Mecklen- burg gefundene Gold seinen Ursprung aus dem Ural herleiten und dass sich schon damals Handelsverbindungen bis dahin erstreckt haben mögen. Das hier vor- liegende Gold dürfte nach den Voraussetzungen nicht aus dem Uralgebirge stammen.
Demnächst referirte Herr Helm über einen bei Putzig entdeckten interes- santen Fund von 27 Kilogramm antiker Broncebarren, von denen Proben vorge- legt werden. Die Barren sind !/; Meter und darüber lang, von der Breite und Dicke eines Mittelfingers, auf der einen Seite convex, auf der andern flach; die convexen mit der Gussform in Verbindung gewesenen Flächen sind glatt und fast ohne Eindrücke. Die Bronce selbst ist mit einer schönen grünen Patina bezogen sieht im Bruche grau, im Feilstriche blassgelb aus, ist schr hart und spröde und enthält nach der chemischen Analyse in 100 Theilen:
75,0 Theile Kupfer,
4,5 ee
11,359! «ogors Biel a ) 112 79 Or rk,
Spuren von Eisen.
Aus diesen analytischen Befunden kann mit ziemlicher Sicherheit geschlos- sen werden, dass die beschriebene Bronce aus der sog. Eisenzeit stammt, da die Broncen der reinen Broncezeit nur Spuren von Silber und kaum mehr als 1 Pro- cent Blei enthalten, wie auch v. Fellenberg’s Analysen aller Mecklenburger Bron- cen und Lisch’s Erläuterungen über den Gegenstand dargelegt haben. Die meiste Aehnlichkeit in der chemischen Constitution hat die betr. Bronce mit der alt- römischen und es ist daher wahrscheinlich, dass dieselbe in der Eisenzeit von dort durch den Handel hierher vertrieben wurde, um zur Fabrikation von Waf- fen und Schmuckgegenständen zu dienen. Bei näherer Erkundigung an Ort und Stelle wurde noch festgestellt, dass die Broncebarren zu Schwarzau bei Putzig, nicht weit von Seestrande aufgefunden wurden und zwar nur von einem grossen Steine und von Erde bedeckt. Der Ort liegt ungefähr 15 Meter über dem Mee- respiegel, aus welchem das Terrain hier steil aufsteigt. Andere Gegenstände wa- ren neben dem Funde nicht vorhanden, doch soll die Stelle nach der Ernte noch- mals genau untersucht werden. Unzweifelhaft ist der beschriebene Fund von grosser Wichtigkeit, weil er uns Aufschluss über Handelsverbindungen giebt, die zur Eisenzeit hier bestanden.
Herr Mannhart legte hierauf eine römische Broncemünze von Anto- ninus vor, welche in Ohra-Niederfeld gefunden worden. Herr Kaufmann berich- tete über interessante Alterthümer in Krokow, welche der Herr Graf Krokow dem Verein zn wissenschaftlicher Verwerthung übersandt hatte. Die Gegenstände sind auf Krakower Gebiet zum Theil einzeln gefunden an Orten, die nicht mehr genau festzu- stellen waren, zum Theil aber rührensie von 2 grösseren heidnischen Kirchhöfen her. Zu den ersteren gehören 4 kleine Henkelurnen mit gefälligen Verzierungen aus horizontalen und vertikelen Streifen am Urnenbauche, 1 schön polirter Steinham
ER 45
mer aus Speckstein, 1 Hammer aus dem Geweih eines Elens, dessen schön erhal- tene Krone die Spuren von harten Schlägen zeigt, ferner 1 Halsring und 2 spi- ralig gewunde Armringe aus Bronce, ein Bronceschwert mit zweischneidiger Klinge von der Form eines Schilfblatts, von dessen Griff nur noch ein kleiner Theil mit 2 Löchern erhalten ist; endlich ein Spinnwirtel aus gebranntem Thon und ein eiserner Sporn, welcher nicht nur durch eine vollständige Hackenkappe aus Ei- senblech, sondern aucb durch den 21. Ctm. langen Spornansatz, der in 3 Spitzen ausläuft, ausgezeichnet ist. Nach der Ansicht des Vortragenden stammt dieser Sporn bereits aus der Zeit des deutschen Ordens her.
Was nun die beiden Gräberfelder betrifft, so ist das-eine nordwestlich von Schloss Krokow bei Lankwitz gelegen und besteht aus 2 mit Strauch be- wachsenen Hügeln, welche bei näherer Untersuchung 15 regelmässige Steinsetzun- gen von verschiedener Grösse erkennen lassen. Von diesen hatten die Herren Graf Krokow und Prediger Bertling schon vor einiger Zeit zwei untersucht und darin ausser Urnen noch die Skelette zweier unverbrannter Leichen mit folgen- den Beigaben gefunden. Zuerst eine leider sehr zerbrochene Schaale aus dünner Bronce mit schöner Patina von flacher gefälliger Form mit angenietheten Platten und einem erhaltenen Henkel; ferner 2 stark verrostete, sehr beschädigte eiserne Sporen, welche nach sorgfältiger Entfernung des Rostes eine sehr schöne Silber- tauschirarbeit zeigen. Es sind nämlich auf das ganze Eisen des Spornes abwech- selnd glatte und fiederförmige, nur 3 Millimeter breite Silberplättchen aufgetra- gen. Ferner wurde dort ein zerbrochenes eisernes Messer gefunden, dessen Schaft eine Fassung von Holz, Leder und Bronceblech zeigt, endlich Stückchen von Le- der, Rinde, Wolltfäden und Tuch, an welchen die Spuren einer früheren Bronce- fassung deutlich zu erkennen sind. Weitere Ausgrabungen liessen nun Herrn Kauffmann an derselben Stelle zwar noch ein eisernes Gürtelschloss entdecken, indessen fand er alle übrigen untersuchten Gräber ganz leer, obwohl die Stein- setzung selbst zum Theil sehr schön erhalten und der Spaten bis auf den gewach- senen Boden vorgedrungen war: es ist daher wahrscheinlich, dass diese Gräber schon früher einmal untersucht worden seien.
Das zweite Gräberfeld liest südlich von Krokow auf dem Wege nach Lissau und zeigt die Charaktere der sogenannten Wendengräber. 1—1!/, Fuss tief unter der ganz ebenen Erdoberfläche stehen einzeln die schwarzen, von weni- gen kopfgrossen Feldsteinen umgebenen Urnen, welche ausser der Knochenasche zerbrochene und zerbogene einschneidige Schwerter, Schildbuckel, Lanzenspitzen, Fibeln und Zängchen aus Eisen enthalten, wie der Verein sie bereits aus dem Zywitz’schen Funde bei Oliva her kennt.
Ausser diesen interessanten Funden lest Herr Kauffmann noch fol- gende vor: 1 Steinaxt aus Serpentin, bei Schillno an der polnischen Grenze ge- funden und von Herrn Piltz geschenkt: 1 amerikanische Pfeilspitze, welche Herr Knoff in der Nähe des Niagara von einem Indianer selbst erhalten; 1 runden bearbeiteten Stein mit einer Rille an der Peripherie und 2 Vertiefungen in der Mitte, bei Kl. Bölkau gefunden und von Herrn Prediger Gehrt geschenkt, end- lich einen eisernen alterthümlichen Sporn von Herrn Arnold in Goschin gefunden und geschenkt.
.. v.c46
Der Vorsitzende, Dr. Lissauer, machte nun darauf aufmerksam, dass die Krokower Funde auf eine sehr alte Ansiedlung hinweisen. Sowohl der Hammer aus dem Geweih eines Elens, als auch das Bronceschwert machten es unzweifelhaft, dass schon zur Broncezeit, also lange vor der christlichen Zeitrech- nung, der Mensch dort seine Wohnstätte aufgeschlagen habe. Auch die Stein- setzungen, welche Herr Kaufmann beschrieben, gleichen den in Krissau und Meister- walde entdeckten so sehr, das man dieselben an und für sich in die Zeit des Ue- berganges vom Bronce- in das Eisenalter setzen müsste, wenn nicht die kunstvolle Silberinkrustation der darin gefundenen Sporen auf eine viel spätere Zeit, näm- lich auf die jüngste Eisenzeit, d. i. das Ende des vorigen Jahrtausends, hinwiese, wo bereits arabischer Handel das Silber den Ostseeküsten zuführte. Die dort ge- fundenen Schädel seien leider so zertrümmert, dass aus denselben gar kein Auf- schluss zu gewinnen sei; aus den Beigaben allein müsse man zunächst die That- sache constatiren, dass hier ursprünglich ältere Steinsetzungen, welche wahrschein- lich von einer germanischen Bevölkerung im Anfange des vorigen Jahrtausends herstammen, gegen Ende desselben noch einmal von späteren Bewohnern der Ge- gend als Grabstätten benutzt worden sind.
Dagegen zeige der andere sogenannte Wendenkirchhof ganz rein den Cha- rakter der Bornholmer Culturepoche, also der ältern Eisenzeit; es bieten demnach die vorgelegten Krokower Funde ein interessantes Miniaturbild der westpreussi- schen Cultur, von den ersten Anfängen bis in die christliche Zeit hinein.
Herr Schück zeigte eine Abbildung der Schliemann’schen Funde aus dem trojanischen Gebiet vor, unter welchen sich Gefässe von ganz gleicher Form wie die pommerellischen Gesichtsurnen und die in Schlesien gefundenen vogelför- migen Urnen vorfinden. Die Aehnlichkeit ist auffallend und verspricht die wei- tere Untersuchung wichtige Aufschlüsse für die historischen Verkehrswege. Vor- läufige Mittheilungen über die schlesischen Alterthümer von Herrn Schück schlos- sen die reichhaltige Sitzung.
Neunte Sitzung vom 7. October 1774.
Durch Reseript vom 18. Juli d. J. theile das Königliche Ministerium der geistlichen ete. Angelegenheiten dem Verein mit, dass auf den Antrag der Ber- liner anthropologischen Gesellschaft die betreffenden Behörden der Provinzen Preussen, (ausser dem R.-B. Gumbinnen) Posen und Pommern (ausser dem R-B, Stralsund) durch die Königlichen Ministerien des Handels und der Finanzen an- gewiesen sind, alle vorhistorischen Entdeckungen an den Vorsitzenden des Dan- ziger Lokalvereins Dr. Lissauer zu melden. Dieser referirte nun über eine durch Herrn Consul White überreichte sehr interessante Schrift von Zawisza, be- treffend 2 Höhlen in der Nähe von Krakau, welche die Charaktere der süddeut- schen Höhlen aus der Rennthierzeit darbieten; dann über eine Arbeit von Gre- wingk im Archiv für Antropologie „zur Archäologie des Baltikum“, welche, soweit dieselbe sich auf Westpreussen bezieht, die Sitzungsberichte des Vereins zwar mit sehr grosser Freiheit, aber auch mit sehr gresser Oberflächlichkeit ausbeutet. Hie- rauf wurden die zahlreich eingegangenen Geschenke vorgelegt. Herr Heydek aus Königsberg hatte einen Abguss einer interessanten grossen Fibel geschenkt,
41
welche er in einem altpreussischen Grabe aus der Heidenzeit gefunden, von einer Form, wie sie im späteren Eisenalter vorkommt und in unserer Sammlung noch nicht vertreten ist; Herr-Drawe hatte 2 Gesichtsurnen geschenkt, welche er neuer- dings in einer Steinkiste bei Saskoczin aufgedeckt hatte, deren eine nur Bronce- beigaben barg, während die andere eine sehr schön erhaltene grosse Haarnadel aus Eisen enthielt. Es ist diese Thatsache von grossem Interesse. Während nämlich die Steinkistengräber bei uns und somit auch die Gesichtsurnen gewöhnlich nur Beigaben aus Bronce enthalten, ist dies der zweite Fall (Herr Kauffmann hatte schon früher in der Starziner Gesichtsurne einen eisernen Nagel entdeckt), dass eine Beigabe aus Eisen in solcher Grabgefässen gefunden wurde; es ist damit der Beweis geliefert, dass wenn auch die Gesichtsurnen und die Steinkistengräber im Ganzen aus der Broncezeit herstammen, dieselben doch bis in die Eisenzeit hin- einreichen.
Herr Drawe hatte ferner einen Silberdenar von Trajan, welcher an den Wurzeln ‘eines Baumes auf Saskocziner Boden gefunden, Herr R. Steimmig jun. 2 römische Silberdenare, welche von dem bekannten Goschiner Münzfunde herrührten, und Frau Genschow einen schönen, sehr grossen Steinhammer, welcher auf Alt-Rothhof bei Marienwerder durch den Pflug aufgedeckt worden, der Sammlung geschenkt.
Ein besonders grosser Zuwachs wurde der Sammlung zu Theil durch die neuen Ausgrabungen, welche der Verein unter der sachkundigen Aufsicht des Herrn Stud. Haupt auf dem Acker des Herrn Zy wietz am Fusse des Carls- berges in Oliva veranstaltet hatte. Herr Zywietz hatte schon im vorigen Jahre die höchst interessanten Funde, welche dort gemacht worden waren, der Gesell- schaft geschenkt und in dankenswerther Weise den Vorstand aufgefordert, dieses Jahr nach der Ernte die Ausgrabungen dort systematisch fortsetzen zu lassen. Diese Untersuchungen waren denn auch von schönem Erfolge gekrönt. Im Gan- zen wurden 15 Urnengräber und 19 sogenannte Brandgruben (Brandpletter) auf- gedeckt und die folgenden Beigaben darin gefunden: aus Eisen 1 dreifach zu- sammengebogenes Schwert, 6 verbozgene Sperrspitzen, 1Sax, 1 verbogenes Degen- gehenk, 7 Fibeln, 1 Schnalle, 2Zängchen und 1 Stück Schlacke von sehr grossem Eisengehalt; ferner aus Bronce 1 schönes Degengehenk, 1 Nagel, 2 Armbänder, 7 Fibeln, 1 Ohrring, 1 grösserer Ring, 1 zusammengeschmolzenes Stück; endlich 2 Spindelsteine und 1 Stückchen Glas. Besonders interessant ist, dass zwischen zwei Brandgruben ohne Knochenasche ein sehr dolichocephaler menschlicher Schä- del begraben war, welcher durch seinen Index von 70,1 und seine ganze Gestalt auf die einst hier angesessene germanische Urbevölkerung hinweist. Alle diese Gegenstände, welche übrigens der älteren Eisenzeit angehören und mit den Born- holmer Funden die grösste Aehnlichkeit haben, hat Herr Zywietz wiederum der Gesellschaft geschenkt und sich dadurch”_um unsere Sammlung ein grozses Ver- dienst erworben; was die wissenschattliche Bedeutung derselben betrifft, so müs- sen wir auf die Abhandlung verweisen, welche der Vorsitzende darüber in den Schriften der Gesellschaft veröffentlichen wird.
Hierauf hielt Herr Schück einen durch viele Abbildungen erläuternden Vortrag über vorhistorische Alterthümer Schlesiens. Diese Alterthümer lassen
48
s
sich bisher weder nach der Nationalität der Urbewohner, noch auch nach einem Stein-, Bronce- und Eisenalter ordnen, indess erscheint es schon jetzt wahrschein-: lich, dass dieselben grösstentheils in Schlesien selbst angefertigt worden. Es kommt dort nicht nur der Granit und Feuerstein der Steinwerkzeuge vielfach vor, son- dern auch die Gussformen für die Broncen sind in den dortigen Gräbern aufge- funden, ebenso die Thonröhren (vom Redner zuerst bei Reichenbach in einem Grabe entdeckt), welche bei der primitiven Eisengewinnung aus Raseneisenstein benutzt wurden; doch weisen andrerseits reiche Münz- und Bernsteinfunde auch auf vorhistorische Verbindungen mit andern Völkern sowohl des mittelländischen als des baltischen Meeres hin. Zu den ältesten Denkmälern gehören jene grossen in den Fels gehauenen Vertiefungen im schlesischen Gebirge, welche für heid- nische Opferaltäre gehalten werden, ferner eigenthümliche Felsskulpturen auf dem Zobten von der Gestalt eines kopflosen Weibes, die sogenannten Dreigraben, jene grossartigen Befestigungswerke, welche, wie am Bober, sich bis zu einer Länge von 15 Meilen ausdehnen, die Ring- und Burgwälle, endlich die grossen Aschen- felder in der Nähe des Zobten, nach Hodann’s Untersuchungen Abfallhaufen, welche eine lange Zeit hier angesessene vorhistorische Bevölkerung hinterlassen hat. — Die heidnischen Gräber Schlesiens sind entweder Steingräber oder Erd- hügel oder flache Gräber, welche wiederum verschiedene Unterarten, wie in West- preussen, darbieten. Eigenthümlich sind der Provinz die bei Haynau gefundenen vogelförmigen Urnen, deren Aehnlichkeit mit einigen der Schliemann’schen Funde der Vortragende schon in der vorigen Sitzung hervorgehoben hat. Eine Ge- schichte der prähistorischen Forschung in Schlesien vom 17. Jahrhundert an bis zur letzten Naturforscherversammlung in Breslau schloss den Vortrag.
Herr Conwenz legte hierauf einige Urnenscherben und einen schönen Keil aus dioritischem Gestein vor, welche er in den Kiesablagerungen in der Nähe des Eisenbahndammes bei Langenau gefunden; Herr Kauffmann endlich be- richtete über neue Ausgrabungen in Rottmannsdorf und Czerniau, sowie über in- teressante Broncen, welche deren Besitzer Herr Hirschfeld in der nächsten Sitzung vorzulegen versprach.
Zehnte Sitzung vom 12. November 1874.
Der Vorsitzende legte zuerst eine schöne Feuersteinaxt vor, welche Herr Plehn-Lubochin auf seinem Acker zwischen zwei grossen Steinen gefunden und der Sammlung geschenkt; dann zwei grosse Bernsteinperlen, welche aus einem Steinkistengrabe in Voltzendorf herstammten und von Herrn Völtz geschenkt waren,
Hierauf berichtete Herr Walter Kauffmann über seine in der letzten Zeit gemachten Excursionen. In Rottmannsdorf untersuchte er mit den Herren Holtz und R. Mayer eine vom Pfluge schon theilweise zerstörte Steinkiste, welche 1!/, Fuss unter der Oberfläche aus sechs Steinplatten zusammengesetzt und von vielen Kopfsteinen umgeben war. Die vier zerbrochenen Urnen zeigten keine Zeichnungen, waren ziemlich roh gearbeitet und hatten alle mützenartige Deckel; eine derselben, die schwarz war, hatte einen hellroth gebrannten Deckel, wie man aus dem in der Rille des Deckels sitzen gebliebenen Halse ersehen konnte. Der
4)
Boden dieser Kiste war nicht wie gewöhnlich durch eine Steinplatte gebildet, son- dern jede Urne stand auf eirca 6 kleinen Steinen, die sich durch den Boden in das Innere der Gefässe hineingedrückt hatten. Nur in der Knochenasche der einen Urne fand sich ein kleiner Broncering. Ungefähr 50 Schritte von diesem Grabe lag an der Oberläche ein grösseres Fragment eines Hammers, aus diori- tischem Gestein, an dem noch die eine Hälfte des Stielloches sowie die Schneide- fläche gut erhalten sind. In Czerniau fand er nach längeren Nachgrabun- gen zwei Urnen, welche von grossen Steinen umstellt, schr roh gearbeitet und ohne Verzierungen waren, eine Urne stand in ciner nur 6 Cm. hohen Schaale welche wie die Urnen selbst gänzlich zerbrochen war. Von Beigaben fand sich nur ein Broncering.
In Prangschin wurde auch eine Urne gefunden, die Herr Knofi der Samm- lung geschenkt, ebenso wie die in derselben Kiste gefundenen Urnenohren mit Bronceringen, auf die Bernstein- und Glasperlen gereiit waren. Ein Ohr hatte 3 eiserne Ringe durch die Löcher gezogen, was insofern interessant ist, als diese Reste vielleicht einer Gesichtsurne angehört haben.
In Folge eines Vortrages, den Herr Kauffmann in Neustadt W.-Pr. über das vorhistorische Westpreussen gehalten, wurde eine grössere Anzahl von interes- santen Fundobjecten aus dem Neustädter Kreise der Sammlung des Vereins ge- schenkt. So von Herrn Direetor Seemann 1) eine Urne, die 1763 zu Gora bei Neus adt gefunden ist. Sie zeigt am Halse in einem Abstande von 14 Cm. zwei Ohren mit Bronceringen, auf die Bernstein- und Glasperlen gereiht sind. Sonst ist am Halse aber keine Andeutung von einem Gesicht; es ist dieses also 'entwe- der eine Art von unvollständiger Gesichtsurne oder eine besondere Art von Hals- verzierung, wie sie bisher noch nicht bekannt ist. 2) 2 hutförmige Deckel mit büschelförmigen Streifen. 3) 2 Broncearmringe, im Czarnowitzer See gefunden. Sie haben 7 resp. 8 Cent. inneren und 11 und 12 Cm. äusseren Durchmesser, und bestehen aus kreisförmig gekrümmten, nach innen offenen Broncecylindern. Da sie immer unter dem Wasser gelegen haben, fehlt ihnen die Patina. 4) Ein ebenfalls im Czarnowitzer Sce gefundenes Broncediadem, das 36 Cm. Umfang hat und 4 Cm. breit ist. Es besteht aus einem dünnen Bronceblech, das auf der einen Seite in eine umgebogene Spitze zuläuft, auf der audern eine kleine Rille mit einem Loche hat, in das die umgebogene Spitze hineingreifen kann; 23 pa- rallel laufende Streifen bilden die Verzierungen dieses Diademes. 5) Zwei kleine ineinanderhängende Bronceringe, auf deren grösserem eine Broncespirale aufge- ‚reiht ist.
Von Herrn Dr. Samland erhielt Redner einen Hammer aus dioritischem Gestein, der in der Nähe von Czarnowitz gefunden war; von Herrn Oppermann jun. eine 1773 bei Neustadt in einer Steinkiste gefundene Schaale aus Thon.
Ferner berichtet Herr Kauffmann über zwei Urnen, die im Besitze des Herrn Hauptlehrers Gryger in Neustadt sind, deren eine glänzend schwarz und einfach ver- ziert ist, deren andere jedoch ein Fragment von einer Gesichtsurne darstellt, wel- ches noch ein Stück des Halses mit einem Ohre und dem Munde zeigt. Das Ohr hat 6 Löcher; durch zwei derselben ist je ein Broncering durchgezogen, der eine mit 3 Bronce- und 4 aus Thon verfertigten Ringen, der andere mit 7 Bronce-
4
50 und 9 Thon-Ringen. Die aus Thon geformten Ringe sind ganz dünn und ganz gleich an Dicke, Form und Durchmesser, so dass sie wahrscheinlich mittels einer festen Form ausgepresst sind. Sie sind ganz weiss gebrannt. Der Mund besteht aus zwei wulstigen Lippen und ist wie bei der Brücker Urne dadurch ausgezeich- net, dass die Zähne durch Striche angedeutet sind, sowohl auf der Ober- wie auf der Unterlippe.
Der Vorsitzende hob es mit Dank hervor, dass das Neustädter Gym- nasium durch die obigen Geschenke das Bestreben des Vereins, ein Provinzial- Museum zu schaffen, in welchem doch erst jeder einzelne Fund seinen vollen Werth erhalte, erheblich gefördert habe, gegenüber der neuerdings in der Pro- vinz aufgetauchten Richtung, kleine Sammlungen zu begründen, welche die wis- senschaftliche Verwerthung so sehr gefährden. Auch Herrn Walter Kauffmann, der sich erboten hat, nicht nur seine schöne Privatsammlung immer dem Verein zu belassen, sondern überhaupt nur im Interesse der Vereinssammlung zu wirken, sprach der Vorsitzende im Namen des Vereins seinen Dank aus.
Auf die Mittheilung des Königl. Oberförsters Herrn Vietze in Üzersk, dass in der dortigen Forst, dicht am Schwarzwasser bei Oddri interessante Stein- denkmäler vorhanden seien, begaben sich Herr Striowski und der Vor- sitzende an Ort und Stelle, um dieselben zu untersuchen. Es waren dort aus grossen Steinblöcken ganz regelmässige Kreise (Cromlechs) hergestellt, in deren Mitte unter einem grossen Stein ein Grab entdeckt wurde, welches die Reste des Leichenbrandes mit oder ohne Urne enthielt. Ausser diesen Kreisen standen dort auch Gruppen von je 3 grossen Steinblöcken (Trilithen), unter deren mittel- stem ein solches Grab war. Von Beigaben fand sich nur eine Pfeilspitze aus Feuer- stein und ein schöner Hammer aus Serpentin, welcher durch die Güte des Königl. Oberforstmeisters Herrn Mangold in den Besitz der Gesellschaft gelangt ist. Die einzelnen Steinblöcke sind 3—5 Fuss hoch und 1-3 Fuss mächtig; die ganze Stätte macht einen imposanten Eindruck und gehört wohlzu den ältesten mensch- lichen Spuren, welche unsere Provinz besitzt. Eine genaue Beschreibung und Zeichnung derselben wird in dem nächsten Hefte der Schriften der Naturforschen-
den Gesellschaft erscheinen. Ein Bericht des Vorsitzenden über den anthropologischen Congress in
Stockholm schloss die Sitzung.
Elfte Sitzung vom 26. Februar 1875.
1. Der Vorsitzende Dr. Lissauer theilt zuerst. ein Schreiben des Herrn Ober-Präsidenten der Provinz Preussen mit, in welchem die Bedeutung der Ar- beiten und Ziele des Vereins anerkannt und der Vorstand aufgefordert wird, Vor- schläge zu einer Staatsbeihilfe zu machen um jene Aufgaben kräftiger, als es mit den bisherigen Mitteln möglich war, zu verfolgen. Der Verein beschloss einstim- mie, dieser Aufforderung zu entsprechen und beauftragte den Vorsitzenden, dem Herrn Ober-Präsidenten für dieseshocherfreuliche Entgegenkommen zu danken und denselben um dringende Befürwortung der zu unterbreitenden Vorschläge bei dem
Königlichen Ministerium zu bitten. 2. Herr Major Kasiski hat einen sorgfältigen Bericht über seine archä-
öl
ologischen Untersuchungen im Jahre 1874 eingesandt, welcher wiederum in den Schriften der Naturforschenden Gesellschaft erscheinen wird. Der Vorsitzende hob daraushervor, dass Herr Kasiski abermals eine Reihe von sogenannten Brand- gruben be} Neustettin untersucht, in welchen wiederum alle jene Charaktere sich wiederholen, welche in den schon früher untersuchten Gräbern bei Neustettin und Oliva constatirt sind und zu der Annahme hindrängen, dass an diesen Stellen in der älteren Eisenzeit Bornholmer Factoreien existirten, eine Annahme, welche der Vorsitzende in einer ausführlichen Arbeit der Gesellschaftsschriften beleuch- tet hat.
3. Herr Baurath Crüger in Schneidemühl macht die höchst wichtige Mittheilung, dass er in den Ablagerungen der Driftströmung im Regierungsbezirk Bromberg Artefacte von roher Arbeit gefunden habe, welche die Existenz des Menschen im Bereiche dieser Strömung schon gleich nach der Eisenzeit beweisen würden. Der Verein erkennt die Bedeutung dieser Mittheilung an und wird durch eine Commission von sachverständigen Mitgliedern, sobald es angeht, an Ort und Stelle diese Thatsachen prüfen lassen.
4. Nun legte der Vorsitzende eine Reihe von Gypsabgüssen vor, welche von Herrn Florkowski in Graudenz von Alterthümern aus Westpreussen angefer- tigt und für das Museum des Vereins erworben worden sind. Dieselben füllen sehr instructiv die Lücken der Sammlung aus und ergänzen dieselbe zu einem Ge- sammtbilde der Steincultur \Westpreussen’s.
5. Herr v. Frantzius-Kaltenhof hatte ferner einen Denar der Faustina sen, welcher auf seinem Gute bei Riesenburg getunden, Herr Richter-Neu-Bo- litten ein schönes Steinbeil, welchesauf seinem Gute bei Liebstadt gefunden u. Herr Hirschfeld-Czerniau cine Reihe werthvoller auf seinem Grund und Boden aus- gegrabener Alterthümer dem Verein geschenkt, unter denen sich besonders einige Ringe und ein Stück Bronce auszeichneten, erstere durch ihre Form, letzteres durch seine Grösse; Herr Helm wird die Zusammensetzung derselben durch die Analyse genau ermitteln.
6. Herr Wedding-Gulbien hatte den Inhalt eines Urnengrabes, welches vor längerer Zeit auf seinem Gute bei Deutsch-Eylau entdeckt worden, dem Ver- eine überschickt, ausser mehreren Bronzen ein Stück geschmolzenen Glases. Es zeichnet sich bei diesem Funde besonders eine vollständig erhaltene Broncefibel durch jenehöchst gefällige, einfache Form aus, welche für dieetrurisch-italische Fabrication charakteristisch ist und auf die ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung binweist.
7. Herr Walter Kaufmann berichtet über seine letzte Excursion nach dem Marienburger Urnenfelde bei Willenberg am 13. November 1874. Der erste Theil dieses Feldes an der Willenberger Windmühle war neuerdings umgepflügt und dadurch eine Menge Scherben von Urmen und Gefüssen zu Tage gebracht, die jedoch keine neuen Zeichnungen aufwiesen; ausserdem fanden sich nur noch verschiedene Stücke von gebranntem Lehm mit rillenförmigen Eindrücken, wie sie Redner früher schon dort gefunden und beschrieben hat. Auf dem ferner gele- genen Riedel’schen Gebiete jedoch entdeckte er auf einem verhältnissmässig kleinen Raume von ca. 100 Q.-Fuss sehr viele Feuersteinsplitter, Stemmstücke, drei sehr
sauber gearbeitete kleine Pfeilspitzen, zwei ganz erhaltene Meissel aus dioritigem 5
!
> Gestein, 2 Fragmente von Meissen und ein Stück eines Steinhammers mit dem Stielloehe. Bronze war nur durch ein kleines Kettehen und einen halben Arm- ring vertreten. Von Eisensachen wurden nur Klammern und Nägel gefunden, deren Alter sich jedoch gar nicht bestimmen lässt, die sogar theilweise aus der Jüng- sten Zeit zu sein schienen, dasiezwischen Glas und Porzellanscherben lagen. Redner hob wieder hervor, dass es ganz unmöglich sei, aus den gefundenen Gegenständen das Alter derselben bestimmen zu wollen, da alles an der Oberfläche des Sand- bodens zusammengemischt liegt und Bronce und Steingeräthe neben Produeten der Neuzeit gefunden werden, die keinen Zweifel über ihr Alter zulassen.
Ferner zeigte Herr Kauffmann drei Gesichtsurnen vor, die im Herbst 1874 in Nenkau bei Danzig gefunden waren und die Herr Rittergutsbesitzer Maquet-Nenkau dem Verein gütigst überlassen hatte. Die grösste derselben zeich- net sich durch die Feinheit ihrer Verzierungen und des Materials besonders aus und istüberhaupt die grösste, die bisher gefunden ist; diezweite hatnoch an ihrem Halse ein Stück eines eisernen Halsringes, der wahrscheinlich von einem Ohr zum ande- ren gezogen gewesen ist. Eine genauere Beschreibung dieser Urnen behielt Herr Kauflmann sich vor.
8. Herr Realschullehrer Schulze demonstrirt eine sehr schöne Gesichts- urne, welehe Herr Puder-Seefeld aus einer Steinkiste gehoben und dem Verein ge- schenkt hat. Derselbe legte darauf ein prächtiges, fast ganz erhaltenes Bronce- schwert vor, welches in Mersinken, im Kreise Lauenburg in Pommern, durch den Pflug zu Tage gefördert worden ist. Das Schwert ist zweischneidig und hat die Lanzett- oder Xiphosform ; auf dem Hefte ist eine doppelte Spirale gleichsam als Korb durch einen hervorragenden Keil befestigt. Längs der Schneiden laufen je 3 Riefen, welche nach der Form des Schwertes unten in einer Spitze zusammen trefien. Der untere Theil des Heftes ist in der Mitte ausgerandet. Die Länge des ganzen Schwertes beträgt 71 Cm., des Heftes 10 Cm.; die Höhe der Spirale 3,5 Cm.; die Breite beider Spiralen 8 Cm., des Schwertes unter dem Heite 3,5 Cm., in der Mitte 4,5 Um.
Die Sammlung des Vereins besitzt bereits zwei ähnliche Schwerter auch sind dieselben in den scandinavischen Ländern und in Norddeutschland öfter ge- funden worden. Sie stammen jedenfalls aus einer Zeit her, da man noch nicht Waffen aus Eisen kannte und verrathen wahrscheinlich schon frühe Einflüsse der südlichen Culturvölker. i
9. Herr Schück legte eine Reihe von Funden aus Steinkistengräbern vor, welche südwestlich von Kl. Katz an der Grenze von Gr. Katz auf einem der dor- tigen Hügel, etwa 50 Fuss hoch, im vorigen Jahre entdeckt worden. Herr Re- gierungs-Ohef-Präsident v. Diest hatte die Güte, den Vorsitzenden Dr. Lissauer darauf aufmerksam zu machen. Der Grundbesitzer Herr Geheim-Oberregierungs- rath v. Brauchitsch in Oöslin erklärte im Interesse der Wissenschaft in dankens- werther Weise seine Bereitwilligkeit, weitere Nachforschungen zu gestatten und zu unterstützen. Durch seine Güte sind die bis dahin dort gemachten Funde dem Vereine zur Disposition gestellt worden. Beieinem im Spätherbst in Kl. Katz gemach- ten Besuch fand Redner die Löcher von 12 bis 15 aufgedeckten Gräbern. Auf dem Hügel selbst fanden sich, namentlich auf dem Gipfel, grössere Massen von Asche
53
und verbrannten Knochen ausgeschüttet, wonach wohl noch viel mehr Gräber dort geleert sein mögen, deren Spuren später vernichtet worden sind.
Die geöffneten Gräber zeigten noch grösstentheils die aus rothem Sand- stein bestehenden Wände in der ursprünglichen Lage. Die etwa 2 bis 3 Fuss tiefen Gräber enthielten je 3 kis 4 Urnen, von verschiedenen Formen, wie diesel- ben hier vertreten sind. Der Boden der Gräber war gepflastert.
Die damals angestellten Nachforschungen nach unversehrten Grabstellen hatten keinen Erfolg, dagegen erhielt Redner das Versprechen, dass bei der Feld- bestellung im Frübjahr die Interessen des Vereins wahrgenommen werden sollen. Von den in jenen Urnen vorgefundenen Beigaben wurden zunächst zwei reich- geschmückte Ohren von Gesichtsurnen, welche letztere leider bis auf einen Deckel vernichtet sind vorgelegt, Dieser Deckel enthält zwischen den schrägen, Haare andeutenden Streifen wiederkehrend am Rande Figuren in Form eines Dreizacks. Das eine Ohr hat einen eigenthümlichen Schmuck in Form eines hübsch verzierten Broncebügels. Der Bügel des andern Ohres ist in Stücken vor- handen. Ein vollständig erhaltenes, sauber gearbeitetes Broncezängchen (Pincette) mit Schieber, gleicht Funden, wie sie in nordischen Museen aufbewahrt werden.
Ebenso gleicht die hier vorgelegte Haarnadel von Bronce in Form und Ornamentirung denjenigen, welche in der Sammlung des Vereins schon mehrfach vorhand en sind.
Ausserdem fanden sich noch unter den vorgelesten Gegenständen aus Bronce einige kleinere Ringe mit aufgereihten Bernsteinperlen, Fragmente von Armrin- gen; aus Eisen ein Riegel und ein geschmolzenes Stück, dessen ursprüngliche Form nicht mehr erkennbar ist.
10. Herr Mannhardt besprach die Aufdeckung von Steinkisten auf dem Pelonker Felde, seewärts Oliva-Friedensschluss, zu welcher der Eigenthümer des Grundes, Herr Mühlenbesitzer Dahlmann in Oliva, den Verein aufgefordert hatte, Im Jahre 1373 sind auf demselben Terrain bei Friedensau Gräber gleicher Art mit ausgezeichneten Gesichtsurnen entdeckt. Während die in neuerer Zeit mit Wald bestandene Ebene nach Ausweis des Namens der sie begrenzenden Hüsel (Pelonke d. h. an der Wiese) in wendischer Zeit, d. h. im jüngeren Eisen- alter, als grosse Weidenfläche dagelegen hat, lassen die beiden IKXirchhöfe von Steinkistengräbern für ihre Zeit vielleicht auf mehrere Wohnplätze auf derselben schliessen, die von Aeckern umgeben gewesen sein mögen. Die Structur und der Inhalt der Gräber, von denen ein Dutzend aufeefunden wurde, entsprach den aus anderen Füllen bekannten Verhältnissen; in den sehr weitbauchigen Urnen fanden sich als spärliche Beigaben Reste broncener Schmucksachen, keine Waffen. Be- merkenswerth ist darunter cine gresse, ziemlich vollständig erkaltene Pincette, welche in Gestalt und Grösse genau einer in Schweden gefundenen Form des älteren Eisenalters (Montelius Sr. F. Fig. 264, doch ohne Ohrlöffel) identisch ist, aber ein anderes pfanzenartiges Ornament aufweist, dessen Motiv an mehre- ren Broncegeräthen des von Herru Schück ausgestellten Katzer Steinkistenfundes, sowie an der Nenkauer Gesichtsurne wiederkehrt. In den Anfang des Eisenalters werden gewisse Steinkisten auch durch die mehrfach an und in Gesichtsurnen be- merkten eisernen Beigaben (Ring, Nagel u. s. w.) verwiesen. In dem Katzer
54
Funde tritt die kleine Pincette der frühesten Eisenzeit (Mont. F. 265a.) neben einer Brustnadel der jüngsten Broncezeit (Mont. 213) auf. Da nun auch in Skandina- vien die Steinkistengräber mit Aschenurnen und Schmucksachen, doch äusserst seltener Beigabe von Waffen ein charakteristisches Kennzeichen für den Schluss der Broncezeit bilden, deren Anfang und Mitte Steinkisten mit unverbrannten Ge- beinen bezeichnen, so ist es wahrscheinlich, dass unsere Steinkisten, die Fundstät- ten der Gesichtsurnen, auf der Scheide des Broncealters und Eisenalters stehend und in jenes einige Zeit hineinreichend, uns von einer continuirlichen, nicht ge- waltsam unterbrochenen, sondern nur durch friedliche Einflüsse von aussen beein- flussten und allmählig veränderten Cultur hier zu Lande in jenem Zeitraum Kunde geben.
ll. Herr Helm zeigte ein flaches aus Bronce getriebenes Gefäss mit Broncestiel vor, welches nicht weit von Mewe, auf dem Gute des Herrn Glaubitz, beim Umpflügen eines Ackers gefunden wurde. Dasselbe war mit gebrannten Knochen und Erde gefüllt und mittelst eines Thondeckels leicht verschlossen. Die Form des Gefässes glich den in „Worsaae’s Abbildungen des Kopenhagener Mu- seums“ S. 65, Fig. 232 und „Montelius Schwedens Alterthümer“ S. 112 und 113, Fig. 576 und 377 abgebildeten fast genau; bei dem hier vorliegenden war nur ein kleiner Theil des Stieles durch Abbrechen verloren gegangen. Da die oben ci- tirten Gefässe sicher römischen Ursprungs sind und etwa aus dem 3. bis 4. Jahr- hundert u. Z. herstimmen, so nahm der Redner an, dass auch das vorliegende jener Zeit angehört und als Kochgefäss, später nach dem Tode des Besitzers zur Aufnahme seiner Aschenreste gedient habe. Die chemische Analyse eines kleinen Theiles des Gefässes erwies, dass es eine überwiegend kupferhaltige Bronze ohne Bleigehalt war.
Herr Helm theilte ferner die chemische Analyse zweier Broncen mit, welche aus hier gefundenen Graburnen stammten. Die eine war einem bei Sas- koezin belegenen sog: Kistengrabe entnommen u. enthielt Beigaben aus Bronce, feine IXetten u. dünne Spangen. Eine dieser Spangen war zusammengesetzt in 100 Thei- len aus 90,910 Theilen Kupfer, 6,995 Theilen Zinn, 1.950 Theilen Blei, 0,007 Theilen Silber, Spuren von Zink, 0,011 Theilen Eisen. Die zweite Bronce war einer bei Oliva gefundenen Graburne entnommen, welche nicht in einem Stein- kistengrabe, sondern einzeln und nur von wenigen Steinen umgeben, also fast frei in der Erde gestanden hatte. Diese Urne enthielt neben eisernen Waffentheilen Stücke Draht und zusammengeschmolzene Klümpchen aus Bronce. Einer dieser Bronecedräthe ergab in 100 Theilen: 89,120 Theile Kupfer, 10,462 Theile Zinn, 0,150 Theile Zink, 0,171 Theile Blei, 0,072 Theile Eisen.
Herr Helm führte im weiteren Verlaufe seines Vortrages aus, dass er die chemische Analyse der genannten Broncen, von denen die eine wahrscheinlich der Bronceperiode, die andere sicher der Eisenzeit angehöre, zu dem Zwecke ausge- geführt habe, um aus der chemischen Zusammensetzung derselben aufihre etwaige Herkunft schliessen zu können. Namentlich beziehe sich das auf ihren Gehalt an Blei, Bekanntlich wurde der Zusatz dieses Metalles zur Broncefabrikation etwa erst zur Zeit der römischen Kaiser beliebt. Plinius berichtet u. a., dass zu seiner Zeit ausser dem Plumbum argenteum (Zinn) auch Plumbum nigrum zur Bronce- -
a
bereitung genommen werde. Lisch und Santen nehmen an, dass eine antike Bronce, welche mehr als 5 bis 6 pCt. Blei enthält, der altrömischen Culturepoche angehörte. Auch die seiner Zeit von dem Vortragenden bei Putzig gefundenen und analysirten Broncebarren mit einem Gehalt von 11 pCt. Blei stammten offen- bar aus dieser Epoche. Wenn nun die vorliegenden chemischen Analysen zweier Broncen, von denen die eine (die Pfanne) mit einiger Gewissheit aus dem alten Rom stammt, die andere der Zeit nach der altrömischen Culturepoche angehört, kein oder nur sehr geringe Mengen Blei ergeben hat, so dürfte in Betracht zu ziehen sein, dass die Römer doch wohl nur Blei zur Broncefabrikation verwand- ten, einmal um das theure Zinn durch ein wohlfeileres Material zu ersetzen, an- dererseits um die Schmelzung bei niederer Temperatur bewirken und den gefer- tisten Gegenständen behufs ihrer weiteren Bearbeitung eine grössere Weichheit geben zu können.
Niemals dürften die alten Römer aber Broncegegenständen,